Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 71 (9.9.1901)
- Date
- 1901-09-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1559 ein Aller von nur 46 Jahren erreicht; — viel zu früh ist dieser brave Mann, das Vorbild eines wohlmeinenden Nechtsberathers, von uns geschieden. Viele sind es, die den Tod des treuen Anwalts auf's Tiefste beklagen. Möge ihm die Erde leicht sein!" («Schweiler, 4. Sept. Ein schlichter jüdischer Arbeiter, ein Mann, der bereits die Ehrenmedaille für 4>-jährige treu geleistete Dienste besitzt, feierte gestern die goldene Hochzeit. Herrn David B a e r , so heißt der biedere Ehrenmann, wurde von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser die Ehejubiläumsmedaille verliehen. Die Feier begann um 11 Uhr Vormittags in der festlich erleuchteten Synagoge, die von Theilnehmern aus allen Eonfessionen überfüllt war, und waren unter anderen hohen Persönlichkeiten die Herren Dr. von S ch l n m bergcr , Präsident des Landesausschusses von Elsaß-Lothringen, sowie Herr Kreisdirektor Klee m a n n anwesend. Herr Rabbiner Dr. Ginzburger wies in seiner Rede darauf hin, daß dieselben Sinnbilder, mit denen die Ehe des Jubelpaares vor fünfzig Jahren eingesegnet wurde, auch am heutigen Tage ihm in's Gedächtniß zurückgerufen werde. Der Trauring besage ihnen, daß sie seine Ermahnungen treu und redlich gehalten haben, das Band des Friedens und der Eintracht habe sie stets umschlungen. Im Glücke hätten sie sich vor Stolz und Ueberhebung zu hüten gewußt und im Unglücke vor Muthlosigkeit und Verzweiflung, daher seien heute an ihrem Jubeltage ihre Häupter mit einem Kranze und zwar mit dem Kranze der Tugend umwunden. Hieraus wurde von Herr Rabbiner die Medaille überreicht. In seiner Ansprache wies er darauf hin, daß diese Auszeichnung eines unserer Glaubensgenoffen einen neuen Beweis dafür bilde, daß wir in einem Lande der religiösen Freiheit und Duldsamkeit leben. Nach einem kurzen Gebet für Sr. Majestät dem Kaiser und dem Jubelpaare, schloß die würdige und erhebende Feier. O e st e r r e i ch. Brünn, 6. Sept. (Ein Achtzigjähriger.) „Die Lebensdauer des Menschen währet siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig." Diese achtzig hat er nor kurzem erreicht, der greise und doch noch so jugendfrische Dichter und Philosoph Dr. Heinrich Landes mann (Hieronymus Lorm), in seinem trauten Heim in der mährischen Hauptstadt. In Mähren stand die Wiege seiner Geburt, hier will er auch zur letzten Ruhe gebettet sein. Lorm, der bedeutendste unter den lebenden jüdischen Dichtern, verließ bereits im sechsten Lebensjahre seine Heimathsstadt Nikolsburg, um in Wien die Schule zu St. Anna und später die polytechnische Hochschule zu absolviren. „Lerne leiden, ohne zu klagen:" in diese Devise des verewigten Kaisers Friedrichs können wir die Lebens- und Leidensgeschichte Lorm's zusammenfaffen. Denn kaum hat ein Mensch mit so viel Geduld und Gottergebenheit sein trauriges Schicksal ertragen, als er. Mit fünfzehn Jahren erblindete er in Folge einer Lähmung, und im Jahre 1836 verlor er auch das Gehör. Aber trotzdem blieb Lorm unermüdlich thätig auf literarischem Gebiet, und als einer der bedeutendsten Lyriker und Epiker wird heute der Greis gefeiert. Seine nennenswerthesten Werke sind: „Am Kamin," „Außerhalb der Gesellschaft," „Ein Zögling des Jahres 1849" u. a. Bekannt ist auch seine mohamedanische Faustsage „Abdul." Durch seine „Wiener politische Schwingen und Federn" zog er sich den Haß Metternich's zu; er zog von Wien und ließ sich in Berlin nieder. Später weilte er in Baden, Dresden, und seit 1873 weilt Lorm in Brünn. Die zweite Frau Auerbach's war eine Schwester Lorm's. Mögen dem Jubilare noch recht viele Jahre reichen Wirkens beschieden sein! M. B i n h e i m. Persien. Zspahan. Seit drei Jahren ist die „Alliance Jsr." bemüht, in den bedeutendsten Gemeinden Persien's Schulen zu errichten, welche in dem Lande des Schah nicht nur dazu dienen, die unglückliche jüdische Bevölkerung der Unwissenheit zu entreißen, sondern auch einen wahren Schutz-fiir dieselben bilden. Nach denen in Teheran und Hamadan ist nunmehr eine Schule in Jspahan eröffnet worden, mit deren Gründung Herr und Frau Eonfino betraut wurden. Nach einer langen, sehr anstrengenden Reise gelangten dieselben an's Ziel. Auf dem Wege von Teheran nach Jspahan berührten sie die Stadt Cachan, Ivo sie von den Juden, welche daselbst eine ansehnliche Gemeinde bilden, jubelnd begrüßt wurden. Herr Eonfino schreibt darüber dem Central-Comitee der „Alliance": „Wir waren von der Stadt Eachan noch ungefähr vier Wegestunden entfernt, als wir plötzlich von fern einen Haufen Menschen mit großen Schritten auf uns zukommen sahen. Wären wir nicht von der im Lande herrschenden Sicherheit überzeugt gewesen, hätten wir geglaubt, einer Räuberbande in die Hände zu fallen. Wie groß war unser Erstaunen, als diese lärmende Menge sich unserem Wagen näherte, hebräische Gesänge anstimmte, betete und begeistert uns begrüßte. Es waren die jüdischen Bewohner von Cachan, die, von ihren Glaubensgenossen in Teheran von unserer Abreise unterrichtet, in Schaaren uns entgegen kamen, Greise, junge Leute, Kinder, Manche auf Eseln, Manche auf Maultbieren (sie dürfen nämlich nicht auf Pferden reiten). Manche zu Fuß. Es war Mitleid erregend, diese armen Leute zu sehen, außer Athem, keuchend, von der Sonne verbrannt, wie sie vor Rührung kaum sprechen konnten; Freudenthränen in den Augen, drängten sie sich um den Wagen, um uns zu unserer Ankunft Glück zu wünschen. Von diesem aus 6—600 Personen | bestehenden Zuge begleitet, zogen wir in Cachan ein. Die ganze Bevölkerung erwartete uns am Thore der