Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 67 (26.8.1901)
- Date
- 1901-08-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'.MMMWWWW 1474 macht. Wir glauben, daß es unsere Leser ebenfalls interessiren wird, etwas Näheres über einen Stoff zu hören, besten man sich täglich und gern bedient, von dem jedoch sehr wenige wissen, wie lange er schon bekannt ist und wie er hergestellt wird. Nach den Mittheilungen des Redners erwähnt Plinius, der in den ersten Jahren der gew. Zeitrechnung lebte, die Seife zuerst und so kann man wohl sagen, daß dieses unentbehrliche Reinigungsmittel fast schon seit zwei Jahrtausenden bekannt und geschätzt ist. Plinius verräth sogar das Geheimniß der Fabrikation, indem er mittheilt, die Seife werde aus Asche und Talg hergestellt. (Das ist nicht richtig, die Bibel, bekanntlich lange vor Plinius, erwähnt bereits Borax und Natron, Lauge und Salze als Reinigungsmittel. Vergl. Jcr. 2. 22. Spr. 26. 20 Mal. 3, 2.) Es ist erstaunlich, daß wir im Grunde genommen noch heute dasselbe Verfahren zur Erzeugung der Seife anwenden, wenn auch in der Art der Herstellung und in der Verwendung besserer Chemikalien selbstverständlich Aenderungen eingetreten sind, entsprechend den gewaltigen Fortschritten, welche uns das abgelaufene Jahrhundert auch aus dem Gebiete der Chemie gebracht hat. Im zweiten Jahrhundert der g. Z. berichtet der damals hochberühmte Arzt Galenus, daß man Seife außer zur Reinigung auch zu medizinischen Zwecken anwende und erwähnt schon Unterschiede in der Güte einzelner Erzeugnisse. Er rühmt vor allen anderen die deutschen. Venedig beherrschte im 16. Jahrhundert den ganzen Weltmarkt in Seife, später wurden jedoch Savona, welches in seinem Namen schon seine Hauptbeschäftigung ankündete, Genua und Marseille die Hauptorte für die Erzeugung. Im Laufe der Zeit wurde von den Seifensiedern des Mittelalters bei der Herstellung wissentlich viel gesündigt und durch Verwendung von schlechten Materialien und Zusatz von Salzen die Seifen vermehrt, um einen höheren Gewinn zu erzielen. Wir lesen in der Geschichte Frankreichs, daß z. V. dort im Jahre 1688 Vorschriften für die Herstellung von Seife erlassen wurden. Jahrhunderte lang blieb die Art der Seifenerzeugung sich vollständig gleich, denn man war zur Herstellung der Alkalien daraus angewiesen, Holzasche und Kalk zu verwenden. Mit der wichtigen Erfindung des französischen Chemikers Leblanc, dem es 1787 gelang, aus einfache Weise Soda in großen Mengen zu erzeugen, tritt ein Wendepunkt ein in der Herstellung der Seife. Sie wurde, da man ein billiges Material zur Erzeugung der alkalischen Laugen in der Soda zur Verfügung hatte, auch den breitesten Volksschichten mehr zugängig. Wenn wir die in der Weltgeschichte einzig dastehenden Fortschritte auf allen Gebieten der Wissenschaft, Technik und Kultur im abgelaufenen Jahrhundert bewundern, so dürfen wir auch die Seife nicht vergessen, von der der berühmte Chemiker Liebig kühn behauptet, der Verbrauch von Seife bilde einen Maßstab für die Kultur eines Volkes. (Da, wie wir gesehen, Talg zur Fabrikation von Seife angewendet wird, so ist nicht koscher hergestellte Seife nur äußerlich und nicht zur Säuberung von Geschirr und dergleichen zu verwenden. Zahnpasten, die ja auch aus Seifenstoffen gewonnen werden, sind demnach ebenfalls, wenn nicht besonders rituell hergestellt, zu vermeiden.) Heidelberg, 21. Aug. (D a s Schächten der S ch l a ch t t h i er e.) Unter dieser Ueberschrift veröffentlichen die Herren Geh. Hofrath Kehrer und Medinzinalrath Dr. M i t t e r m a i e r in Nr. 188 der „Heidelberger Zeitung" einen Artikel gegen das rituelle Schächten der Schlachtthiere, das umsomehr nicht ohne Erwiederung bleiben darf, als die mit dem vollen Namen und Titel der Artikelschreiber Unterzeichneten Ausführungen dadurch den Anschein wissenschaftlicher Richtigkeit bei dem in die Materie nicht eingeweihten Leser erwecken könnte, der ihnen aber keineswegs zukommt. Im Gegentheil, es muß dem Kundigen auffallen, mit welcher Sorglosigkeit hier Schlagwörter in die Massen geworfen werden, die zwar der Eingeweihte lächelnd bei Seite legt, die aber auf die Massen nur verwirrend und verhetzend zu wirken geeignet sind. Ausgehend von den Verhandlungen des Rostocker Fleischertages, wo sächsische Fleischermeister in Anbetracht der Schädigung, welcher das sächsische Fleischergewerbe dadurch erleidet, daß in ihrer engeren Heimath das Schächtverbot die Einfuhr fremden Fleisches verursacht, den Antrag stellten, das Schächtverbot auch auf alle übrigen Bundesstaaten auszudehnen, benutzen die Einsender die ihnen recht unbequemen Rostocker Verhandlungen, um ihrem thierfreundlichen Herzen Luft zu verschaffen. Und diese unangenehme Wirkung der Rostocker Verhandlungen ist umsomehr erklärlich, wenn man erfährt, daß auf diesem „Verbandstage deutscher Fleischerinnungen" nicht ein einziger Delegirter, außer den sächsischen, dem Schächtverbot das Wort geredet hat. Herr Nietschmann-Leipzig sprach es sogar unumwunden aus, daß die Schädigung, welche die sächsischen Metzger dadurch erleiden, daß „die Juden ihr Fleisch aus den Nachbarländern beziehen," also die Rücksicht auf den eigenen Geldbeutel, den Antrag der Sachsen auf dem Rostocker Fleischertag eingegeben hat, und Herr Nidenführ-Dresden bezeichnete es sogar als eine „Pflicht des Fleischertage s," falls der Antrag abgelehnt werden solle, dafür zu wirken, „daß das Schächtverbot für Sachsen wieder aufgehoben werde." Mit 360 von 450 Stimmen wurde der sächsische Antrag a b g e l e h nt. Diese imposante Meinungsäußerung von Fachmän-