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Der Israelit · 1901-08-26 · Heft 67 (26.8.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 67 (26.8.1901)
Date
1901-08-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1477 dankengang seiner Antrittsdroschoh auseinander, die an das Buch Ruth anschlotz. Eine geistvolle Dislussion über Talmud- und Midraschstellen, die auf das Buch Ruth sich bezogen, entspann sich zwischen beiden Männern. Unwillkürlich drängte sich dein jungen Manne die Aehnlichkeit seiner Schicksale mit denen der Noemi auf. „In den Zeiten des Elends habe ich gleich jener Noemi meine Gemeinde das letzte Mal verlassen . . „Und jetzt," fiel der Greis ein, „wirst Du gleich Teuer Noemi mit allen Ehren von den Bewohnern des Ortes zur Zeit der Erstlingsreise ausgenommen, nur," setzte der Rabbi schelmisch tächelud hinzu, „fehlt Dir noch eine Ruth, die Dir gleich jener Noemi für Dein ganzes Leben anhängt." Nicht nur der junge Rabbi erröthete, nein, auch dort an der Schwelle der Thüre stand eine Jungfrau, die bei diesen Worten über und über von Rothe übergossen ivurde. Sie tvar gerade hereingetreten, um den Männern eine Erfrischung zu reichen, als sie die Worte des Greises bürte. Unrvitlliirlich batte sich Reb Esra beim Oeffnen der Thüre herumgedreht, einen Augenblick sahen sie [teil, Auge in's dluge, an. Jedes fühlte den Eindruck, den daS Wort des Rabbi auch aus den andern gemacht hatte. Zitternd stellte dar Mädchen die Gläser auf den Tisch und huschte hinaus. In aller Frühe bestieg Reb Esra einen Wagen, um feinem endgiltigcn Lebensziel zuzustreben. Er gedarbte des Tages, da er diesen Weg zum ersten Riale zurückgelegt, zu Just allerdings. — Sonderbar, er mutzte nn tvillkiirlich fetzan die gestrige harmlose Bemerluug des Rabbi über Noemi und Ruth deuten, und an die da rauf folgende Szene. Das Bild der Jungfrau, trat vor seine Augen. Er suchte seine Gedanken abzulenlen, aber immer loiedcr stand es da,-das Mädchen. Wo hatte er es denn schon einmal gesehen? Stets drängte sich ihm eine Aehnlichkeit auf. Rein, nein, das war nicht möglich, lind doch!-er tonnte den Gedanken nicht mehr los werden. Er öffnete seinen Reisekoffer, um ein Scfer ireli giöses Bucht heroorzu.holen und durch Studium in denm selben seine Gedanken zu bannen. — Da lagen wohloerpackt Etzvorräthe für die Reise und daneben - das hatte er doch nicht hineingelegt, ein fremdes, tfun nicht gehöriges 3erer. Er öffnete es, es ivar das Buch Ruth, in Urschrift und zwar handschriftlich. Er betrachtete es von allen Seiten, doch sieb — aus dem Titelblatt staird, von Jrauenhand geschrieben der Bers: Borurb bn laschen! ascher lou osav chasdan es hachaim w'es hamnresim. Er zermarterte sich den .Uopf, welche Belvandnist es lvohl mit dem Seser und der Inschrift habe. Unwillkürlich stieg wieder das Bild jenes Mädchens vor seinem Auge auf. „Nein, ick, kann mich nicht täuschen," rief er laut. Der Wagen war indeffen an die uns wohlbekannte Waldlichtung getommen. Das Bild des Mädchens trat noch stärker hervor in Verbindung mit einem Bilde desselben Mädchens aus einer dreizehn Jahre zurückliegenden Zeit hier an diesem Orte. Doch hier wurde er in seinem Gedankengang jäh unterbrochen. Tie Vorsteher der Gemeinde, umgeben von der Schuljugend, waren dort am Waldesrand versammelt, um ihren neuen Ras abzuholen und feierlich in die Stätte seiner neuen Wirksamkeit einzuführen. Else srar nach vergeblichen Vorhaltungen des Rabbi in das Judenthum ausgenommen ivorden. Er hatte üe auf die Erschwerungen hingewiesen, die sich dem Juden aut Schritt und Tritt entgegenstellen. Er zeigte ihr an dem Beispiele der Ruth, daß nur dericnige, der mb Rnlb, Iren ergeben sein wolle dem Judenthum.', ausgenommen locrden dürfe. ..Gerade das Beispiel der Ruth, würdiger Rabbi, m,:r tvr erste Anstost zu meinem Entschluß. Ebenso mb s;e sich m.u allen. Widerrat Heu der Noemi nicht abhalter' liest, so aiust gibt es für mich lein Zurück!" Else wurde in die Gemeinschaft Israels ausgenommen und legte sich ihrem großen Borbilde zu Ehren den Rainen ..Ruth" bei. Der Rabbi behielt sie in seinem Hause und war entzückt von ihrer Frömmigkeit und ihrer schnellen Auffassnnastras! alles dessen, was ihr bisher von ihrer neuenRWaiou noch unbekannt ,oar. Ba'D war sic auch in der hebräischen Sprache ziem - bn, vewan-'mDie batte sich von einem Sofer < Thoras.-oreivmeine Absck-E.sr >es Buches Ruth ausertiaeu lasten, ihr-- Lieblingsbuch.es, das sic nie von sich legte. Da- Erscheinen des Reb Esra in dem Hause des Rabbi. den sie stets mit „Vater" anredete, insbesondere aber jene S v:ue nach der Bemerkung des Rabbi, hatte eine völlige Umwälzung in ihrem Wesen hervorgerufen, von dein sie sich selbst keine Rechenschaft geben konnte. Dir süh!:e, oast in ihrem trotz ihrer Jugend so bc - a?-'glen Leben eine Lücke noch nicht ausgefüllt war, die Danlespsliebt gegen ihren dereinstigen Lebensretter, denn ste ieb.k Auge in Auge gegenüber gestanden hatten Reb Esra hatte sich durch seine Antrittdroschoh gl an;end in seinem Geburtsort eingeführt. Doch schon am Dag? nach Scho;vua"s erklärte er, er müsse unbedingt noch einmal init seinen, Rabbi über eine wichtige Angelegenheit 'Rücksprache nehinen. Er hatte untecdestcn balle L larbeit erhalten über das Wesen jenes räihfclhaften Mädchens. Sara hatte ihm nämlich ans seine Trage genan über die Schicksale der Schlostelse, oder besser Ruth, Aufklärung gegeben.- Im Haufe des Rabbi war man nicht wenig er staunt, als Reb Esra sobald wieder erschien. Reb Esra erinnerte seinen Lehrer an seine Bemerkung über Ruth, die ihm für das ganze Leben nach-

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