Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 67 (26.8.1901)
- Date
- 1901-08-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WW YMWWWWWW 4Ü. Jahrgang. Aeitage zu M 67 des „Israelit". Leitender Slrtikel. Ae jiiWcil Älktrbailksliiliitii >» Arseiitiiiitii. u/-) Buenos Aires, Ende Juni. Etwas nördlich von der eben erwähnten Sektion der im Jahre 1895 gekommenen Ansiedler liegt der auf den Namen des russischen Philantropen Wawelsberg detannte Bezirk der Kolonie, welcher erst im Vorjahre, und zwar gleichfalls mit Grodnoer Familien besiedelt inorden ist. Diese, wie die früher erwähnten Familien, :oaren von dem Kolonisten Katschowitsch in's Land gemacht lvorden, »velcher sich als ungemein tüchtiger Mann erlviesen hat. Im Borjahre hatte man ihn deßbalb neuerdings nach Rußland reisen lasten, um dort die jetzt auf der Sektion Wawelsberg angesiedelten Fan.ilicn an Ort und Stelle auszuwählen, und damit er ihnen mit Rath und That besser an die Hand gehen könne, vertauschte er seine alte Konzession mit anderen •Ji'i) Hektaren Land auf der neuen Sektion. Sein Haus ist das erste der Sektion, und als priinus intet1 paves bat er sich als eine Art Portal zu seinem Vorgarten uvei dicke Backsteinpfeiler geleistet. Wir treffen aber nur seine Familie, welche zur Zeit von einem fünfzehnjährigen Burschen als männliches Oberhaupt repräsenurt wird, denn mit Zustimmung der Verwaltung und im Auftrag der bereits ansässigen Kolonisten, welche ibm unterdessen auch in Gemeinschaft mit seinen Knaven die Feldarbeiten seiner Konzession erledigen helfen lverden, ist er neuerdings nach Rußland gereist, um dort diesmal hundert ausgesuchte Familien, meist Verwandte und Bekannte der bereits vorhandenen Kolonisten, zum Theil aus Grodno, zum Theil aus Podolien, nach Moisesville zu bringen. Rach den Erfahrungen der früheren Jahre werden jetzt auf den Kolonien der Association nur solche Fatnilien zugelaffen, deren europäische Antecedentien bekannt, refp. die von den dortigen Vertretern der Jewish Association empfohlen sind; solche, welche auf eigene Faust kommen, werden eventl. als Tagelöhner angeuommen, zu dem kontraktlichen Erwerb von Land aber nur nach vorgängigen Erkundigungen zugelassen. Da die Kolonisation außerdem jetzt methodisch nach den vorher festgestellten Austheilungsplänen der allmählich neu erworbenen Ländereien vorgenommen wird, die Verwaltung zu einer unbeschränkten Placirung einer *j Fortsetzung aus Nummer <M, überstürzten Einwanderung deßhalb auch gar nicht in der Lage ist, so empfiehlt es sich dringend, daß nur solche jüdischen Familien sich zur Auswanderung nach Argentinien entschließen, die sich vorher betreffs ihrer Annahme mit der Pariser Central-Verwaltung der Jewish Association verständigt haben. Die im Juli vorigen Jahres angekommenen Kolonisten haben bereits ihr Land fertig bestellt, und im nächsten Südsommer wird dieser bisher wilde Boden sich zum erstenmale mit junger Saat begrünen. In Folge des trefflichen Erfolgs der gemischten Vieh- und Ackerbauwirthschaft hält die Verwaltung die neuen Ansiedler dazu an, schon vom ersten Jahre an einen Theil ihres Landes der Luzerne zu widmen, sich so gegen alles Risiko der eigentlichen Getreideernte so gut als möglich sicher zu stellen. Denn der tiefgründige Boden des nördlichen Santa Fee, wie auch derjenige der Provinz Cordoba, ist für die Luzerne besonders geeignet, welche ihre Wurzeln bis zu 10 Metern und darüber in den Boden treibt, und dem Grundwasser die nöthige Feuchtigkeit entnimmt, welche in der hier bereits verhältnißmäßig kontinental trockenen Zone dem Korn oft gerade in der zu seiner Entwickelung wichtigsten Periode vom Himmel nur unzureichend gespendet wird. Seit Beginn der Kolonisation ist deßhalb auch der Grundwasserspiegel von Moisesville von früher drei, auf 10 bis 15 Meter gesunken, was nebenbei die Gesundheitsverhälinisse der anfangs häufig vom Typhus heimgesuchten Ansiedlung zu durchaus befriedigenden gestaltet hat. Nach Westen zu erstreckt sich der zu Ehren des Pariser Groß-RabbinerL Zadok Kahn benannte neue Kolonisationsbezirk, auf welchem sich erst vor drei Monaten einige 40 Familien aus Bialistok niedergelassen haben. Da nunmehr die Verwaltung bereits ihr praktisch ausgearbeitetes System für die Neubesiedelung besitzt, so finden solche neuen Kolonisten auf ihrem mit Draht umzäunten Land von gewöhnlich 200 Hektaren Fläche bereits das übliche zweizimmerige Kolonistenhaus aus Backstein, sowie alle erforderlichen Ackergeräthschaften, Zugthiere u. s. f. zum Gebrauche bereits vor. — Die Bezirke Wawelsberg und Zadok Kahn sind nach dem obenerwähnten sog. Liniensysteme ausgesteckt, wobei je vier Familien an den zusammenstoßenden Ecken ihrer Konzessionen durch den Weg getrennt, ihre Wohnhäuser haben. Jede Häusergruppe bleibt hierbei von der anderen um ca. 1 Kilometer getrennt und man könnte die ganze Anlage einer Postenkette vergleichen. Noch haben die Byalistoker in dem Augenblicke unseres Besuches ihre Arbeit nicht beginnen können, denn der Herbst war sehr trocken und man wartete auf einen stärkeren Regen, der das noch jungfräuliche Land etwas aufweichen würde. Denn das erstmalige Ackern