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Der Israelit · 1901-09-05 · Heft 70 (5.9.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 70 (5.9.1901)
Date
1901-09-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1536 Juden wollen w i r sie lese n." Daß sich das Fehlen dieser Anforderungen beim Darstellen an seiner Arbeit bitter rächt, hat neuerdings ein Darstellerjüdischer Weltanschauung erfahren. Er wollte die sittlichen Handlungen und ihre Werthe im Judenthume darstellen. Seine Aufgabe bestand darin, aus dem vorhandenen heiligen Litteraturschatz und dem um diesen rankenden Leben die Grundansichten des Judenthums zu entwickeln. Jeder Kenner des Judenthums weiß, daß x'Ti Lide' ’zm ’jbo *c; nr.D mvn bs, daß das Wesen der jüdischen Gesetzeswissenschaft das ist, was man annähernd mit Ethik bezeichnet. Die Anschauungen über Gott, Mensch und Welterkenntniß und die sittlichen Eonsequenzen dieser können aber nur dann in Treue dargestellt werden, so man dieser Consequenzen inne geworden. Es genügt also nicht, einen Ausschnitt aus der Fülle des Denkerlebens zu geben und diese auf die Formel einer außerhalb der jüdischen Welt erwachsenen Anschauung zu bringen. So geht es dem Darsteller der jüdischen Ethik, wenn er den Quellen in der jüdischen Auffassung Gewalt anthut, um einen Begriff der Sittlichkeit herauszuholen, der in keiner jüdischen Brust als solche empfunden wurde. Die grundlegende Thatsache der jüdischen Ethik ist die Ueberzeugung von der göttlichen Offenbarung des Sittengesctzes; in dieser liegt sowohl die Evidenz der Verpflichtung, wie der Umfang des Sittengesetzes. In der Ueberzeugung von dieser höchsten Wahrheit liegt das charakteristische des jüdischen, also momotheistischen Sittengesetzes. Inhalt und Form, oder die positiven Werthbestimmungen der Eigenschaften und Handlungen, die wir als „sittliche" bezeichnen, wie der Geltungswerth dieser sittlichen Formen — beides ist für uns göttlich. Die Einheit und Zusammengehörigkeit beider sind eben ausgesprochen in dem bezeichnenden Merkmale des Göttlichen. Die Kraft der Verbindlichkeit des jüdischen Sittengesetzes ist unzertrennlich eins mit dem Inhalte oder den Werthen des Sittlichen. Das ist der Obersatz der jüdischen Ethik. Sowohl wenn wir die Quellen derselben, also die Thauroh befragen, als auch in den Bahnen, in denen diese- Quelle durch Jahrtausende geleitet und verwirklicht wurden — in den latenten Kräften der jüdischen Volksseele. In diesem Sinne ist es sodann ein Unding, von einer „historischen" Ethik zu sprechen. Das, was wir mit diesem Namen bezeichnen, lebt — ist das immer wache Bewußtsein von Pflichtidealen' ist der Höhemaßstab für unsere sittliche Pflichterfüllung im Einzelnen und unserem Gemeinschaftsleben, das Regulativ des ganzen jüdischen Menschen in allen seinen Beziehungen. Es bedeutet den Jungbrunnen der Ideale eines danach lebenden Volkes. Lazarus mochte dies wohl gefühlt haben, denn wer mit den jüdischen Quellen auch nur vorübergehend zu thun hat, muß diesen Umstand empfinden. Und dennoch verstand er nicht bei diesen Prinzipien stehen zu bleiben, sie in ihrem Umfange aufzusvüren und diesen das System einer jüdischen Weltanschauung nachzubilden.! Wir werden, so uns hierzu Gelegenheit geboten wird, diese unsere Bedenken gegen Lazarus im Einzelnen noch darzulegen versuchen. Hier handelt es sich nur um den Hinweis aus die Jrrthümer solcher Schriststellerei. Soll also, wie der Verfasser des angeführten Artikels wünscht, an die Verwirklichung dieser Aufgaben gedacht werden, so müssen wir allenthalben auf gründliche Quellenkunde dringen. Aus den intimen Quellen- Arbeiten heraus wird sodann eine regere litierarische Thätigkeit sich entfalten. Wo sich ein Bedürfniß wahrhaft regt, da finden sich auch die Arbeiter, welche diesem nachzukommen streben. Im Streben nach dem Edlen aber liegt das Edle selbst. Zeitungsnachrichten uns Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, im Sept. Der fünfte Zionistenkongreß ist für den 26. bis 29. Dezember nach Basel einberufen. Das Hauvtreserat hält Max N o r d a u über „körperliche, geistige und wirthschastliche Hebung der Juden." rUendsvnrg, im Elul. Unsere kleine Gemeinde, die seit Jahren in Abnahme vegriffen, verliert in den nächsten Tagen wieder eines ihrer eifrigsten und hingebungsvollsten Mitglieder. Unser Vorsteher, Herr Martin Meyer, ist nämlich zum Verwalter des israelitischen Hospitals in Frankfurt a. Ak. erwählt worden und obzlvar mir ihm, als auch seiner gesinnungstreuen und äußerst streng jüdisch-denkenden Gattin keine bessere Wirkungsstätte als Frankfurt wünschen können, so müssen wir es doch im Interesse unserer Gemeinde innigst bedauern, daß uns ein solches Mitglied verloren geht. Die hiesige Ehewra - Kadischa, wie auch der Israelitische Frauen Verein, dessen Vorsteherin Frau Meyer einige Jahre lvar, veranstalteten auch zu Ehren des scheidenden Paares eine große ''Abschiedsfeier, wobei fast alle Mitglieder der Gemeinde anwesend waren. Bei dieser Gelegenheit wurden ihnen auch lverthvolle Andenken von den Vereinsvorständen übermittelt. In rührenden Worten dankten Herr und Frau Meyer und betonten, daß sie mit schwerem Herzen Rendsburg verlassen, denn sie lverden lange arbeiten müssen, uni sich wieder so viele Freunde zu erwerben. Wir wünschen nun, daß sie in ihrem neuen Wirkungskreise finden mögen, was sie stets erstrebt haben und ihnen sowohl als auch ihren Kindern eine Quelle des Heils aus der cs' "'V entspringen möge. Harburg, Schwaben. (Absichtlich verspätet.) Am Sonntag, 7. Juli, wurde ein Mann hier zu Grabe getragen, der es wohl verdient, daß seiner in diesen ge-

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