Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 70 (5.9.1901)
- Date
- 1901-09-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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15343 gangen war. Mein Dasein war kein beneidenswerthes und frühzeitig schon lernte ich empfinden, was es heißt, Leine Mutier mehr zu haben! Als ich 14 Jahre alt war, brachte mich mein Vater in ein Internat, wo ich zur Lehrerin ausgebildet werden sollte. Ehe ich dieses Ziel erreichte, starb mein Vater. Ich mußte die Anstalt verlassen und war nun darauf angewiesen, mir mein Brod selbst zu verdienen. Ein gütig Geschick brachte mich vor einigen Monaten in dieses Haus. Als ich Dich, mein Oheim — so darf ich Dich nun doch nennen — heute Abend erblickte, da erschreckte mich die Aehnlichkeit mit dem Bilde, welches mein Medaillon barg, das ich seit frühester Kindheit trage. Selbst die Veränderung, die die Jahre hervorgerufen, vermochten die Aehnlichkeit nicht zu verwischen. Als ich aber jene Worte hörte, die auf dem Papierstreifen im Medaillon sich befinden, da ahnte ich einen Zusammenhang mit der Lebensgeschichte meiner Mutter, — Zweifel peinigten meine Seele, bis eine wohlthätige Ohnmacht diesem Zustande ein Ende machte. Nun verstehe ich auch den Zweck dieses inhaltvollen Satzes, welchen meine Mutter als Erbe mir hinterlassen, dessen Sinn mir aber niemals ganz klar geworden. — Liebe, theure Mutter! Der Glaube, in dem ich geboren, ich will ihn kennen lernen, so lange mich in ihn vertiefen, bis innere Ueberzeugung mich beseelt und mir ihn theuer macht." Da umarmte der Sohn des Rabbi seine Anverwandte und sprach: „Weil Du keinen Annehmer hast, so will ich Dein Goel sein; mein theurer Vater aber wird Dich erlösen und Dich unterrichten im Glauben Israels." Dann gingen Vater und Sohn in gehobener Stimmung, Gott im Herzen dankend, zu der Lernversammlung zurück, wo sie bis zum Morgengrauen lernend und betend verweilten. Einige Wochen später wurde Helene Baumann in der Gemeinde Israels abermals ausgenommen. Nachdem der heilige Akt vollzogen war, legte ihr der Rabbi die Hände segnend auf's Haupt und sprach: „Gott wird Dir diese That vergelten, vollständig wird Dein Lohn sein vom Gotte Israels, unter dessen Flügel Du Schutz gesucht. Dem Namen „Leah," den Du als Kind erhalten, füge ich den Namen Ruth bei, gleichest Du ja jener ersten Ruth, der Boas diesen Segen gegeben." Der Rabbi hatte auch noch das Glück, die Trauung seines Sohnes Moses mit Ruth Baumann zu vollziehen. Ruth glich jener Ahnmutter des königlichen Sängers. Und wenn auch kein Fürstengeschlecht von ihr stammte, so waren ihre Nachkommen gefürstet durch den göttlichen Geist, geadelt durch die Gesinnung, weil sie mit tausend Armen unerschütterlich und treu am Glauben festhielten. '•■äh K Ääthsel K-H. 1) In welchem Psalmworte finden wir die Buchstaben des - Monates? 2) In welchem Psalmworte (Anfangsbuchstaben) finden wir, daß wer ein neues Haus gebaut, einen Weingarten gepflanzt, oder eine Frau genommen, nicht in Krieg ziehen müsset Szilas-Balhas. Gustav Deutsch. Der „Israelit" erscheint wScimitlicti zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal iu mindestens zwei Bogen. Peis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjcihrlich, halbjährlich odcr vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch G. steinarkrr. Leipzig. Notzplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespallene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für's Ausland IS Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandteu Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie znrückzubehalten. Stellcnsnchende erhalte« auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratts und franco zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: <Hauptblatt): Leitender Artikel: Rosch Haschono am Sabbat. - Zeitungsnachrichten und Ccrrespondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Evdlkuhnen. Oesterreich: Prag. Ungarn: Budapest. Preßburg. Kronstadt- Rußland: Pe.'ersburg. Riga. Literarische Plotitz. — Feuilleton: Helene. (Schluß.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: „Reue Aufgaben". — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland : Mainz. Rendsburg. Harburg. Heiligenstadt. — Personalien: Pudewitz. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die jüdischen Ackerbaukolonien in Argentinien. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Straßbmg. Ungarn: Budapest. Inhalt der dritten Beilage: Leitender Artikel : Zwei Vorschläge. Extra-Beilage. Luach. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.