Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 67 (26.8.1901)
- Date
- 1901-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1 ^-^-«»'-lWUAW^M?.^ 'rj^rrty^vn?-x-'5---y-?>; 1473* so verächtlicher Gesinnug tonangebend sind, mit den Steinen hinfort zu meiden. Ich erwähne noch, daß die beiden reichsdcutschen Protestanten, von denen ich oben sprach, entrüstet erklärten, sie würden jederzeit bereit sein, den skandalösen Vorfall als Zeugen zu bestätigen. Berlin. (Die Juden u. die Odyssee.) Die Juden sind an allen und noch an einigen Dingen schuld. Das haben die Antisemiten zur Genüge bewiesen. Aber was selbst die gediegensten Gelehrten der Antisemiten noch nicht gewußt haben, und woraus wir jetzt als auf einen überaus dankbaren Agitationsstosf ihre Aufmerksamkeit lenken, das ist die Entdeckung eines holländischen Gelehrten, daß der gute alte Homer in der Odyssee das Schicksal der Juden verherrlicht hat. Homer war eben blind und außerdem ist nicht zu verlangen, daß die Menschen vor so vielen tausend Jahren schon so aufgeklärt sein sollten, wie die hellen Antisemiten des 20. Jahrhunderts. Also die Juden sind, so schwört der holländische Oielehrte, Gegenstand des ältesten und berühmtesten Epos. Ohne die Juden keine Odyssee, und ohne die Odnssee, wie viele Thränen, Schmerzen, Arreststunden »obren da arischen Jünglingen erspart worden! Kein Wunder, daß unter diesen eine instinktive Abneigung gegen das Griechische herrschte, die Sprache Homers, der sich so weit erniedrigte, Juden zu besingen, und einen ausgemachten Schwindler wie Odysseus, diesen Ur-Juden, zu verherrlichen. Der holländische Gelehrte Schreiner hat gefunden, daß Troja nichts anderes ist als — Jericho, Josua der göttliche Dulder Odysseus, König Alkinoos König Salomo, daß die Phäaken die alten Israeliten, und ihre zwölf Stammesfürsten selbstverständlich die zwölf Söhne Jakobs sind. Jakob selbst ist Polyktor, Jthakos ist Jizchak, Ptoralaos Abraham, Nausikaa ist Sulamith u. s. w. Zwar sprecken ganze Bände gegen diese keineswegs scherzhaft gemeinte, sondern bitterernste Auslegung des Professors von dem Kollegium Albertinum in Venloo allein der göttliche Sauhirt Eumäus. Aber li'et weiß, ob nicht die Juden die ganze „Schweinerei" in die Odyssee hineingeschmuggelt haben, um den Verdacht abzulenken, daß Homer ein Judenknecht, die Sdyssee ein verjudetes Machwerk ist, ausgeheckt von einer lange vor Stiftung der christlichen Religion bereits existirenden Alliance Jsraelite zur Verjudung von Hellas und der höheren Jugend aller arischen Völker. Nachdem die Antisemiten bereits entdeckt, daß der Stifter der christlichen Religion ein Germane, konnte dem Antisemitismus kein größerer Dienst erwiesen werden, als durch die Entdeckung, daß Homer ein verjudeter Epiker ist. Daher auch die vielen Skandalgcschichten aus dem Olymp. Einem Juden oder Judenknecht ist ja nichts heilig, nicht einmal die intimsten Göttergeschichten. Was die Regierung nunmehr zu lbun hat, ist klar vorgezeichnet. Nieder mit Homer! Ausgemerzt muß er werden aus den Unterrichtspensen der arischen Jugend. Schlimm genug, daß die Vorsehung dieser das Alte Testament und die Bekanntschaft mit den Zehn Geboten aufgebürdet hat. Gegen den Stachel kann man nicht gut löten, obschon auch das von zielbewußten Antisemiten versucht worden ist. Aber die Sonne Homers muß von nun an ausgelöscht werden. Kein germanischer Jüngling darf in Zukunft noch einen Vers Homers skandiren. Genug, daß Germanen die altisraelitische Geschichte in Prosa zu lernen haben; ihre poetische Verherrlichung weiter eintrichtern zu lassen, wäre Verrath. Wir sind fest überzeugt, daß, wenn die antisemitischen Agitatoren das „Nieder mit Homer!" auf ihr Banner schreiben, der größte Theil der Gymnasiasten ihnen freudig folgen wird. Hinweg also mit der semitisch-hellenischen Kultur! Frankfurt a. M., 16. Aug. (Die A n - stellung israelitischer Lehrerinnen.) Im „Franks. Journal" vom 14. August bespricht ein hiesiger Schulmann die Anstellung der israelitischen im städtischen Schuldienst und kommt dabei zu dem Schluffe, daß „eine bedeutende Anzahl israelitischer Lehrerinnen sofort Verwendung finden würde, wenn alle Schüler der israelitischen Schulanstalten, die bekanntlich Privatschulen der Gemeinde sind, sich auf die hiesigen städtischen Schulen vertheilten." Ganz abgesehen davon, daß mit solchen allgemeinen Redewendungen garnichts bewiesen ist, treffen die Ausführungen in keiner Weise den Kern der Angelegenheit, da sie sich nur mit den Volksschnlen beschäftigen. In den mittleren und höheren Schulen befinden sich eine große Anzahl jüdischer Kinder, insbesondere jüdischer Mädchen. Die Zahl der angestellten Lehrerinnen aber ist ganz außerordentlich gering. Hier sei nur an die Elisabethenschule erinnert, deren Schülerinnen zu über 40 pCt. jüdische Kinder sind. Trotzdem ist an der Elisabethenschule unseres Wissens nur eine jüdische Lehrerin angestellt. Aehnlich, wenn auch nicht ganz so schlimm, liegen die Verhältnisse an anderen Schulen, und es wird die Aufgabe des Schulausschusses sein, darüber sich Klarheit zu verschaffen, ob und weßhalb jüdische Bewerberinnen, die die erforderliche Qualifikation besaßen, nicht in den städtischen Dienst übernommen worden sind. Die im „Franks. Journ." vertretene Auffassung, daß nach Aufhebung dieser Schulen „dem unleugbaren Mißstand, daß unsere isr. Lehrerinnen hinsichtlich ihrer Verwendung im städtischen Schuldienst zur Zeit wenig Aussicht haben, mit einem Schlag mehr als abgeholfen wäre," müssen wir, als mit den Thatsachen nicht in Einklang zu bringen, zurückweisen. („Franks. Zeitg.") Barmen, 21. Aug. Einige interessante Mittheilungen über Seife wurden am 21. dss. Monats in der Seifenfabrik von Aug. Luhn u. Comp., Ges. m. b. H., Barmen, vor ca. 860 Zuhörern des Vereins für Technik und Industrie, von einem Mitinhaber der Firma ge-