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Der Israelit · 1901-08-29 · Heft 68 (29.8.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 68 (29.8.1901)
Date
1901-08-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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I486' kommt ein solcher Jude des Ostens, der säst alle Zeichen seines Judenthums offen zur Schau trägt, und erinnert die Nichtjuden daran, daß die Juden den Mutb, zu eristiren, noch immer nicht verloren haben. Natürlich erweckt der Anblick eines solchen Juden in der Brust des Judo-Europäers keine angenehmen Gefühle, da er ja selbst schon Alles gethan hat, um sein Judenthum in Vergessenheit zu bringen, als ob das wirklich so leicht ginge. Der Nichtjude erkennt in ihm trotz des eleganten Rockes und trotz des glattrasirten Kinns den Juden. Die Natur schreibt eine deutliche und schwer verwischbare Schrift. Die Anderen handeln wieder aus Mangel an Verständniß thöricht. Es fehlt ihnen vor allem der historische Sinn, der eine jede Wirkung auf ihre Ursache zurücksührt. Funktionen schaffen sich ihre Organe, lehrt ein neues Gesetz, das in dem geschichtlichen Leben der Völker seine volle Berechtigung hat. Unsere Brüder im Osten sind durch die Verhältnisse das geworden, was sie sind. Die Noth hat sie aus der Bahn ihrer natürlichen Entwickelung herausgerissen, wie ja wir Alle nicht das geworden sind, was unser eigentlicher Beruf ist und wozu wir einst die Fähigkeiten besessen haben. Für diese Noth sie verantwortlich machen, nenne ich thöricht, um euphemistisch zu sprechen. Bemitleiden sollen wir sie, in brüderlicher Liebe Alles mit ihnen theilen, denn ihnen verdanken wir in erster Reihe den Bestand unseres Judenthums. Unsere Feinde machen uns immer unser Zusammengehörigkeitsgefühl zum Vorwurf, zeigen wir, daß wir diesen Vorwurf verdienen, dann haben wir uns und unseren armen Brüdern geholfen. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenze«. Deutschland. Frankfurt a. M. (Archäologisches aus P a l ä st i n a.) Nach dem jüngsten „Quarterly Statement des Palestine Exploration Fund," sind die Funde aus den Ausgrabungen jetzt in einem kleinen Museum vereinigt, für das die türkische Regierung das Lokal und die Glaskästen gestellt hat. Es befindet sich in der Gouvernementsschule gerade innerhalb des Herodesthores und kann leicht auf dem Wege von der St. Annakirche und dem Teiche Bethesda besucht werden. Das kleine Museum enthält eine vollständige Sammlung von Töpfereien von der präisraelitischen bis zur römischen ^Zezt, azrAexdem Bronze-, Eisen-,, Knochenlind Steingegenstände, Gemmen,' Siarabäen und Glasarbeiten. — Aus dem Grund der jüdischen Kolonie, die den Namen Nissin Buck's Kolonie führt, wurde beim Graben einer Zisterne ein wundervolles Mosaik, 10 bis 12 Fuß groß, gefunden, das wohl den Boden eines Musikzimmers gebildet hat. Orpheus sitzt, von Thieren umgeben, in der Mitte, unter ihm ein Pan und ein Centaur. In einem Rahmen darunter sind zwei weibliche Figuren, „Theodosia" und „Georgia," in griechischen Buchstaben benannt, abgebildet, die möglicherweise berühmte Sängerinnen waren. Trotz des heidnischen Gegenstandes ist das Mosaik wohl christliche Arbeit aus dem 2.—3. Jahrhundert der g. Z. — Zu Kfr Kenna in Galiläa wurde eine höchst merkwürdige hebräische Mosaik-Inschrift in quadratischer Schrift gefunden, deren Entzifferung noch nicht gelungen ist. Kobylagora, im Aug. Tief ergriffen wurde unsere fromme Gemeinde, als am Sabbat Mattaus und Maße Se. Hochw. unser hochverehrter Herr Diöcesanrabbiner Dr. Bamberger aus Schildberg, in unserer Synagoge seine Abschiedsrede hielt. Als er den Passus erwähnte, heute zum letzten Male von dieser Stätte aus zu uns zu sprechen, da kannte der Schmerz unserer würdigen Gemeinde keine Grenzen mehr und alles, Männer und Frauen, Jung und Alt, brach in lautes Schluchzen aus. Und mit Recht, denn was wir an unserem Rabbi verlieren, vermögen wir mit Worten nicht zu schildern. Hat er doch immer darauf gesehen, unsere ntpnpn njicx nach den alten Traditionen zu erhalten,' war er doch stets bemüht, durch seinen biederen Charakter den übw, die Harmonie und die Eintracht in seinen Gemeinden nach allen Richtungen aufrecht zu erhalten. Mit Recht können wir nun ausrufen uhu pnno xPi ‘jnjo x1? u1? pa. Ihm wünschen wir, daß n"'vn seinen ferneren Lebensweg erleuchte und ihm in allen seinen Unternehmungen nntem nro gebe, wir beneiden aber heute schon die Gemeinde, die durch sein Wirken begnadet wird. O e st e r r e i ch. Prag, 22. Aug. (Der alteJudenfriedh o f.) Den Beschluß der jungczechischen Majorität des Stadtverordnetenkollegiums, einen großen Theil des altehrwürdigen jüdischen Friedhofes in eine Straße zu verwandeln, kritisirt das radikal-fortschrittl. Wochenblatt „Samostatnost" (Redakteur Dr. Anton Hajn, bekannt aus dem großen „Omladina"-Prozeffe im Jahre 1893) in einem „Der Kampf um Prag" überschriebenen Artikel, worin es heißt: „In der von einem zahlreichen Publikum besuchten Montags-Sitzung des Stadtverordneten-Kollegiums wurde auch noch über eine andere, ebenfalls sehr wichtige Denkwürdigkeit Alt-Prags berathen, für die schon viel, jedoch vergeblich, gestritten und gekämpft worden war. Der Assanationsplan und das Prager Liunal haben ganz unerbittlich einen Theil des' alten Judenfriedhofes zum Opfer gefordert. Und da wurde in der Montags-Sitzung formell zum Beschluß erhoben, was eigentlich schon längst besiegelt war und da

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