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Der Israelit · 1901-08-26 · Heft 67 (26.8.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 67 (26.8.1901)
Date
1901-08-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1480 wilden Bodens, auch wenn er, wie hier, nicht erst gerodet zu werden braucht, ist eine harte Arbeit, zu welcher ein Vorspann von 4—G Ochsen nöthig ist, und auch so kann es nur bei feuchtem Boden geschehen, da sonst die Pfluge schar an dein harten, ausgetrockneten Grund zerbrechen könnte. Die neuen Kolonisten beschäftigen sich mittlerweile mit Fuhren von Holz, das sie weiter im Norden, wo in der Richtung nach der inzwischen von der Association gleichfalls erworbenen Estancia Monigotes bereits die Chaco-Vegctation beginnt, schlagen und als Brenn- oder Pfostenbolz nach der Kolonie zum Verlauf bringen. Wir treten in eines der vier ersten Häuser ein. in welchem zwei Familien, der bereits bejahrte Vater, ein verheiratheter Sobn und zivei ledige erwachsene Söhne wohnen. Gin großer, aus dunklem Holze schön geschnitzter Schrank mit silbernem Beschlag, offenbar ein Erbstück, saubere Vorhänge, ein Kanapee u. s. f. lassen sofort erkennen, daß wir es hier mit dem HauSrath einer guten bürgerlichen Existenz zu thun haben. In der That sind die Mitglieder dieser Familie, wie die meiften Bialystoker, in Rußland .Kleinindustrielle und KauK teilte, speziell der Textilbranche, gewesen; in Folge schlechter Zeiten haben sie sich zur Auswanderung entschlossen und durch die Nachrichten über das gute Fortkommen der Ansiedler von Moisesville ermuthigt, haben sie, nach vorgängiger Verhandlung mit der Pariser Direktion, es unternommen, hier zum Bauern „umzusatteln." Es ist eine bemerlenswerthe Thatsache, die ich aus allen diesen Kolonien der Association in der verschiedensten Form bestätigt gesunden habe, daß nämlich diesen russischen Juden ein wahrer Drang zum Leben auf eigener Scholle innewohnt, ein Wunsch, der hier um so stürmischer, und fügen wir gleich hinzu, auch um so opfermuthiger sich nach Erfüllung drängt, je unmöglicher es ihnen drüben gemacht worden war, demselben zu genügen. Zahlreich sind die Fälle, wo Ansiedler, welche unter den Schwierigkeiten der ersten Jahre den Muth verloren hatten und nach der Stadt gezogen waren, auf die Kolonie zurückkehrten; die Kolonisten Gutmann u. Horwitz, welche in Moisesville zusammen mit dem früher erwähnten Alexinitzer den Gemeindevorstand bilden, waren, wie manche andere, überhaupt nicht direkt in Folge der Hirsch'schen Kolonisation nach Amerika gekommen, sondern hatten erst nach Gründung der letzteren ihr städtisches Geschäft, in diesem Falle eine Tapisserie-Handlung in Buenos Aires, aufgegeben, um Landwirtb zu werden, die sich heute nach der Stadt überhaupt nicht mehr zurücksehnen. Bei dieser Liebe für das Landleben klang vielfach ein religiöser Grundton mit. Hier in Amerika, wo kein Machtspruch des Czaren sie von heute auf morgen wieder in die Städte einzusperren vermag, wo Niemand sich um ihren Glauben kümmert und sie dem Nachbar nur eben Russen sind, eine Nuance mehr in der bunten Musterkarte der hier zusammenströmenden Nationalitäten; hier in der endlosen Painpa, welche sich unter einem selbst im Winter noch milden Himmel ausdehnt, dem Mesopotamien grauer Vorzeit so ähnlich, dessen patriarchalisches Hirtenleben in so plastischen Ge stalten mit ewig frischen Farben uns überliefert ist, hier konnte der fromme Jude den Much fassen, tvieder zu dem von der Erzväter Vorbild verklärten Landleben zurückzukehren, welches ihm in jahrtausendlanger Verbannung der religiöse Haß, die politische Ausschließung und die wirtschaftliche Eifersucht der fremden Völker versperrt hatte. Und als in den ersten Jahren des schweren Anfangs sich mehr als einmal die Mutlosigkeit auch der Tapfersten bemächtigen wollte, da hat oft der Zuspruch des einen oder andern dieser strenggläubigen Leute getvirkt: „Wir wollen der Welt zeigen, daß wir Juden nicht bloße Handelsleute sein können; wir wollen wieder zurückkehren zu unserer Erz Väter Weise, und Hirten werden, wie sie es waren." blickt alle freilich befaßen die moralische Energie, um bis zuin endgiltigen Erfolg auszuharren; es mußte sich die Spreu vom Weizen sondern; aber die Kolonisten, weiche geblieben sind und heute sich schon die Grundlage zu einem erfreulichen Wohlstand geschaffen haben, sind nicht nur die Väter einer neuen Generation geworden, welche schon von klein auf mit dem Landleben unzertrennlich verwachsen ist, sondern sie dienen auch den nachkommenden Ansiedlern als anspornendes Beispiel, sich die Mühe des Beginns nicht verdrießen zu lassen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenten. Deutschland. Berlin, 18. Aug. Ein Familienglied der Londoner Rothsckiild's ist zur Theilnahme an dem Zoologenkongreß in der Reichshauptstadt eingetroffen. Es ist dies Lord Rothschild, der als Schmetterlingssammler in der wissenschaftlichen Welt sich einen Namen gemacht hat und dank der ihm zur Verfügung stehenden Mittel die kostbarste Sammlung dieser Art besitzt. An dem Fest, das die Stadt Berlin den Kongreßmitgliedern gab, nahm auch Lord Rothschild Theil. Der Stadtverordnete Bankier Nelke stellte ihn später Herrn Oberbürgermeister Kirschner vor, der sich längere Zeit lebhaft mit ihm unterhielt. Frankfurt a. M., 22. Aug. Heute ist wieder ein Stück Altfrankfurts, nämlich die irregulärste Gasse, die man sich denken kann, die bald breiter, bald schmäler wurde, an der Mauer des Judenkirchhoses bis zur Allerheiligenstraße herlief u. daher den Namen „Hinter der Judenmauer" führte, aus der Topographie Frank surts verschwunden. Die Gasse ist vollständig ausge-

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