Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42* Jahrgang. Zweite Anlage zu M 68 des „Israelit". Leitender Artikel. l>>t jiidislhc» Wlbniikckmii in Arzkiitiiiikli. III. Buenos Aires, Ende Juni. Auch nach Osten zu dehnen sich weitere Einzelbezirte der Kolonie aus, u. a. derjenige von Virginia, welcher bis zu der Eisenbahnstation Moisesville an der Schmalspurlinie nach San Cristobal sich erstreckt. Das Städtchen Moisesville liegt, wie früher bemerkt, von dieser Station etwa 12 Kilometer ab; um jedoch den schon erheblichen Frachtverkehr der Kolonie mehr an sich zu ziehen, und womöglich der westlich, über Palacios und Monigotes verlaufenden Breitspurlinie davon wegzunehmen, hat die Gesellschaft der Schmalspurlinie bereits den Entschluß gefaßt, eine Zweigbahn durch die ganze Kolonie bis in die Nähe des oben erwähnten westlichen Bezirks von Zadok Kahn zu legen. Die Pläne sind bereits fertig und es wird mit den Arbeiten binnen wenig Wochen begonnen werden. Abgesehen von einem großen Schuppen in der Nähe des Verwaltungsgebäudes, hat die Association auf der Station Moisesville unmittelbar am Geleise ein Lagerhaus von etwa 2000 Quadratmeter Bodenfläche errichten lassen, um es den Kolonisten zu ermöglichen, ihre Produkte vor den Unbilden der Witterung gesichert bis zu der nicht immer vorhandenen Transportgelegenheit aufzubewahren. Der Schuppen war zum größten Theile mit Ballen duftenden Trockenheues der Luzerne gefüllt; noch lagen auch von der letzten Ernte her hochgethürmte Pfeiler von Weizensäcken, auf deren obersten sektionsweise in hebräischer Currentschrift jeweils der Name des betreffenden Bauern verzeichnet war. Seltsam muthen uns diese Zeichen aus Altasien hier aus den gelben Weizensäcken an; so mögen unter dem Finanz- und Handelsminister Joseph in den Getreidekammern des Pharao im alten Egypten die Aufschriften der Siloabtheilungen in demotischer Schrift sich ausgenommen haben. Abgesehen von den bereits früher erwähnten 6000 Tonnen Trockenfutter produzierte Moisesville in der letzten Saison noch 2600 Tonnen Weizen und 1100 Tonnen Leinsat; in dem laufenden Jahre wird sich diese Produktion bei der Ausdehnung der Anbau-, flächen erheblich steigern, denn man rechnet, daß heuer etwa 4600 Hektar Luzerne, 7000 Hektar Weizen und D00 Hektar Leinsaat unter Kultur stehen werden. Von den rund 66,000 Hektaren, welche bis vor Kurzem den Besitzstand der Affociation in Moisesville ausmachten, lvaren nicht ganz 40,000 Hektar an Kolonisten auf zwanzigjährige Abzahlung verkauft. Das Land wird dabei zum Selbstkostenpreise, im Durchschnitt etwa 30 $ per Hektar, abgegeben. Größere Flächen bleiben als Almend für die gemeinschaftliche Weide des gewöhnlichen Viehes der Ansiedler reservirt. Mit dem in diesen Wochen stattgefundenen Ankauf der nordwestlich anschließenden Estancia Monigotes wird sich der Koloniebezirk von Moisesville auf etwas über 100,000 jjettav vergrößern und damit succeffive auch eine entsprechende Vermehrung der heute, inklusive der jüdischen Knechte und Handwerker, etwa 2600 Seelen betragenden Bevölkerung gestatten. Am Morgen unserer Abreise nahmen wir noch einen neuen Nebenbetrieb in Augenschein, welcher den Kolonisten von Moisesville für die Zukunft noch eine hübsche Nebeneinnahme verspricht. Die sich von Jahr zu Jahr ausdehnenden Luzernefelder mußten zur Bienenzucht förmlich einladen, und so gewann die Verwaltung in dem Polen Songim, einem früheren Hauptmann, den der Ukas Alexanders HI. gleichfalls von seinem Anwesen aus Rußland vertrieben hatte, einen erfahrenen Imker, der in einem kleinen Eukalyptusgehölz in der Nähe des Verwaltungsgebäudes bereits eine Stammkolonie von 180 Schwärinen angelegt hat, die heuer im zweiten Jahre schon 6000 Kilo Honig einbrachten. Die Verwaltung wird künftig jedem Kolonisten einige Schwärme unter der entsprechenden Anleitung ablassen, und da sich die Bienen rasch vermehren, so wird sich hieraus mit der Zeit ein weiterer Exportartikel entwickeln. Als mir Herr Alexinitzer zum Abschied noch einige in eine Blechbüchse verpackte schöne Honigwaben zum Wagen hinaufreichte, wollte es mir scheinen, als ob der Segen des Namens-Patrons von Moisesville die Verheißung in Erfüllung gehen lasten wollte, welche der Herr ihm im feurigen Busch gemacht hatte; zwar rauscht hier keine altersgraue Eiche von Hebron, noch hat in diesem Brunnen Laban seine Heerden getränkt oder Rebekka Wasser geschöpft; dafür verspricht aber diese geschichtslose Pampas für ein lange gequältes Volk ein zweites Kanaan zu werden, worin — das gute Brod und Fleisch nicht zu vergessen — im wahren Sinne des Wortes Milch und Honig fließt. Die nächst Moisesville zwar nicht an Umfang, aber an günstiger Entwickelung zweitwichtigste jüdische Kolonie M a u r i c i o liegt in einem von der ersteren etwas verschiedenen Wirthschaftsgebiete. Zwar gehört auch Mauricio, etwas über 300 Kilometer westlich von Buenos Aires, in dem Herzen der gleichnamigen Provinz gelegen, einem verhältnißmäßig jungen Kulturbezirk an, wo noch vor 26 Jahren der Indianer den