Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 69 (2.9.1901)
- Date
- 1901-09-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1520 mitten, welche bei der Bernsteingewinnung Unterkunft fanden, betrug schon nach kurzer Zeit viele Tausende. Als Becker seine Entdeckung machte, bewies er nicht nur seinen rechtlichen Sinn, sondern auch seinen scharfen Blick dadurch, daß er nicht, wie so Viele vor ihm, hinter dem Rücken der Behörden seinen Fund zu verwerthen suchte, um die Abgaben zu ersparen, sondern er meldete seine Entdeckung sofort bei der Regierung, kam um die Erlaubniß ein, die Fahrt bei Schwarzort zu baggern und den gewonnenen Bernstein zu verwerthen. Die Regierung, die von den Bernsteinsuchern seither nur eine Gebühr von zwei Thalern täglich erhielt, gab ihm die Erlaubniß gegen Zahlung einer Pacht von fünf Thalern täglich, die aber sehr bald auf fünfhundert Thaler täglich erhöht wurde. Auch diese Summe zahlte die Firma Stantien und Becker mit der größten Freude, denn auch hierbei wuchs ihr Reichthum von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr. Die preußische Regierung blieb Becker immer dankbar, denn sie wußte, daß sie den Aufschwung der Bernsteinindustrie nur der Intelligenz und der Thatkraft Becker's zu verdanken hatte. Als denn auch im Jahre 1866 in Folge der übergroßen Ausdehnung, die er seinen Anlagen gab und in Folge der durch die' Kriegswirren entstandenen Geschäftskrisen Becker in Geldverlegenheit gerieth, half ihm der preußische Staat mit größeren Beträgen aus. Als einmal ein besonders großes Stück Bernstein gefunden wurde, ließ Becker daraus ein Tintenfaß, Sandfaß u. s. w. aus einem Stück anfertigen und Kaiser Wilhelm überreichen. Dieser dankte Becker in einem höchst schmeichelhaften Handschreiben auf's Herzlichste. Kaiser Friedrich kam als Kronprinz persönlich nach Palmniken, um Becker die Würde eines Geheimen Kommerzienrathes zu übertragen. Schließlich wurde der gesammte Bernsteinmarkt nicht nur des Inlandes, sondern auch des Auslandes von seinem Betriebe abhängig. Das hatte selbstverständlich mancherlei Reibereien und nicht unerhebliche Angriffe gegen Becker in der Öffentlichkeit, zum Beispiel im preußischen Abgeordnetenhause, zur Folge. Becker hatte insbesondere den Danziger Bernsteindrechslern gegenüber (in Wahrung seiner durchaus berechtigten kaufmännischen Interessen) eine Praxis eingeschlagen — Sperrung des Rohmaterials — die in vielen Fällen berechtigt, in einigen dagegen ungerechtfertigt war. Diese wenigen Fälle und die Thatsache, daß in dem kurz vorher verhandelten Prozeß Beckers gegen den Bernsteinwaarenfabrikanten Westphal in Stolp i. P. verschiedene Dinge zur Sprache gekommen waren, hatten zur Folge, daß schließlich der preußische Staat die Nutzung des Bernsteinregals wieder an sich brachte. Beckers beste Rechtfertigung gegenüber den gegen ihn erhobenen Angriffen war, daß die preußische Staatsregierung den Danziger Drechslern dieselben Bedingungen stellte wie er, und daß sie auch dem Auslande gegenüber von den Geschäftsgrundsätzen Beckers nicht abgehen zu können glaubte. In den letzten Jahren lebte Becker in Berlin. ZeitrrngsrrachrichLe« und Correspondeirzen. Deutschland. Ans Rorddeutfchland, 27. Aug. In Nr. 67 Ihres werthen Blattes reproduzieren Sie eine Notiz aus der „Bossischen Zeitung", in der sich ein Berliner Arzt über schlechte Behandlung in Bolderbad, die ihm wegen seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Konfession zu Theil geworden, beschwert. Gestatten Sie mir dazu die folgende Bemerkung: Wenn besagter Herr mit seiner Familie das Judenthum öffentlicht verleugnet und es fick bei der freundlichen Wirthin gut schmecken läßt, so hat er es sich selbst zuzuschreiben, wenn man ihn und seine Familie hinausdrängelt. Eine Entrüstung hierüber ist gänzlich unangebracht, da besagte Familie sicher nur den betreffenden Umgang suchte und man ihren Umgang nicht wollte. Homburg v. d. H., 27. Aug. Der Chief-Rabbi von London, Herr Dr. Hermann Adler, der in Kissingen zur Kur weilte, ist hierher geeilt, um seine Schwester, Frau Kommerzienrath Israel, die hier erkrankte, 311 besuchen. Als er Morgens am Brunnen erschien, bemerkte ihn der König von England, ging auf ihn zu und begrüßte ihn auf das Herzlichste. Dr. Adler erbat sich eine Audienz und verweilte darauf am Nachmittage längere Zeit bei dem Könige in dessen Hotel. Lampertheim, Ende Aug. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde besteht zur Zeit aus achtzehn selbstständigen Gemeindemitgliedern (Männern), ferner aus zwei Wittwen und vierzehn Jünglingen. Hierbei sei konstatirt, daß seit einigen Jahren schon ein langsamer, aber steter Rückgang der Zahl der israelitischen Gemeindemitglieder sich bemerkbar macht. Deßhalb war zur Deckung der Bedürfnisse, die sich im letzten Jahre ohnedies außergewöhnlich durch Anschluß an das Rabbinat Darmstadt I steigerten, nothwendiger Weise eine stärkere Heranziehung des Geldbeutels der einzelnen Mitglieder erforderlich. Das Vermögen der israelitischen Gemeinde beträgt 16,905 Mk., wobei besonders das neue Schulhaus mit Lehrerwohnung im Werthe von 7300 Mk., der Friedhof mit 2057 Mk. und die Synagoge mit 5182 Mk. erwähnt sein mögen. Die Schulden beziffern sich auf 6519 Mk., darunter ist eine Hypothekenschuld im Betrage von 6000 Mk. enthalten, welche behufs Erbauung des neuen Schulhauses im Jahre 1896 ausgenommen wurde. Die Gesammt-Einnahme für das laufende Rechnungsjahr beläuft sich nach