Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1490 Minchagebet wurde verrichtet und nun hielt Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l die Weiherede. Dieselbe knüpfte nach einem einleitenden Gebet des Dankes an das Textwort an: „Denn ihr seid nicht gekommen bis heute zu der Ruhestätte und dem Erbbesitz, die der Ewige, dein Gott, nunmehr dir gibt," um das Gotteshaus zunächst zu charakterisiren als „Ruhestätte" und als „Erbbesitz," hier errichtet nicht nur für die Einheinnschen, sondern insbesondere auch für die Fremden, die nach Muenahr kommen, „um Wasser zu schöpfen aus den Quellen des Heils." Sodann wandte der Red».er sein Textwort an auf die ganze jüdische Glaubensgemeinschaft, indem er auf die jüdische Geschichte hinwies, „dieses tausendjährige Zeugniß der Ruhelosigkeit und Unstätheit," und er zeichnete den Antheil des schönen gesegneten Ahrthales an dieser Geschichte, indem er von den Ereignisien erzählte, die sich zur Zeit des ersten Kreuzzuges in Ortschaften desselben abgespielt. „Ein Kölner Rabbi hat einst die Märtyrer des Ahrthalsbeweint,' ein Kölner Rabbi weiht heut im Ahrthal ein n e u e s G o t t e s h a u s." So ändern sich die Zeiten und Israel kommt zu seiner Ruhe und seinem Erbbesitz, feiert Feste seines jüdischen Glaubens, und die christlichen Mitbürger, voran die geistlichen und weltlichen Spitzen, nehmen daran wohlwollendsten Antheil. Mit einem innigen Gebete für König und Vaterland, für die Orts- und israelitische Gemeinde, und für das neuerbaute Gotteshaus schloß die Weiherede, die den tiefsten Eindruck bei allen Festversammelten zurückließ. Mit dem Marivgebet, bei dem die angenehme Stimme des Herrn Vogel zur vollen Geltung kam, und dem Lied „Leih aus Deinen Himmelshöh'n," das der Kinderchor noch fang, schloß die erhebende Freitag- Abendfeier. Am Samstag Morgen fand, wiederum in bis zum letzten Platz besetztem Gotteshause, Gottesdienst mit Predigt statt, welche den Segnungen des Friedens galt und der Gemeinde an's Herz legte, daß friedliches Zusammenwirken für ihr weiteres Fortkommen und Gedeihen die unerläßliche Bedingung sei. Am Samstag Abend wurde im Hotel zur Reichspost eine Festversammlung mit nachfolgendem Konzert abgehalten, zu welcher sich auch der Bürgermeister Neuenahrs, Herr Faulhaber, sowie sein Stellvertreter einfanden. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal theilte in *'"ix Ansprache mit, daß Frau Wwe. Gottfried Borg zu ' 'enahr die ihr zugehörige Sepher Thora nebst al!:"- Zubehör anläßlich der Synagogeneinweihung der Gemeinde Neuenahr zum Eigenthum überlasse und überreichte dem Vorstand die Schenkungsurkunde, die Aufforderung daran knüpfend, daß doch Alle, wie bisher. so auch weiterhin, ihr Schärflein beitragen möchten, um das schöne neue Gotteshaus nun auch würdig auszuschmücken. Es sei bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt gelaffen, daß sich das freudige und rege Interesse der jüdischen Kurgäste an der neuen Synagoge beim Morgengottesdienste in namhaften Spenden kundgegeben hat. — Mit einem wohlgelungenen Bankett fanden die Feierlichkeiten am Sonntag Abend ihren Abschluß. Lange noch werden sie den Neuenahrern und den anwesenden Fremden im Gedächtniß bleiben. Das neue Gotteshaus aber möge seinem heiligen Zwecke fortan in Frieden dienen und die Neuenahrer jüdische Gemeinde auf dem Wege gesunder Entwickelung kräftig fortschreiten. Aus Süddentschland, im Aug. „Hurrah! die Orthodoxie ist tobt!" „Besiegt und geschlagen das tapfere Heer!" so jubelt Kollege Steinhardt in der neuesten Nummer seiner „Blätter für Erziehung und Unterricht." Und was hat das so schnell zu Wege gebracht? Die Religionslehrer Badens haben den Anschluß an den Verband beschlossen. „Verhältnißmäßig wenige aufklärende Worte" des „gewandten Redners" haben den badischen Kollegen die Augen darüber geöffnet, daß Rabbiner Dr. Cahn in Fulda und seine Amtskollegen im Großherzogthum Hessen „sich mit einem orthodoxen Mantel umhängen, unter welchem Deckmantel sie die religiöse Gesinnung der Mitglieder des Lehrerverbandes zu verdächtigen suchen." Diesen „lehrerfeindlichen Kreisen (sie!) ist die Entwickelung eines freien unabhängigen Lehrerstandes ein Dorn im Auge." Ihre Leser brauchen nicht die Besorgniß zu hegen, daß ich die Schimpfereien für „Erziehung und Unterricht" hier vollständig in ihrem Wortlaut wiedergebe, es genügen die angeführten Stellen, um deren ganze Ungeheuerlichkeit zu erkennen. Also Dr. Cahn und seine Kollegen benutzen die Orthodoxie nur als Deckmantel, um allerhand verwerfliche, lehrerfeindliche Dinge um so leichter ausführen zu können! Wahrlich, wenn Herr Steinhardt glaubt, mit solchen Elaboraten die süddeutschen Kollegen fangen zu können, so hat er sich doch sehr getäuscht. Die Herren Rabbinen werden diese Anwürfe nicht allzuschwer empfinden. Sie werden keine Entrüstungsversammlungen veranitalten. Aber eine andere Frage scheint mir dringend der Erörterung zu bedürfen, die Frage nämlich, wohin der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche segeln wird, wenn seine Leitung fortfährt, mit solchen Mitteln gegen das I'udenthum und seine Führer zu kämpfen? Derartige Erwägungen müssen die gelammte Lehrerschaft Deutschlands mit großem Schmerze erfüllen. Wie hat doch Moscheh gesagt? „Euer Murren ist nicht gegen mich. sondern gegen Gott gerichtet." Diese Herren meinen nicht Rabbiner Dr. Cahn und Genossen, sondern das einzige lind wahre, das orthodoxe Judenthum. Ein Flachsmann.