Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1504 Ansiedler gefährdete; die weniger günstigen Bodenverhältnisse haben jedoch auf Grund ziemlich theuer bezahlter Erfahrung zu der Erkenntniß geführt, daß der Ackerbau in extensivem Betriebe dort nur ein Durchgangsstadium zur Viehzucht bilden darf. Die gegenüber Moisesville um fast fünf Breitengrade südlichere Lage scheint dafür auf der anderen Seite der Obsttultur gute Aussichten zu eröffnen, welche auf jener santafeecinischen Kolonie bisher kein sonderliches Ergebniß gezeitigt hat. Das Landschaftsbild der Provinz Buenos Aires ist entschieden etwas freundlicher, als dasjenige von Santa Fee, weil bei der intensiveren Biehwirthschaft die immergrünen Luzernefeldcr, die ziemlich häufigen Eulalyptuspflanzungen, und endlich ab und zu größere Seen nicht die Monotonie der Weizendistritte der Santa Fee's aufkommen lassen. Bis auf eine mäßige Entfernung von Buenos Aires, sowie auch in der Umgebung der schon recht namhaften Landstadt Chivilcoy hat die Pampa sogar ein entschieden englisches Landschaftsgepräge erhalten. Mauricio erstreckt sich in einer durchschnittlichen Entfernung von etwa 10 Kilometer von dem Zug der Westbahnlinie zwischen den Stationen Casares und Guanaco als ein Rechteck von 10 bei 20 Kilometer Seitenfläche; in Folge eines späteren Ankaufs beträgt die Oberfläche der Kolonie heute 25,000 Hektar, ungerechnet eine weitere hinzuerworbene Nachbar-Estanzia von 8000 Hektar, bei welcher letzteren aber ein noch sechs Jahre laufender Pachtkontrakt respektirt werden muß, so daß sie für die Kolonisation vorderhand nicht in Betracht kommt; übrigens entfällt von der ersterwähnten Oberfläche ein erheblicher Bruchtheil auf Lagunen. Auch bei Mauricio, welches von der Association des Baron Hirsch im Jahre 1891 gegründet wurde, machten die ersten Verwaltungen den Fehler, die Kolonie zu überfüllen, wodurch die an sich großen Schwierigkeiten des Beginns noch vermehrt wurden. Außerdem wechselten in den ersten sechs Jahren nacheinander einige fünfzehn verschiedene Verwalter, so daß es nicht verwunderlich ist, daß diese Anfangsepoche in Mauricio sich fast noch kritischer als in Moisesville gestaltete. Dazu kam noch, daß schon nach etwa fünf Jahren der Boden für Getreide zu versagen begann, und es kostete neue Opfer, um in dem erforderlichen Umfange zur Luzerne und Biehwirthschaft überzugehen. ' Vodenuntersuchungen ergaben, daß in Folge ungenügenden Kalkgehalts das Land in diesem Theile der Pampa ohne die hier überhaupt nicht existirende Düngung nur für eine beschränkte Anzahl von Getreide-Ernten befähigt bleibt, während in Santa Fee der Boden stellenweise schon seit zwanzig Jahren u. darüber scheinbar ohne Erschöpfung aushält. Da sich jedoch in Mauricio in etwa acht Meter Tiefe eine kalkhaltige Mergelschicht vorfindet, so macht sich der eben erwähnte Uebelstand für die tiefwurzelnde Luzerne nicht fühlbar. Dieser Umstand, daß nicht überall in Argentinien der Boden den in gewissen! Sinne als Raubbau anzusehenden, schonungslosen permanenten Körnerbau erträgt, hat es in vielen Gegenden zur Regel werden lassen, die Getreidekultur durch Halbpächter auf Kontrakt in der Weise zu betreiben, daß der Ansiedler wilden Camp auf vier Jahre überlassen erhält und ihn im fünften Jahre mit Luzerne bestellt dem Eigenthiimer zur Biehwirthschaft wieder zurückgeben muß. Der Ackerbau schreitet auf diese Weise, der Stichflamme eines Grasbrandes vergleichbar, immer weiter nach Süden und Westen vor, und diese Bewegung wirb so lange andauern, als der wilde Camp im Preis resp. Pachtzins noch billiger steht, als die Mehrkosten des Betriebes bei sorgfältigerer Wartung des Bodens durch Brechen und Düngung betragen würden. In dem Maße, als später eine größere Bevölkerungsdichtigkeit den Boden theurer und den gemischten Kleinbauernbetrieb in europäischem Sinne lohnender machen wird, werden alsdann auch die schon einmal unter Pflug gewesenen, aber inzwischen wieder zur Viehzucht verwendeten Flächen von neuem dem Getreide-Anbau zurückgegeben werden. In Mauricio ist zwar immer noch für den Körnerbau brauchbares Land verfügbar; aber der Uebergang der Kolonie zur reinen Biehwirthschaft ist nur eine Frage der Zeit. Gleichzeitig ist der Verwalter der Ansiedelung, Herr Arthur Bab, ein Deutscher und in Gernrode im Unterharz ausgebildeter Pomologe, bestrebt, die Kolonisten auf andere Rebeneinnahmen hinzuweisen. In diesem Theil der Pampa existirt kein Baum, der nicht von Menschenhand gepflanzt worden wäre, und die Baumkultur ist deßhalb schon des Nutz- oder Brennholzes halber von Bedeutung. In der That hat die Anregung des umsichtigen Administrators es schon erreicht, daß einschließlich einer von der alten Estancia her noch vorhandenen Eukalyptenpflanzung, die Kolonie schon etwa 75 Hektar Waldanpflanzung besitzt, zum großenTheil von der rasch und kräftig sich entwickelnden Humboldtweide, welche allerdings in den ersten Jahren der Blattschneiderameisen halber besonderer Pflege bedarf. Auch die Obstkultur gibt gutes Resultat, und Herr Bab gedenkt für später Versuche mit dem Versandt gedörrten Obstes zu machen. Andere Kulturen, wie die der Ramiee (Gespinnstfaser), gaben nicht den erwünschten Erfolg, dagegen erzielten letzthin einige Kolonisten mit dern Leguminosenbau im Großen ein befriedigendes Resultat. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Benthen, im Aug. Trotz aller Mißerfolge setzt Herr Hans Behringer, der „Geschäftsleiter" des Berliner Thierschutzvereins, seine wüthige Hetze gegen das Schächten mit unverminderter Geschäftigkeit fort. Die