Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 69 (2.9.1901)
- Date
- 1901-09-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1518 Borzimmer trat; die Krankheit der Mutter muß doch einen sehr bedenklichen Charakter tragen, wenn Judith mir nicht entgegeneilt, um mich zu begrüßen. Bon Angst erfüllt öffnete ich das Krankenzimmer, —■ hier saß die alte Hannah am Krankenlager der Mutter. Ich umarmte die Mutter und erkundigte mich nach ihrcm Befinden, dann fragte ich aber ganz erregt, wo denn Judith sei? Ein Strom von Thränen war die Antwort meiner theuren Mutter, dabei zog sie ein Schreiben unter ihrem Kopfkissen hervor. Es war ein Brief von Judith. Sie bat darin um Entschuldigung, daß sie die Mutter belogen und eine Reise zu mir als eine Schobuausüberraschung für mich vorspiegelte, währeno sie zum Reformrabbiner nach T. reiste; doch sie habe nicht anders gekonnt. Ihre Liebe zu Josef Baumann, dem Eisenbahn-Bauunternehmer, sei eine so große, daß sie durch eine höhere Macht, durch die Allgewalt der Liebe gezwungen worden, dem Gatten ihrer Wahl zu folgen, selbst wenn die Mutter diesen Schritt mißbillige. Dann erzählte sie die Geschichte ihrer Liebe. Die Mutter, die seit vielen Monaten schon das Zimmer hüten mußte, schickte Judith in Begleitung der alten Hannah täglich ircks Freie spazieren. Eines Tages saß sie auf einer Bank im Parke, als sich ihr Josef Baumann nahte und sie ansprach; Hannah, die sehr müde war, hielt auf der Bank ihr Mittagsschläfchen. Der Eindruck, den der junge elegante Mann auf Judith machte, war ein überwältigender. Die Schwerhörigkeit Hanncch's leistete ihrer Liebe Vorschub. Täglich überreichte Baumann ihr hinter dem Rücken der alten Magd glühende Liebesbriefe, und so oft Hannah einnickte, war er in Judith's Nähe. Durch einen Zufall erfuhr Judith, daß Baumann andern Glaubens sei, da wies sie ihn ab. Daraufhin verschwand Baumann für einige Tage. Eines Tages, als Judith einen Gang für die Mutter besorgte, kam Baumann freudestrahlend zu ihr. „Nun, Geliebte meiner Seele, jetzt steht unserm i Glücke nichts mehr im Wege. Aus Liebe zu Dir habe I ick) meinen Glauben abgeschworen. Der Rabbiner Dr. i S. zu F. hat mich im Judenthum ausgenommen und,! wie Du siehst — dabei zog er ein Schreiben aus der , Vrusttasche und reichte es ihr — kann unsere Ehe anstandslos geschlossen tverden. Dr. S. ist bereit, Dir sein gastliches Haus zu öffnen und Dich in seinem Hause bis zur Trauung, die in drei Tagen schon stattsinden kann, aufzunehmen. Dieser Verlockung konnte Judith nicht widerstehen. Sie bat die Mutter, ihr die Erlaubnis zu einem Besuche in meinem Hause zu geben, fuhr aber nach F., wo sie der Rabbiner an der Seite ihres Bräutigams erwartete. Nach drei Tagen fand die Hochzeit statt. Nun bitte sie die Mutter nachträglich um ihren Segen. Sie legte in diesem Schreiben auch den heiligen Schwur ab, daß sie stets treu am Glauben haften, keine Haaresbreite vom Wege der Tradition weichen werde und daß es ihr eifrigstes Bestreben sein wird, ihren Gatten, der aus Liebe zu ihr Jude geworden, zu einem solchen in des Wortes wahrem Sinne zu machen. Sie erbat sich eine Antwort nach M., wo sie das Wochensest verbringen wolle." Rabbi Wolf machte hier eine kleine Pause, um sich zu sammeln. Die Auffrischung der schmerzlichen Erinnerungen hatte ihn mächtig ergriffen. (Schluß folgt.) Wochen-U lenöer. Freitag, 0. September. 22. Elul. Ladbar-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min. Samstag, 7. September, 23. Elul, ^7" D’uyj, Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. — Berlin 7 Uhr 24 Min — München 7 Uhr 24 Min. — Hannover 7 Uhr 38 Min. — Stuttgart 7 Uhr 41 Min. - Prag 7 Uhr 15 Min. — Straßburg 7 Uhr 40 Min. — Posen 7 Uhr 12 Min. Sonntag, 8. September, 24. Elul, bll'dOd chvwL'Q. Mittwoch, 11. September, 27. Elul, d"n d"? rvjyn. Der „I s r a e l i 1" erscheint wöclM>iitlich zweimal. MnntHgs mul Donnerstags, jedesmal itt mindestens zwei Bcgcn. P eis vro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnin ganzjahrlich, halbjährlich od r vieneljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — -ölen Buchhandel orrb.elwl durch Vjf. Strinackrr, 'Leipzig, RolipliUf jb. — Inserate Pfennig die viergespaltene Peützeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder i6 Kronen öitevr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunden wir aus Wunsch die Zahlung des Jnsertionsbetrags an außer Stelle Befindliche binach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt). leitender Artikel: Das orthodoxe Fudenthum. - Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hannover. Burgsteinfurt. Kissingen. Karlsruhe. Oesterreich: Nikolsburg. Auö Mahren. Frankreich: Paris. — Sprechsaal: Sarbogard. — Feuilleton: Helene. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Der Bernstcinsucher.--Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Norddeutschland Homburg p. d- H. Lampertheim. Rußland: Peter».bn-g. Extra-Beilagen: Spendenverzeichnisse. — Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.