Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWWWW WßHHMWTWMGM,p mM-mmm WWWhalfen natürlich nicht mehr begeisterte Reden, auch keine flammende Proteste: sie kamen zu spät, die Bestia triumphans konnte nicht einmal zurückgeben, was sie bereits verschlungen hatte. Ein großer Theil, ungefähr etwa ein Fünftheil des jüdischen Friedhofes, dieser in ganz Europa so berühmten, historisch so überaus werthvollen und kulturell so hoch intereffanten Denkwürdigkeit, war der Vernichtung anheimgefallen! Etwa 2000 Quadratmeter würden von diesem uralten Todtengarten weggeschnitten, wo in elegischer, weltentrückter Abgeschiedenheit, zwischen Gräsern und unter schattigen Baumkronen, in malerischen Gruppen die Grabsteine und Denkmäler der alten Juden sich erheben. In diesem zaubervollen Winkel Prags, wo schwärmerischen Seelen jeder Baum seine wunderbaren Märchen entgegenrauschte, wird nun der Lärm ver Schaufeln und Hämmer erschallen. Hauen und Grabscheite werden ihn aufwühlen und ihm ein Stück seines historischen Bodens hinwegrauben, und die Baumlvurzeln werden herausgegraben werden, um Grundmauern für Miethskasernen. Platz zu machen. Die Stille, welche hier auf die Seelen der Besucher so tief ergreifend eingewirkt, wäre nun verschwunden u. zwar nicht nur auf einen Augenblick, sondern wohl schon für immer. „Prag verliert, indem es einen Theil dieser historisch-kulturellen Denkwürdigkeit der Vernichtung preisgibt, an ihr zugleich einen Garten voll inniger, trauter Poesie und ganz eigenthümlicher Reize. Die Debatte über diesen Gegenstand brachte aber ungemein viel Charakteristisches. Sie zeigte, daß in dieser Angelegenheit nicht nur der Prager Vandalismus, der Mangel an Achtung für die Vergangenheit und der absolute Mangel an ästhetischem Gefühl mitentschieden haben, sondern daß hier auch der blinde Antisemitismus sehr stark mitgewirkt hat. In eine delikate künstlerisch-historische Frage wurde das konfessionelle Moment gewaltsam hineingezerrt und der Haß gegen das Judenthum hat hier zur Vernichtung einer europäischen Berühmtheit sein Diktat gesprochen! Ein solcher Standpunkt ist durch und durch reactionär und furchtbar thöricht; aber bei uns genügen ja faule und abgeschmackte Witze und öde Phrasen, um ieden selbst noch so beschränkten und noch so gemeinen Gedanken zu verfechten, und lauter Beifall gleichgesinnter Seelen erwartet als Belohnung die horrenden Ansichten des Handschuhmacher-Aesthetikers Brzeznovsky. Wir, die den Juden wirthschaftlich nicht beikommen können, sollen an ihnen Rache nehmen dafür, daß wir die Stadt Prag um den Theil einer uralten Denkwürdigkeit berauben, welche eme berühmte Sehenswürdigkeit ersten Ranges ist. — '— ' j Zu derartigen Absurditäten kann die Leidenschaft nur ganz Ungebildete verleiten. Aber leider wuchert gerade bei uns ähnliches Unkraut üppig und die parteiische Krämerei und das politische Schacherunwesen verursachen viele Schäden, ähnlich demjenigen, der soeben in diesem Falle geschah. Zdeslav. Amerika. Newyork. Auf einem Bankett, das jüngst Hierselbst zu Ehren des um die Wissenschaft des Judenthums hochverdienten Dr. S i ng e r veranstaltet wurde, kündigte der Gefeierte die Ausführung eines großen, von ihm gehegten Planes an. Eine Universität für die Wissenschaft des Judenthums soll in Newyork errichtet werden, die nicht etwa eine Rabbinerschule darftellen soll, sondern thatsächlich eine Universität ganz nach europäischem Muster. Nur die Wissenschaft des Judenthums soll in ihr gepflegt, nicht der jüdische Theologe für seinen Beruf ausgebildet werden. Drei Fakultäten wird diese eigenartige Hochschule aufweisen, eine für jüdische Theologie, eine für jüdische Geschichte und die dritte für jüdische Litteratur. Mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der an ihr studirenden Nationalitäten sollen Dozenten — es sind hauptsächlich deutsche Gelehrte in Aussicht genommen — in englischer, deutscher, russischer und hebräischer Sprache ihre Vorlesungen halten. Alles soll in großartigem Maßstabe beschafft werden, sowohl die räumliche wie die wissenschaftliche Ausstattung. Die Mittel zur Gründung dieser Universität, die einzig in ihrer Art dastehen würde, haben einige reiche Juden Amerikas hergegeben, und schon Ende 1902 dürste die neue Hochschule, falls sich nicht der Beschaffung geeigneter Lehrkräfte größere Schwierigkeiten entgegenstellen sollten, eröffnet werden. Im Anschluß an diese Mittheilung sei daraus aufmerksam gemacht, daß Dr. Singer in letzter Zeit viel genannt wurde als der Schöpfer der groß angelegten „Jewish Enevclopädia," deren erster Band erschienen ist. Dieses Merk stellt sich die Aufgabe, alles wissenswerthe über jüdische Geschichte, Litteratur, Liturgie und dergl. zu bieten. Bulgarien. Sofia, im Aug. Zu Ostern d. I. fanden in Küstendil Unruhen gegen die dortigen Juden statt. Infolge eines Streites, der zwischen bulgarischen und jüdischen Gassenbuben ausgebrochen war, hatten Antisemiten das Gerücht eines „Ritualmordes" verbreitet. Darauf entstanden nicht ungefährliche Unruhen in der Stadt. Diese Thatsachen fanden nun im bulgarischen Parlament ihren Widerhall; in einer der letzten Sitzungen interpellirte der Abgeordnete Rizoff die Regierung über die Ereignisse zu Kistendil. Dieses arbeitsame Volk, sagte er. von den Israeliten redend, ein Element des Gedeihens der von ihrü bewohnten Landet, 'wird überall wegen der Fehler einiger seiner Mitglieder verfolgt. Küstendil wollte anderen Städten nicht nachstehen. Es wollte und es