Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1901)
- Date
- 1901-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. "Jahrgang. M «8 Ier Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoLe Iudenthum. Begründet von Dr. Wtfftnunn in Httaittf. Donnerstag, den 29. August 5661 (1901). m Eine Mavk abonntrt man bei allen Postanstalten für den Monat September r'Znp& auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrSaer aufgeaeben werden. W^m Die Briefträger sind berechtigt de» Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen des Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Die ErpeüMrm des »Israelit." Leitender Artikel. Der große JStql in öer Gegenwart. ii. Was nie und nimmer hätte geschehen sollen, war aber geschehen: das „Unzulängliche" war Ereigniß geworden! Männer, die dem jüdischen Leben erstorben waren, hatten sich in den Dienst des jüdischen Lebens gestellt! Männer, die in der neuen Zeit der Freiheit und Gleichberechtigung nur das Grab der Vergangenheit erblickten — wenn auch das Riesengrab der Pyramiden, in denen die Vergangenheit als wissenschaftlich präparierte Mumie aufbewahrt werden sollte — sie stellten sich an die Wiege der Zukunft und gaben ihre Mumien- Essenzen für die Lebens-Milch der Gegenwart aus! Das war die große Gefahr, in der das Judenthum der Gegenwart schwebte: es war eine Personenfrage, die aber mehr war, als eine Perfonenfrage. Es handelte sich um Tod und Leben: der Todtengräber wollte Arzt und Wärter, Erzieher und Künstler der Lebens-Ideale sein! Die Baumeister der Grabmonumente hatten den Tempelbau des Judenthums in dir Hände genommen! Als König Salomo den Tempel bauen wollte, so erzählt der Midrasch, da schickte er zu Pharao, er möge ihm Baumeister schicken. Der König von Egypten ließ unter seinen Meistern die Personen auslessn, die durch unheilbare Krankheit dem Tode geweiht waren. Als diese vor Salomo kamen, rief dieser: „Wie? der Tempel des lebendigen Gottes soll durch Männer des Todes errichtet werden?" Und er gab jedem ein Todtengewand und schickte sie dahin zurück, wo sie hingehörten, nach Egypten, dem Lande der Mumien. — (Tanchuma Chukkas 6.) Das war die Salomonische That der Orthodoxie beim Tempelbau des Judenthums der Gegenwart: die Männer des Todes, des erstorbenen religiösen Lebens mußten fern gehalten und beseitigt werden. Das ist ein Kampf gegen Personen, und das ist immer ein kleiner Kampf. Denn klein ist jeder Kampf, der nur Nea 's leistet, der nur Hindernisse beseitigt. Klein i,: v c Kampf, der nur verwundet, der nur Unkraut entwurz..: und tödtet, der nur niedertritt, was besseren Saaten den Pmtz wegnimnlt. Groß ist der Kampf, der die bessern Saaten selbst zum Sieger macht; groß ist der Kampf des Geistes, der in schöpferischen Werken seine siegreiche Kraft bethätigt und die Macht des Gegners dadurch bricht, daß er durch große Leistungen die Geister beschäftigt und die gegnerischen Gaben überstrahlt und ignorirt werden. Klein ist der Kampf der Wolken gegen die Sterne: Jene leuchten nicht, schneiden uns nur von diesen ab. Groß ist der Kampf der Sonne gegen die Sterne, die durch ihre reichen Strahlen-Fluthen die kleinen Lichter unsichtbar macht. Wir sind weit entfernt, den kleinen Kampf zu verkleinern und gering anzuschlagen. nb? p nn Wir können nicht immer verlangen, daß uns die Pflicht große Aufgaben stelle. Wir müssen die kleine Aufgabe, die uns gestellt ist. mit derselben Hingebung erfüllen, wie die größte. Es ist nicht nöthig, daß wir groß seien,