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Der Israelit · 1901-09-05 · Heft 70 (5.9.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 70 (5.9.1901)
Date
1901-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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„mit gutem Erfolge" — dieser Zusatz spricht Bände! — va'mit getödtet werden. Noch trostloser klingen die Commentare zu diesem „Ergebniß." Allgemein wird tonstatirt, daß die Fleischer, auch wo der Apparat eingeführt ist, eine Abneigung gegen das Schießen haben." Vollends Kleinvieh sei zu unruhig und beweglich und ließe sich nur schwer festlegen; die Durchschlagskraft des Geschosses sei zu groß und die Anwendung des Apparates zu kostspielig; die Vorbereitung für das Schießen seien thierquälerisch und die Handhabung des Apparates umständlich und unpraktisch u. s. w. Man sollte annehmen, daß diese Erfahrungen jeden, der sehen und hören will, belehren und zum Verlassen dieses Weges anzuhalten geeignet sind. Allein, weit gefehlt: die antisemitischen Instinkte dieser Herren sind stark genug, um sie vor jeder Belehrung durch die Macht der Thatsachen zu schützen und überdies haben sie ja Geld genug zur Verfügung, um sich die Annehmlichkeit der Judenhatz mit der Nützlichkeit des Gcldverdienens zu verknüpfen. So haben sie denn einen Preis von 12,000 Mk. für einen vervollkommenteren Apparat ausgesetzt, der alle angeführten Mißstände zu beseitigen und den Widerwillen der Fleischer zu bekämpfen geeignet sein soll. Daß etwas wirklich Brauchbares dabei herauskommen könnte, darf nach dem feststehenden Urtheil aller Fachleute — das sind in dieser Frage in allererster Reihe doch die Metzger — von vornherein als ausgeschlossen gelten. Das wird aber nicht hindern, daß der Preis vergeben und dann mit allen.Mitteln derjenigen Agitationsweise, in der der Verband nun einmal unbestrittener Meister ist, für die zwangsweise Einführung des „preisgekrönten" Musterapparates gearbeitet werden wird. Es gilt daher auf der Hut zu sein und dem geplanten Schachzug rechtzeitig durch einen Gegenzug die Bahn zu verlegen. Hamburg. Einen guten Fund machte ein in der Gärtnerstraße wohnender kleiner Geschäftsmann, der eine große Familie zu ernähren hat und mit Glücksgütern nicht gesegnet ist. Durch lange Krankheit seiner Frau ist der Mann herabgekommen, so daß er große Mühe hat, seinen Verpflichtungen gerecht zu werden. Daher beschloß der Mann, eine alte Bibel, ein Erbstück der Familie, von dem fein Vater viel gehalten hatte, zu verkaufen. Beim Durchblättern des alten Werkes fand er einen versiegelten Brief mit der Aufschrift: „Für den Finder." Der Brief zeigte die Schriftzüge und die Unterschrift des Vaters des Geschäftsmannes und lautete folgendermaßen: „Da ich sicher weiß, daß der Mensch erst in seiner höchsten Noth zur Bibel greift und das Wort Gottes erst liest, wenn er nicht mehr weiß, was er beginnen soll, so habe ich 2000 Mark in Tausendmarkscheinen zwischen die Seiten 141 und 142 gelegt. Hamburg, 17. Juni 1879." Der Geschäftsmann fand richtig diese Summe, mit der ihm jetzt geholfen ist. ^Iidtknhnen, 2. Sept. In dem ca. sechs Meilen von hier entfernten russischen Grenzstädtchen W i st y - t e n ist am vergangenen Dienstag mehr als ein ganzer Stadttheil niedergebrannt. Der Feuerschein war auch hier sichtbar. Es brannte nahezu sechzehn Stunden. Ueber 250 Familien sind obdachlos. Der deutsche Kaiser hat durch seinen Förster in Nassowa 10,000 Mk. zur Beschaffung von Kleidern, Möbeln und Wäsche für die vom Brande so schwer Heimgesuchten überwiesen, ferner 200 wollene Decken; auch beorderte er Handwerker zur Hilfeleistung auf höchsteigene Kosten nach Wistyten, das nicht weit von seinem Jagdschlösse Rominten liegt. Der Schaden wird auf 400,000 Rubel geschätzt. Es sind 250—300 Gebäude, mit Einschluß der mit Getreide, Futter und Torf gefüllten Stallungen und Scheunen, in Flammen aufgegangen. Das ungeheure Flammenmeer der hochgelegenen Stadt bot einen schaurigen Anblick. Eine alte jüdische Frau fiel, im Begriff, das brennende Haus zu verlassen, in den Keller und wurde von dem niederstürzenden Dache begraben. Wie verlautet, hat ein mit Streichhölzern spielender sechsjähriger Knabe den Brand verursacht. Hülfskomitees haben sich in Stallupönen, hier und der russischen Umgegend gebildet. Das Haupt-Hülsskomitee befindet sich in Stallupönen bei Herrn E. Wolf, Synagogenvorsteher. Dringende, schnelle Hilfe thut noth. Ed. S. . Oesterreich. Prag, im Sept. Anläßlich des jüngst mitgetheilten Beschlusses der Prager Stadtbehörden, einen Theil des altehrwürdigen Friedhofes zu devastiren, erzählt die „Bohemia" folgende interessante Reminiscenz: „Am 28. April 1873 tarnen unangemeldet der in Prag anwesende Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Friedrich, und dessen Gattin Kronprinzessin Viktoria, die eben verstorbene Kaiserin Friedrich, ferner Prinz Wilhelm, der gegenwärtige deutsche Kaiser Wilhelm II, nebst Gefolge auf den alten jüdischen Friedhof. Es wurde der eben im Rathhause anwesende Dr. Bendiener herbeigeholt; unter dessen Führung besichtigten die hohen Herrschaften mit großem Interesse die alten Gräber und verweilten insbesondere bei den Grabstätten des Rabbi Mordechai Meisel, des Freundes des Astronomen Tycho de Brahe, dann bei dem Grab des Rabbi Löw. Hierauf begaben sich die Herrschaften in die Altneusynagoge, wo die Kronprinzessin die zum Theil zweihundert bis dreihundert Jahre alten Paramente sorgfältig besah und wiederholt den Ausdruck „superbe" gebrauchte. Beim Abschied sprach Dr. Bendiener den erlauchten Gästen den Dank für die der jüdischen Gemeinde durch die Besichtigung der altehrwürdigen Denkmäler erwiesene Ehre aus. worauf Kronprinz Friedrich Wilhelm Herrn Dr. Bendiner die Hand reichte und sagte: „Ich danke Ihnen, Herr Doktor. Wenn Sie einmal nach Berlin kommen, wird es mich freuen, wenn Sie mich besuchen." Die Kronprinzessin fügte die Worte hinzu: „Ja wohl."

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