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Der Israelit · 1901-09-02 · Heft 69 (2.9.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 69 (2.9.1901)
Date
1901-09-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1514 die Du an der Entschlafenen während ihres Erdenlebens und durch sie an unserem Vaterlande gethan, für all den Segen, den Du durch sie verbreiten ließest. In Demuth beugen wir uns vor Deinem Willen und flehen zu Dir: Sende Trost und Aufrichtung in das Herz unseres trauernden Kaisers, tröste mit Deinem himmlischen Tröste seine hohen Geschwister, sowie alle Mitglieder des Herrscherhauses, aus daß sie in Ergebung tragen, was Du über sie verhängt hast, und sie Alle Deinen heiligen Namen preisen! Deinen Trost wende dem gcsammten deutschen Volke zu, auf daß es sich wieder erhebe in Hoffnung und Vertrauen zu Dir! Amen!" Wo das Gebet für den Landesherrn nicht deutsch verrichtet wird, ist obiges Gebet dem Schluffe des hebräischen Kaisergebetes anzureihen. . Burgsteinfurt, im Aug. Vor einem Jahre zog Louis Rose aus Osterwick (Kreis Coesfeld, Provinz Westfalen) als freiwilliger Infanterist mit nach China, um gegen die Boxer zu kämpfen. Am 17. d. M. wurde derselbe beurlaubt, um seine Eltern und Geschwister zu besuchen. Louis Rose ist mit heiler Haut wieder angelangt. Vom Bahnhof wurde derselbe von fünf Offizieren des Kriegervereins Osterwieck per Wagen abgeholt; etwa l<2 Kilometer vom Orte war der Krieg:rherein mit Musik angetreten, um ihren Freund und Kameraden gebührend zu empfangen. Der Amtmann der Gemeinde Osterwick hielt eine begeisterte Rede, ermahnte den jungen Krieger, ferner ein guter Patriot und Bürger zu bleiben, damit seine Eltern, Geschwister und die Gemeinde Osterwick stolz auf ihn sein könne. Der ganze Ort war geflaggt, das Elternhaus mit Guirlanden und Sprüchen geschmückt. Abends war zu Ehren des heimkehrenden Kriegers ein Festbankett, das bis zum frühen Morgengrauen dauerte. In Osterwick wohnen seit länger als 60 Jahren nur Zwei jüdische Familien; der Vater wie ein Bruder sind ebenfalls Krieger. Am Sontag, 24. August, war Louis Rose in Horstmar i. W. bei seinem dort wohnenden Bruder; während des Gottesdienstes wurde derselbe zur Thora aufgerufen und sprach das Gebet nach überstandener Gefahr. Kitzingen, im Aug. (Unlieb verspätet.) In unsrer Nachbargemeinde Rödelsee befindet sich „seit undenklichen Zeiten," wie es in der diesbezüglichen amtlichen Urkunde, dem Gemeindekataster, heißt, ein jüdischer Centralfriedhof (siehe „Blätter für Jüdische Geschichte u. Litteratur" Nr. 5, zu Nr. 65 des „Israelit", Anmerkung 2 des Herrn Dr. L. Loewenstein), dem 8—10 Gemeinden angehören. Laut den noch vorhandenen, sehr interessanten Statuten, unterzeichnet „Rödelsee, Sonntag, den II. des Neumondes Jjar 5461 (1701)", wurde an diesem Tage ein „Wohlthätigkeitsverein" gegründet, dessen Hauvtaufgabe die „Beschäftigung mit den Todten" ist und der aus „18 Häuptern, nicht mehr und nicht weniger," bestehen soll. Am 14. August d. I. Jomkipur koton wurde nun von den jetzigen 18 Mitgliedern dieses Vereins das 200jährige Bestehen desselben durchs ein Festmahl gefeiert. Wie alljährlich am Erew Rosch Chodesch Mul, ebenso am Erew Rosch Chodesch Adar, wurde ein halber Tag gefastet, sodann verschiedene Psalmen in der Synagoge zu Rödelsee recitirt und hierauf das n\ Gebet verrichtet. Die Mitglieder versammelten sich sodann im Vereinshause zum Festmahle, welches eine Sudo schel Mizwoh im wahren Sinne des Wortes war. Der greise Vorsitzende, Herr Sonn- Großlangheim, begrüßte die Anwesenden und ertheilte dem Mitgliede Herrn Lehrer Frank- Rödelsee das Wort, welcher die Gründung und den Zweck des Vereins in beredter Weise schilderte und, wie dies bei einer solchen Sudo üblich ist, Diwre Thoroh mit einschaltete. In freier und gebundener Rede wurden verschiedene Toaste ausgebracht und schließlich zur dauernden Erinnerung an diese Feier die Gründung eines Fonds zu wohlthätigen Zwecken beschlossen. Gebe Haschem, daß die Mitglieder stets Veranlassung haben, nur zu freudigen Gelegenheiten sich zu versammeln. Karlsruhe, im Aug. Der neueste Trick der antisemitischen Agitation scheint darin zu bestehen, antisemitische Flugschriften in unpolitische Zeitschriften zu schmuggeln. So findet sich in einer Nummer der „Bad. Schulzeitung" folgender Vermerk: „Dieser Nummer liegt bei: Ein Prospekt vom Flugschriftenverlag (Th. Fritsch) Leipzig." Dieser Prospekt ist aber nichts anderes als eine Doppelnummer der Flugschriftenserie „Brennende Fragen" mit dem Titel: „Die semitischen Menschenopfer und die heutige Vlutmordfrage." Der Verfasser, Theodor Fritsch, sucht darin in der bekannten antisemitischen Hetzmanier den „Ritualmord" als eine geschichtliche Thatsache hinzustellen, und weil ihm der Nachweis begreiflicherweise nicht glücken will, müssen Schimpfereien auf die Juden aushelfen. Es verlohnt sich nicht, an das öde antisemitische Machwerk weitere Worte zu verschwenden. Der „Prospekt" ist der „Badischen Schulzeitung" natürlich beigegeben worden, ohne daß die Redaktion über seinen Inhalt unterrichtet war. In der badischen Lehrerschaft ist kein Boden für den Antisemitismus. O e st e r r e i ch. Nikolsburg, 26. Aug. Wie allerorten, so fand auch in unserer Altschul in Gegenwart eines zahlreichen Publikums und auch einiger christlicher Würdenträger, eine Feier anläßlich des 71. Geburtstages unseres Kaisers statt. Unser Landrabbiner Dr. David Feuchtwang hielt eine von patriotischem Geiste durchwehte Rede, die in gewohnter Weise formvollendet und die auch vom Geiste der Religon durchtränkt war. Auch Oberkantor M a i f e l d erledigte sich seiner Aufgabe in der beifälligsten Weise. Die von ihm einstudirten Chöre wurden in geradezu musterhafter Weise

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