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Der Israelit · 1901-09-05 · Heft 70 (5.9.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 70 (5.9.1901)
Date
1901-09-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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1528 des ^abbat die erste Mizwa ist, so ist sie auch das letzte £■’ er Entwickelung der gesammten Menschheit, der ei:?it mv 1*700, die vollkommen Sabbat ist als Ki* letzte Ideal, als der höchste Preis alles menschlichen Siredens und Ringens winkt. Wenn nun Rosch-Haschono mit dem Sabbat zusammenfällt, wenn der Ruf, der uns vor den Richterthron ladet, uns bei der Heilighaltung des Sabbat findet, so ist diese Mizwa an und für sich ein überaus beredter Fürsprech, der zu unseren Gunsten plaidirt — wenn wir den Sabbat wirklich in Ehren halten. Aber der Sabbat wird unser lautester Ankläger, wenn wir ihm nicht die gebührende Achtung und Ehre erwiesen, wenn der uns am Rosch-Haschono vor Gottes Richterthron begleitende Sabbat die unverkennbaren Spuren der Gleichgiltigkeit und Geringschätzung offen an sich trägt. Deßhalb bedeutet in Zeiten. in welchen Israel den Willen seines himmlischen Vaters erfüllt und somit auch dem Sabbat gebührend Rechnung trägt, Rosch-Haschono am Sabbat ein günstiges Omen für das konrmende Jahr. In Zeiten dagegen. in welchen der Sabbat mißachtet und gar öffentlicht entweiht wird, muß der Sabbat an der Schwelle des neuen Jahres zum lauten Ankläger für seine Entweiher werden. Angesichts dieser Erwägung mögen wir wohl mit banger Scheu dem neuen Jahre entgegen blicken, das mit einem Sabbat eröffnet. — Es ist ein schweres, mit Prüfungen und Heimsuchungen mannigfacher Art reich bedachtes Jahr, das in wenigen Tagen schließt. Schwere Wolken drohen über unseren Häuptern, und aus mächtig bewegter Seele ringt sich in diesen Tagen die Bitte zum Vater der Menschheit empor: ♦rae rw 1&9 enn wate wax „Unser Vater, unser König, gewähre uns ein gutes neues Jahr!" — Soweit das Auge reicht, macht sich eine feindliche Strömung gegen Judenthum und Judenheit geltend. Was wir in unseren Tagen täglich an uns selber erfahren, ist so wunderbar eigenartig, daß sich vielleicht keine Zeit der jüdischen Diaspora damit vergleichen läßt, iofil haben wir in den hinter uns liegenden Jahrhunderten Härteres und Unerträglicheres zu erdulden gehabt, als in unserer Gegenwart. Aber in Zeiten, in welchen nicht nur den Juden gegenüber, sondern überall sonst, das Recht der Gewalt, die Humanität der Brutalität, das Menschenrecht dem Faustrecht weichen mußte, mochten sich auch unsere Väter leichter über die Vergewaltigung trösten, die ihr ganzes Leben bedeutete. In einer Zeit dagegen, welche den Fortschritt, die Menschenliebe, ja selbst die Thierliebe, die Gleichheit und Brüderlichkeit so laut verkündet und sie gerade den Juden gegenüber so ostentativ verleugnet, in einer solchen Zeit legt uns jeder Tag auf's Reue die Wahrheit nahe: .nnx xbx -stzo uS px i»bv mix „Unser Vater, unser König, w i r haben keinen König cut^eT Dir." Wir haben Niemand, bei dem wir Schutz suchen und finden können, als unseren Vater im Himmel! Wie müßten wir in solcher Zeit mit doppeltem und dreifachem Ernst unser ganzes Sinnen und Streben darauf richten, den Willen Gottes zu erfüllen, und wie hat es trotzdem vielleicht nie eine Zeit gegeben, in welcher der Abfall von Gott und Seinem Gesetz so furchtbare Dimensionen angenommen hat, als gerade in unseren Tagen. Der Sabbat, dieses bx->2>' '^2 p2i irc nix dieses Zeichen unserer Unterordnung unter Gott, dieser Maßstab für die Innigkeit und die Lockerung des Bandes, das uns mit Gott verbindet, zeugt laut gegen uns. Gibt es doch heutzutage große jüdische Gemeinden, in denen sich fast kein einziges jüdisches Haus mehr befindet, in welchem der Sabbat dem Gesetze Gottes gemäß geheiligt und gefeiert wird. Gott hat den Sabbat aber nicht nur geheiligt, auch gesegnet hat Er ihn. Und wir dürften uns wundern, wenn mit der Heiligung des Sabbat auch der Segen geschwunden ist, von dem alle Tage der Woche zeugen sollen? Wahrlich, unserer Zeit wird der Sabbat kein fürsprechender Vertheidiger an der Schwelle des Jahres, in der Stunde sein, in welcher die Entscheidung über Sein und Nichtsein, über Leben und Tod für die nächste Jahresspanne erfolgt! — Dieses bedrückende Bewußtsein drängt sich noch nachdrücklicher bei der Erwägung über den Zusammenhang auf, der zwischen oem Sabbat und speziell zwischen Mizwas Schofar besteht, dem wir noch unsere Aufmerksamkeit zuwenden wollen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Sept. Hartnäckigkeit in der Verfolgung seiner Ziele, die selbst durch eklatante Mißerfolge sich nicht beirren läßt, das ist die hervorragendste Eigenschaft, welcher der „Verband deutscher Thierschutzvereine" seine bedauerlichen Erfolge bei seiner Agitation gegen die Schechita verdankt, und die nur durch eine ebenso beharrliche und aufmerksame Abwehrthätigkeit auf unserer Seite wettgemacht werden kann. Ein neuer Beleg für diese Thatsache liegt jetzt wieder vor: Vor einigen Monaten veranstaltete der „Verband" eine Enquete in sämmtlichen deutschen Schlachthäusern über die Erfahrungen, die mit der Bouterole (Schußmaske) beim Schlachten gemacht worden sind. Das Ergebniß war, daß in ganz Deutschland der Apparat — sage und schreibe — nur in 14 Schlachthäusern allgemeine Verwendung zur Tödtung des Großviehes findet; in sechs Schlachthäusern wird nur schweres Großvieh (Bullen), sowie Pferde mit demselben getödtet. Eine allgemeine Anwendung der Bouterole für Kleinvieh findet überhaupt nicht statt; und aus jenen sechs Schlachthäusern wird berichtet, daß zeitweilig schwere Sauen und Eber

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