Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 70 (5.9.1901)
- Date
- 1901-09-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42. Jahrgang. M 70 Der Israelit. Ein KenLrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenttzum. Begründet von Dr. in Ifttains. Donnerstag, den 5. September 5661 (1901). fistirt und der Beamte in Folge dieser Fürsprache in Amt und Würde belassen wurde. Eine kurze Zeit darauf kam ein anderer hoher Würdenträger in dieselbe Lage. Da dem ersten die Fürsprache seines Weibes so gute Dienste gethan, so wollte er dasselbe versuchen. Aber dieser war ein jähzorniger, unverträglicher Mensch, der nicht die Ehre seines Weibes zu wahren wußte und wiederholt sich derart zu Thätlichkeiten gegen seine Frau hinreißen ließ, daß sie die Spuren der Mißhandlung durch blaue Male im Antlitz an sich trug. Bei der Gefahr, in welcher ihr Mann schwebte, ließ sie sich nichtsdestoweniger herbei, den Fürsten um Gnade zu bitten. Aber statt ihr zu antworten, fragte sie der Fürst, woher die Verletzungen rühren, die sie so schwer entstellten. Sie gab zuerst ausweichende Antworten, aber als sie füglich genöthigt wurde, die volle Wahrheit zu sagen, loderte der Zorn des Fürsten noch höher auf. Die Fürsprecherin war gegen ihren Willen zur Anklägerin geworden. Die Rücksichtslosigkeit und Rohheit des Mannes wurde gerade durch sein Weib erst recht offenkundig, so daß er der Gnade unwürdig erschien, um welche er flehte. Aehnlich verhält es sich mit uns an Rosch-Haschono. Wir wissen, daß an diesem Tage Gott über uns als Richter seines Richteramtes waltet, daß an diesem Tage über unser Wohl und Wehe entschieden wird, daß wir mehr als je auf die Gnade Gottes für uns, unser Haus und die Gesammtheit angewiesen sind, .-nrn und craa dwd Volle, rückhaltlose Rückkehr zu Gott und unverkürzte Erfüllung des göttlichen Willens sind der einzige Schild, der das strafende Verhängniß des göttlichen Richterspruches abzuwenden vermag. Jede Mizwa, die wir geübt, ist eine rettende That, wird zum Anwalt in der Stunde des Gerichts. Jede Awera, die uns belastet, wird zum Ankläger vor Gottes Richterthron und drängt auf strafende Vergeltung. Die erste Mizwa, die so alt ist als die Weltschöpfung selbst, ist der Sabbat. Wie di» Heilighaltung Leitender Artikel. No sch Laschono am Sabbat.*) Von Bezirksrabb. Dr. Ehrrnantt, Baden (Schweiz.) Das neue Jahr, dem wir unter Gottes Beistand nun mit raschen Schritten entgegen gehen, beginnt mit einem Sabbat. In Folge dessen erfüllen wir Mizwas Schofar erst am zweiten Rosch-Haschono- Tag. Der erste Rosch-Haschono-Tag wird in unseren Gebeten daher nicht als Tag der Teruah e*.' nynn, sondern als Gedächtniß der Teruah nj>m bezeichnet. Rabbi Jakob Ettlinger s. A. macht am Ende seines Werkes ’jy nn;c darauf aufmerksam, wie ein ganz eigener Stern gerade über den Jahren waltet, die mit einem Sabbat beginnen. Ein Blick auf die Geschichte unseres Volkes ergibt, daß die Jahre, welche besonders erfreuliche und besonders schmerzliche Geschehnisse von weitgehender Bedeutung zu verzeichnen haben, immer mit einem Sabbat anfingen. Folgendes Gleichniß dürfte geeignet ein, diese Eigenthümlichkeit in befriedigender Weise zu erklären. Ein hoher Beamter war bei seinem Fürsten in Ungnade gefallen und sah seiner Entsetzung und Bestrafung mit Bangen entgegen. Umsonst wandte er sich an seine Verufsgenossen im Amte, daß sie ein gutes Wort für ihn einlegen möchten, doch jeder fürchtete durch eine solche Verwendung die fürstliche Ungnade sich selber zuzuziehen. So, von allen Freunden verlassen und seinem Geschicke preisgegeben, erbot sich sein Weib, vor den Fürsten hintreten und um Gnade für ihren unglücklichen Mann bitten zu wollen. Sie erbat sich eine Audienz, trug ihre Bitte vor und fand in der That Erhörung, so daß das bereits eingeleitete Strafverfahren *) Mit freundlicher Erlaubniß des Verfassers aus dessen Werk: „Durch's Jahr" (Frankfurt a. M., A. I. Hofmann).