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Der Israelit · 1901-09-05 · Heft 70 (5.9.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 70 (5.9.1901)
Date
1901-09-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1SS3 Prozentsatz der jüdischen Schüler des betreffenden Gymnasiums in keiner Weise überschritten wird. — Die „Cirkulare" an und für sich sind aber noch nicht das Schlimmste. Die Provinzialbehörden ersehen aus denselben natürlich, wie der Wind in Petersburg weht, und bei ihrem Anpassungsvermögen an die Wünsche der „höheren Obrigkeit" beginnen sie jetzt von sich aus das denkbar Möglichste zu leisten, um überhaupt jüd. Schüler von den Lehranstalten fernzuhalten. Die gebildete jüdische Gesellschaft Rußlands ist bereits so sehr von dem Gefühl durchdrungen, daß es ihr zur Zeit unmöglich ist, ihrer Heranwachsenden Jugend eine entsprechende Bildung zu verschaffen, daß in vielen Städten jüdische Kreise zusammengetreten sind, um die Mittel aufzubringen, private mittlere Lehranstalten speziell für jüdische Schüler zu gründen. Solche Bestrebungen zeigen sich z. B. in Warschau, Wilna, Jelissawetgrad und anderen Orten. Aber auch hier hat man die Rechnung ohne die — russische Regierung gemacht. In Jelissawetgrad sind heute bereits die Mittel für die geplante jüdische Schule vorhanden. Als nun ein Dr. phil. Schirmann um die Genehmigung zur Eröffnung der Schule bat, wurde ihm dieselbe verweigert, mit der Motivirung, daß einzelne Konzessionen nicht eher ertheilt werden könnten, bevor nicht die allgemeine Frage auf dem Wege der Gesetzgebung entschieden sei, welche Rechte Juden hätten, Lehranstalten für ihre Glaubensgenossen zu eröffnen. Natürlich wird sich die Regierung mit der Entscheidung dieser „allgemeinen" Frage nicht sonderlich beeilen. Riga. (Ernennung eines jüd. Pri - vatdocenten an derDorpater Universität.) Der Senat der Dorpater Universität hat den bisherigen ersten Assistenten des Professor Degio von der medizinischen Klinik, Dr. Hermann Rubinst e i n, mit sehr großer Majorität zum Privatdozentrn der medizinischen Fakultät gewählt. Geboren im Städtchen Shorani, Gouvernement Kowno, erhielt Dr. Rubinstein seine erste Ausbildung im Cheder, worauf er in das Gymnasium zu Reval eintrat. 1896 wurde ihm von der medizinischen Fakultät der Universität Dorpat für eine glänzende Arbeit über den Krebs die goldene Medaille zugesprochen, worauf er an dem Institut für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie angestellt wurde. Dr. Rubinstein, welcher erst im 31. Lebensjahre steht, ist seit hundert Jahren der erste Jude, der an der etwas antisemitisch angehauchten Dorpater Universität angestellt worden ist. > -Vermischtes. < Kirchdrauf, 2. Sept. RabbinatS-Assesior M. Schuck aus Großwardein, wurde hier als Bezirks-Rabbiner feierlich installirt. Temesvar, 1. Sevt. Herr Rabbiner Schü'ck aus Stuhlweißenburg hielt dieser Tage feinen Einzug in hiesiger Gemeinde. Die InstallationSrede hielt sein Vater, der Karzager Oberrabbiner. Literarische Notiz. Tie Regierungszeit der jüdischen Königin Salome Alexandra und die Wirksamkeit dcS Rabbi Simon ben Schetach. Ein geschichtliche Untersuchung von Rabb. Dr. Immanuel Deutsch. (Verl, des jüdischen Litteraturblattes.) Magdeburg. 46 S. Der rühmlichst bekannte Schriftsteller und gediegene Recensent Herr Rabb. Dr. Immanuel Deutsch in Breslau hat auch bei dieser uns gelieferten histori schen Arbeit seine tiefe Gründlichkeit und Genauigkeit, seine große Belesenheit in der ialmudischen Litteratur. sowie seine elegante anziehende Sprache glänzend gezeigt. Auch diese von ihm erschienene Broschüre rechtfertigt vollkommen seinen Ruf, den er sich weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus als Gelehrter und Schriftsteller erworben hat, der das geistige Feld, das er sich zu seiner kritischen Untersuchung und Bearbeitung erwählt, ganz und vollkommen beherrscht. Abstrahirt von dem Worte unserer alten Weisen: ddtec *m /-v nnno »rano lrxir ,*nn bv npim rn'rri -pst prr fpino können wir auch diese treffliche, gediegene Arbeit des Herrn Rabbiner Dr. I. Deutsch jedem Gelehrten zum Lesen recht warm empfehlen, und es wird sie Niemand, ohne einen geistigen Genuß gehabt zu haben, aus der Hand legen, und ihr die weiteste Verbreitung aufrichtig wünschen. Zum Schlüsse sei hier nur noch bemerkt, daß man ohne Reklame von allen seinen bisher gelieferten gediegenen Arbeiten mit Recht sagen kann: ',-,Gsa n’jna k“c. Wer die glänzenden, gediegenen litterarischen Arbeiten des verewigten Rabbiners David Deutsch s. A. aus Sohran O.-S kennt und gelesen hat, wird dies unbefangen und unparteiisch bestätigen können. D a m b o r i tz (Mähr.), im Elul 6661. Vezirks-Rabb. Hahn. Feuilleton. Me 1 eve. Von Dr. H. Sigmundsohn. NI (Schluß) Rach einigen Minuten fuhr Rabbi Wolf fort: „Meine Mutter, die nicht mehr schreiben konnte, diktirte mir die Antwort in die Feder. Das Schreiben beginnt mit den Worten, die ich vorhin an die Versammelten im Zimmer nebenan richtete. Dieser Satz befindet sich nebst meinem Bilde in Deinem Medaillon, wie ich vorhin wahrgenommen. Auf dem Wege hierher in dieses Haus dachte ich an dieses Schreiben, welches ich vor 26 Jahren am Rüsttage des Wochensestes an die Schwester gerichtet. Dessen Worte schienen mir für den heutigen Abend so zutreffend, daß ich meinen Vortrag damit einleiteie. Wenige Tage später mußte ich der

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