Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1489 nächstigen Reise nach Frankfurt uns dieselbe einmal persönlich onzusehen, um dann Weiteres über diese interessante Erfindung zu berichten. Berlin, 26. Aug. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer ersucht uns, in Berichtigung eines im Jnseratentheile unseres Blattes erschienenen Aufrufes mitzutheilen, daß derselbe dem Vorstand des „Schcmrei Thora" nicht angehöre, sondern sich nur auf Ersuchen des Herrn Rabbiners Dr. Petuchowsti bereit erklärt habe, einem Aufruf desselben befürwortend sich anzuschließen. Frankfurt a. M. In Sachen der Esrogim möchte ich diejenigen Herren Rabbiner, die es ernst mit ihrer religiösen Pflicht nehmen, gebeten haben, die Angelegenheit doch einmal einer recht sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Wie ich in meiner jüngsten Korrespondenz betonte, sind heute in der Esrogfrage ganz andere Gesichtspunkte maßgebend, wie vor wenigen Jahren. Erstens liegt nunmehr die Möglichkeit vor. unfern Bedarf von unseren jüdischen Brüdern in Palästina zu decken und dann haben sich auch die Verhältnisse in Griechenland geändert. Als nämlich im Jahre 1891 sich die bekannten Greuelscenen auf Corfu abgespielt hatten, da griff der größte Theil der jüdischen Bevölkerung zum Wanderstabe und init ihr der Rabbiner, der bis dahin die Aufsicht über die Esrogim geführt hatte. Seitdem hat also Eorfu keinen Rabbiner mehr, doch unsere jüdischen Esroghändler kaufen immer noch flott die Corfuer Esrogim, trotzdem es notorisch ist, daß die griechischen Gärtner die Esrogimbäume pfropfen und deßhalb die Aufsicht einer zuverlässigen jüdischen Persönlichkeit unerläßlich ist. Auf jeden Fall wäre es Sache der jüdischen Esroaimhändler, darüber Aufklärung zu geben, welche Gewähr wir haben, daß die von ihnen verkauften griechischen Esrogim rituell erlaubt sind. Geis. Bad Neuenahr, 23. Aug. (Synagogenei n w e i h u n g.) Nachdem man im Laufe der verflossenen Woche mit der Arbeit in der neuerbauten Synagoge noch weit zurück war, hätte man nicht erwartet, daß Freitag Nachmittag schon Alles soweit fertiggestellt sei, um die Einweihung, wie festgesetzt, stattfinden zu lassen. Jedoch verdoppelter Eifer und rührige Hände brachten es dennoch zu Stande, und Zinn allgemeinen Erstaunen war das Gotteshaus zur bestimmten Stunde nicht nur vollendet und alle Arbeiten gediegen ausgesührt, sondern auch sinnig und der Feier entsprechend ausgeschmückt. Am Freitag Nachmittag 6 Uhr, nachdem es vorher fast den ganzen Tag'^eregMhiats^jkWite sich her Hiinwe1''äuf ünd her Festzug, eine Musikkapelle an der ^vitze, setzte sich in der Jesuitenstraße vom bisherigen Betlokale aus in Bewegung. Voran gingen weißgekleidete Kinder, mit Guirlanden einen Kranz um die Schlüsselträgerin bildend; dann kamen die drei ältesten Gemeindemitglieder mit den drei geschmückten Thorarollen; nun folgte Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Köln mit Herrn Kantor Vogel aus Ehrenfeld, lveiter der stellvertretende Bürgermeister Herr Sanitätsrath Wilh. N i e s s e n mit dem evangelischen Ortsgeistlichen Herrn Pastor P l i e st e r und dem Baumeister; endlich der Vorstand der Gemeinde, gefolgt von einem großen Zuge Festtheilnehmer, unter denen sich auch die Herren Rabb. Steckelmache r aus Mannheim und B l u m e n st e i n aus Luxemburg befanden. Der imposante Zug bewegte sich durch die festlich geschmückte Haupt-, Post- und Kreuzstrahr, welche an beiden Seiten durch Spalier bildende Zuschauer dicht besetzt waren, in feierlichster Ruhe nach der neuen Synagoge. Hier angelangt, übergab die Schlüsselträgerin, Frl. Henriette V o s , nach einem kurzen Prolog den Schlüssel Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal, welcher diesen unter folgender Ansprache dem stellvertretenden Bürgermeister überreichte: „Herr Sanitätsrath! Ich überreiche Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Vertreter des Herrn Bürgermeisters hiermit die Schlüssel zu diesem neuen Gotteshause. Mögen Sie es öffnen zum Zeichen dessen, daß diese in Bad Neuenahr aufgerichtete Synagoge allezeit unter dem thatkräftigen Schutze der hiesigen Ortsbehörde stehen wird. Mögen Sie es öffnen und damit zugleich das ausgezeichnete Verhältniß manifestiren, das die Konfessionen hierorts miteinander verbindet. Mögen Sie es öffnen zu einem gesegneten Eingang und einem gesegneten Ausgang für alle, die dies Gotteshaus betreten werden. Das walte Gott in der Höhe." Hierauf übernahm Herr Dr. Niessen den Schlüssel und öffnete die Thüre nach folgender Erwiederung: „Als Vertreter der Gemeinde Neuenahr habe ich die Ehre, aus den Händen Ew. Ehrwürden den Schlüssel zur Eröffnung der Thore des neuerbauten Gotteshauses entgegenzunehmen. Gleichzeitig darf ich auch das Echo sein der Wünsche, welche die Bürgerschaft Neuenahrs heute ihren israelitischen Mitbürgern entgegenbringt. Möge das neuerbaute Gotteshaus sein ein Stätte reichen Segens für die hiesige israelitische Gemeinde: möge es sein ein Ort der Einigkeit und des Friedens. In diesem Sinne öffne ich die Thore." Während nun die Musik den Choral „Hoch thut euch aus" spielte und die Synagoge bis zum letzten Platz sich füllte, traten die Thoraträger und der Rabbiner vor die heilige Lade. Mit Wohlgefallen ruhten alle Augen auf den gefälligen formen--und,heiteren Härchen deA schen Stil erklanten^ Gotteshauses j besonders auf oer Ostwand, die sich mit ihrem reich geschnitzten Holzwerk und buntem Fenster besonders vortheilhaft präsentirte. Nackdem inzwischen der Kinderchor das Matowu gesungen, zündete der Rabbiner die ewige Lampe an und stellte die Thorarollen in die heilige Lade. Das