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Der Israelit · 1901-08-26 · Heft 67 (26.8.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 67 (26.8.1901)
Date
1901-08-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1476 Christen je eingefallen ist, für die überall im Judenthnm nothleidenden Radbiner nur einen Pfennig zu vermachen. Die Wittlve des Baron Adoph de Rothschild, zn deren Berfngnng diese halbe Million ebenfalls gestellt wurde, trieb ifire Unparteilichkeit aber noch viel iveiter. Die überwies von dieser Summe dem jüdischen Konsistorium I.OßOoO, den protestantischen Geistlichon evenfalls Z.A>,0'»> und der steinreichen in Frankreich in Gold förmlich erstickenden katholischen Kirche 2«k0pd00 Francs. Selbst die „Times" bemerkt zu dieser sonderbaren Geldveraeudung: „Es ist leider wenig Hoffnung vorbanden, durch derartige Generosität den Antiseminsnms zu überwinden, dessen Nährmutter in Frankreich eben diese so reichlich beschenkte katholische Kirche ist/' P a l ä st i n a. Pom Lcc Gcncsarcth «Palästina». Es tvirv uns geschrieben: „Hier am See batten wir im letzten Jahre sehr wenig Regen. so das; darunter die Ernte sehr ge litten hat. stluch läßt der Sommer sich sehr heif; an. So hatten wir vor einigen Tagen in freiem Schatten 06 Grad Celsius und in der Sonne 52 Grad Celsius, eine auch für die hiesige Gegend außergelvöhnliche Temveratur. In Folge des Ostwindes, der herrschte, be kamen wir dann auch aus Mesopotamien, bezlv. der sorischen Stepve solche Heuschreckenschwärme, daß die Heuschrecken am Abend eine Spanne hoch auf den Feldern lagen. Wie es dabei den Bäumen und Ge müsen ging, ist bei der Gefräßigkeit dieser Bestien leicht . verständlich. Die Obst- und Zierbäume stehen so kahl ' da als bei Ihnen die Bäume im Winter und von Ge^ : müsen sind nur mehr die dickeren Strünke vorhanden.; Tie Weinberge sind vollständig kahl, die Trauben liegen l abgefresten am Boden. Durra, Mais und Sesam sind i rein bis auf den Boden abgefressen. Die armen Bauern - stehen hilflos und verzweifelt den grausamsten und unj erbittlichsten unter allen Feinden der Ltindwirthschaft - gegenüber, die meisten werden dieses Jahr am Hunger-; tuche nagen müssen. Dabei treibt die türkische Regie- - rung gerade dieses Jahr Steuern und Zehnten mit; einer unerhörten Grausamkeit ein. Cr herrscht deßi halb unter den Bauern eine große Erbitterung, sowohl! unter den Christen als unter den Moslemin und wäre nicht unmöglich, daß es in verschiedenen Theilen Palästinas zu Ausschreitungen kommen könnte." ft euiiteton* Personalien Jnowrazlaw, 20. Aug. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte gestern in vollster Rüstigkeit z lind Frische der Großkaufmann Moritz D o b r - j zynski mit seiner Gattin. Dein sich allgemeiner » Beliebtheit und Hochschätzung in allen Kreisen er- - freuenden Cheiubelpaare gingen Glückivünsche, lieber- ' raschungen und Aufinerksamteiten in überaus großer Zahl von Nah und Fern zu. 5J R u t p. Bon M. (5'sckol. (Schluß.) Ein halbes Jahr »var iviever verflossen. Pünktlich fand sich Eise bei dein Pfarrer ein, um zu erklären, daß ihr Entschluß fester stehe als je. „Nun denn," sprach der Pfarrer, „laß mich Dir unter vier Augen sagen, daß ich Deinen Schritt ehre, ich beglückwünsche Dich zu der Festigkeit Deines Entschlusses. Werde glücklich! Bielleicht kannst Du manches wettinachen, »vas -vir den Juden schon Böses zu gefügt." Sara wollte nicht einmal den Schein ans sich ruhen lassen, als ob sie Proselpteniuacherin sei, darum faßte sie den Entschluß, Elfe von Ostetten zu entfernen, und da ste erkannte, daß diese fest auf ihrem Plan bestand, so schickle sie dieselbe in die Nachbarstadt zu dem früheren Rabbi ihres Bruders Esra. Dort sollte sie in den Geist des Judenthums völlig eingeweiht und nach Befund ws Radbi auch als Prvfelytin aufgenoinmen tverden. Esra hatte schon mit neunzehn Jahren die Jeschiivvh verlaßen. Auf Berlvendcn seines Rabbi erhielt er eine Stelle als Rabbiner in Böhmen, wo er sich bald ob seiner to.lmudischen Gelehrsamkeit, seiner Frönimigkeii und Bescheidenheit allseitige Beliebtheit erwarb. Nur selten drang von ihm eine Kunde nach Ostetten, oder von Ostetten zu ihm. Eines Tages erhielt er einen Brief von seinem Rabbi, llied Jokes sei plötzlich gestorben, die Gemeinde Ostetten babe sich an ihn mit der Bitte gewandt, ihr einen neuen Ras vorznschlngen; selbstverständlich sei seine Wahl sofort auf ihn gefallen. Mit Freude würde die Gemeinde ihren Landsmann Reb Esra als Ras begrüßen. Festliche Stimmung herrschte in Ostetten. Heute, am Crew Scholonans, erwartete man den Einzug des neuen Ras. Reb Esra hatte auf seiner Reise einen mehrtägigen Aufenthalt bei seinem früheren Rabbi genommen. Er war jetzt 20 Jahre alt. Gar manche wehmütbige Erinnerung an frühere Zeiten stiegen in ihm auf.- Der Rabbi war ein Greis geworden, die Jugend herangewachsen, — und dort das Mädchen, das den Rabbi so liebevoll bediente, »vie eine Tochter .... nein, das konnte doch keine Tochter des Rabbi sein. Dieser hatte ja nur einen Sohn. Morgen soll er nun seinen Einzug in Ostetten hakten. -— Reb Esra und sein Rabbi saßen beisammen. Der erstere setzte seinem Lehrer den Ge-

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