Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 71 (9.9.1901)
- Date
- 1901-09-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1557 willenlos hingebt? nw no jn '33 'es nxi.; Siehe nun Deinen Weg in der Niederung, werde Dir bewußt, was Du gethan! Richtet aber der fron or seine Mahnung selbst an solche, die dem Göttlichen völlig entfremdet sind, wie erst an jene, in deren Herzen der Gottesfunke noch glüht, die aber dennoch an nichtigem Streben theilnehmen. Bei diesen liegt der Grund nicht im Mangel sittlicher Kraft, nicht in der Liebe zur Bequemlichkeit, auch nicht in Selbstsucht, sondern darin, daß sie nicht nach dem fragen, 1 was sie zu thun verpflichtet sind, vielmehr nach dem,! was andere thun und sagen. Diejenige Ansicht gilt als > die wahre, welche in den weitesten Kreisen verbreitet ist, Dasjenige als das höchste Gut, wonach die Meisten jagen und streben. Anstatt mit eigenem Auge zu sehen und dessen Sehkraft durch Aufblick zu edlen Beispielen zu schärfen, statt mit eigenem Ohre die Stimme aus unserem tiefsten Innern zu vernehmen, hören wir mit fremdem Ohre, sehen wir mit fremdem Auge! Wir kennen das Bessere, haben aber nicht den Muth der Ueberzeugung! Darum ruft uns der psr? er zu: Denket selbst nach! Weßhalb wollt Ihr denn mit dem Strome schwimmen? Euren reinen Standpunkt verlassen, weil die Massen ihn nicht billigen? Wiegt e i n idealer Mensch nicht Tausende solcher auf, die an der Scholle hasten? Lassen sich denn die Massen nicht von Einzelnen führen und verführen? Glaubet Ihr denn, weniger irreligiös zu sein, weniger materialistisch, weil die Massen es auch sind? Nicht dem, wonach die Menge in athemloser Hast ringt, wendet Euch zu. Nur was an sich gut ist, was Jahrtausende hindurch die edelsten Kräfte im Menschen gefördert hat, sei das Ziel Eures Strebens. Ihr sagt, es sei schwer, inmitten der jetzigen Strömung Jude zu sein, inmitten der schädlichen Einflüsse seine Kinder im Geiste des Judenthums zu erziehen. Freilich ist es schwer, aber eben das Schwere wartet auf uns, und in dem Schwierigen bewährt sich die Treue. Am p*on dt> sollen wir uns der Nichtigkeit unserer Lebensthätigkeit bewußt werden. Dann wird in uns der Wille keimen, aus dem Nichts zur würdigen Höhe uns emporzuringen, und damit den ersten Schritt auf dem Wege der Veredelung gethan zu haben, den uns 311 unserem Wohle führen will der pnrrn ar, der Tag der Selbsterinnerung und Selbstprüfung. Zettrrngsttachrichtett und Corresponderrzeir. Deutschland. Berlin, 2. Sept. Das eben erschienene Heft der Zeitschrift des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bringt zwei Mittheilungen, die für weitere Kreise von Interesse sein dürften. Die erste betrifft einen Vorfall, der sich an der technischen Hochschule in Charlottenburg zugetragen hat, wo ein jüdischer Student Schiffsbaukunst studirte, der in dieser Vorlesung der einzige Jude war, und sämmtliche Uebrigen sich zusammenthaten, um als tapfere christliche Männer durch Trampeln und höhnische Bemerkungen dem Juden das Leben schwer zu machen — es waren etwa vierzehn Hörer gegen einen, der Muth war also in der That nicht überwältigend — und wie dann schließlich Zlvistigkeiten herauskamen, die, so viel bekannt ist, trotz des vollständig anzuerkennenden Eingreifens des Rektors der technischen Hochschule noch nicht beigelegt sind. Es ist das um so bezeichnender und läßt um so mehr die sonst doch als alte deutsche Tugend gerühmte Dankbarkeit vermissen, als dieselben Herren Studenten von dem Onkel dieses Juden regelmäßig während der Ferien ein Schiff zur Verfügung bekommen haben — der Onkel ist Rheder in Stettin — auf dem sie Studienreisen machen konnten. Die Quittung für dieses Entgegenkommen war das geschilderte Benehmen gegen seinen Neffen. Und weshalb geschah das alles? Weil die Herren erklärten, ne wünschten nicht, daß ein Jude Schiffsbauingenieur werde! Auf der technischen Hochschule sind übrigens noch andere Vorfälle passirt, die uns zeigen, daß auch dieser Hochschule der Antisemitismus nicht fern geblieben ist. — Die zweite Mittheilung, die die Zeitschrift „Im deutschen Reich" bringt, stammt vom Rhein. Jn einer Stadt des Rheinlandes fand kürzlich in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums eine Gerichtsverhandlung statt, in welcher ein zum Termin geladener Nichtjude in etwas lautem Tone sprach. Dies rügte der Assessor, welcher den Vorsitz führte, mit den Worten: „Sie haben sich hier anständig zu benehmen! Oder glauben Sie vielleicht, Sie befinden sich in einer Judenschule? Wir sind hier nicht in einer I u - d e n s ch u l e!" Der Vorstand des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat sich alsbald an die Vorgesetzte Behörde dieses Assessors mit der Bitte gewandt, denselben darüber aufzuklären, daß im amtlichen Sprachgebrauche Worte besser unterbleiben, welche geeignet sind, berechtigte Gefühle einzelner Gerichtseingesefsenen, insbesondere in Bezug auf ihre Religion, zu verletzen. Darauf ertheilte der Präsident des betreffenden königlichen Landgerichts am 16. Juli den Bescheid, „daß das Erforderliche zur künftigen Vermeidung des Ausdrucks „Judenschule"-' veranlaßt worden sei." ,/ Clberfeld, 2. Sept. Im Anschluß an die auf dem Kantorenkongreß in Wien in's Leben gerufene Organisation hat gestern im Hotel Central hier zwecks. Gründung eines Provinzial-Verbandes rheinifch-weft^ phälischer Kantoren eine Sitzung von Vertrauensmännern beider Provinzen ftattgefunden. Nach einem kurzen Referat des Herrn Zivi über die Wiener Verhandlungen war man einstimmig der Ansicht, daß auch