Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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?2F r«TV-: aber es ist nöthig, daß wir unsere Pflicht thun — möchten wir das bekannte Wort variiren. — Ebensowenig sei hier unterlassen, ausdrücklich zu bemerken, was jeder Kundige weiß, daß die großen Führer und Meister der Orthodoxen sich nicht auf den kleinen Kampf gegen die Personen beschränkten, sondern auch den großen schöpferischen Kampf im größten Style kultivierten. Wir wollen nur von dem einen großen Führer die „Neunzehn Briefe," den „Horeb" und den „Pentateuch-Kommentar" erwähnen. Worauf wir hier den Blick mit Nachdruck hinlenken wollen, ist dies: In den ersten Jahrzehnten war der Kampf gegen die Personen der wichtigste Theil der Aufgabe, weil die Personen die größte Gefahr waren. Das ist heute, schon seit einer Reihe von Jahren, anders geworden. Die Personen, die eine Gefahr für das traditionelle Judenthum waren, sind ausgestorben. Die heutigen Vertreter der Reform sind zu unbedeutend, um eine Gefahr zu sein. Sie vertreten überhaupt kein Princip, sie füllen nur eine Stelle aus, wo früher einmal ein Reformer gestanden und verhängnißvolle Spuren hinterlassen. Sie sind Epigonen, und Viele von ihnen empfinden es mit Schmerz, daß sie nicht die Kraft und den Muth haben, dem Zufall, der sie in eine Reform-Gemeinde geworfen, den Fehde-Handschuh hinzuwerfen. Um es mit e i n e m Worte zu sagen: der g e - fährlichste Feind des echten Judenthums ist heute nicht mehr die Reform, sondern der Jndifferentism u s! Die Reform ist müde, lebensüberdrüssiq. Sie vegetirt noch, Iveil sie nicht sterben kann, weil sie noch zu jung ist. weil geschichtliche Mächte vor der Zeit wohl altersschwach werden, aber nicht sterben. Geschichtliche Ideen bedürfen immer einer längeren Zeit, um zu Grabe getragen zu werden, und wenn die Lebenskraft früher geschwunden, so sind sie zu einer langen Ohnmacht. zu einem langen, tragikomischen Schein-Leben verurtheilt. Gefährlich ist die Reform heute nicht mehr, daß weiß niemand besser, als die Reform. Aber gefährlich ist heute der Jndifferentism u s. — Zwar ist es ja wahr, daß Reform und Jndisserentismus heute identisch sind, daß der Jndifferentismus sein«fteim in den Reformkreifen hat. Es ist wahr: heute ist der Jndifferentismus die Existenzform der Reform. Aber hier handelt es sich nicht um Personen, sondern um die Sache, und wenn auch der Jndifferentismus ein Produkt der Reform ist, so ist er doch wesentlich etwas anderes. Die Reform war eine negative 'Größe',' eine de st r u kti de Richiyyg;. ,der In-. differeniismus ist g a r kerne Größe, ist eine Rull, ist das Nichts, die Negation jeder Richtung. Oder sagen wir so: Heute ist es das Element des Jndifferentisnrus in der Reform, was die Gefahr bildet, und der Kampf gegen diese Ge fahr verlangt eine andere Methode, einen andern Styl: den großen Styl, die Methode des Erhabenen. (Fortsetzung folgt.) Zettitrrgsrrachrichter» und Corresporrdenzen. Deutschland. Mainz, 25. Aug. Das Abendblatt der „Frankfurter Zeitung" vom 21. d. M. bringt folgende Notiz: Unter der Bezeichnung „Phänomenalkocher" bingt S. Friedberger, hier, Röderbergweg 45, einen Apparat in den Handel, der zum Garkochen, Transpor tiren und Aufbewahren von Speisen aller Art dient. Die Eigenart des unter Nr. 164,694 geschätzten Apparates besteht darin, daß Speisen, die vorher etwa zehn Minuten lang angekocht worden sind, innerhalb des Apparates in Folge seiner Jsolirung gegen die Außentemperatur ohne jede Feuerung weiterkochen, in etwa drei Stunden fertiggekocht sind und während eines darauffolgenden Zeitraumes von über 16 Stunden dem Apparat jederzeit schmackhaft und heiß entnommen werden können. Der Apparat besteht in der Haupt sache aus zwei Blechzylindern, die durch eine zweckinäßige Anordnung von schlechten Wärmeleitern von einander geschieden sind. Die praktische Berwerthbarkeit des „PHLnomenalkochers" für den Haushalt wie für industrielle Etablissenments, Pensionen und für das Militär liegt auf der Hand, wenn man bedenkt, daß Speisen fast 20 Stunden lang sofort mundgerecht erhalten werden können. Daneben eignet sich der Apparat auch für Reisen, Jagden und Ausflüge; die Speisen können zu Hause einige Minuten angekocht, die Kochröpfe in das Gefäß gestellt und überall mitgenommen werden. Man ist auf diese Weise in der Lage, zu jeder Stunde ein warmes Essen zu haben, ohne Mühe und Kosten, da Feuerung nicht nöthig ist." Sollte das Mitgetheilte den Thatsachen entprechen und diese Erfindung sich bewähren, so würde dieselbe ohne Zweifel eine große Umwälzung auf dem Gebiete der Sabbatöfen Hervorrufen. Wenn Speisen, wie es hier möglich scheint, am Vorabend in den Apparat gesetzt und an dem anderen Tage ohne die geringste Anwendung von Feuer heiß genossen werden können, so wären damit alle seitherigen Vorrichtungen für die Speisewarmerhaltung für den Sabbat bei Weitem geschlagen und jede Möglichkeit der Sabbatentweihung durch Feueranzündung oder Kochen hierbei ausgeschlossen. Jedenfalls bedarf die Sache noch einer näheren Prüfung und werden wir nicht verfehlen, bei einer dem-