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Der Israelit · 1901-08-22 · Heft 66 (22.8.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 66 (22.8.1901)
Date
1901-08-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1456 Jahren diese mit der Nikolsburger zu vertauschen. Nachdem er hier eine gründliche, klassische und talmudisch-philosophische Bildung erlangt hatte, unterzog er sich im Jahre 1850 dem Rabbinatsexamen beim Beih- Din, unter Vorsitz Hirsch's, und erlangte die Autorisation, obschon Hirsch sonst Keinen autorisiren mochte. In dem Diplom befindet sich dieser Vermerk, „die Liebe und das Vertrauen zu meinem Schüler etc. . . " Kurz darauf, im Herbst des Jahres 1851, wurde er Rabbiner seines Geburtsortes, wo er bis heute in Frische und Begeisterung seinen Idealen treu nachlebt. Im Congreßjahre stritt er an der Seite Hildesheimer'S; seitdem ist er wohl nur selten über seinen Wirkungskreis hinaus' gekommen. Die Zeiten des gährenden Ueberganges waren nicht geeignet, einen festen, consequenten Denker dorthin zu stellen, wo sein Können weiteren Kreisen zu Gute gekommen wäre. Und er hat geistige Genügsam teil, um dies nicht zu bedauern. Sein Lernen und sein Denken ersetzt ihm den äußeren Erfolg. Die Verhältnisse in Ungarn gestalteten sich einem Manne seiner Eouleur immer schwerer, denn die Zeit des Stürmens u. Drängens einer unbändigen Reform sucht, und wohl auch Mangel an Führern in den Reihen des wahren Judenthums, knickte jede Geistesblüthe und ließ die gesetzestreue Entwickelung für Jahrzehnte nici)t aufkommen. So blieb denn M. L. Engel mit seinen Ideen und Gedanken nach Außen vereinsamt, nach Innen aber desto intensiver mit den geistigen Errungenschaften Hirsch'schen Denkens verknüpft. So bildet er für die, die ihn kennen und schätzen, ein lebendiger Quell reinsten Denkerthums. Denn er hatte das seltene Glück, durch vier Jahre Hirsch's Schüler gewesen zu sein. Um jene Zeit hielt Hirsch vor einem erlesenen Kreise und vor begabten Jüngern Vorträge über die Psalmen. Graetz, Kayserling, Kuttna u. v. a. gehörten diesem .Kreise an. Hirsch war damals mit dem Ausbau seiner Erklärungen der Psalmen beschäftigt. Und er pflegte oft ohne Präparation den Lehrsaal zu betreten und dort im Kreise der Schüler seine Gedanken zu ent- Ivickeln. Es läßt sich denken, daß diese Art geistigen Umganges, der bald zu einer Gemeinschaft gedanklicher Arbeit die Schüler mit dem Lehrer verband, aus diese den tiefsten Eindruck machen mußte. Rabbiner M. L. Engel gab sich diesen Eindrücken völlig hin. Hier bildete sich sein Geist, hier gewann er seine Gesinnungstüchligkeit. Hier aber auch den tiefen Schmelz, der seinem ganzen Wesen jene Milde und Liebenswürdigkeit aufdrückt, die Frucht edelsten Denkerthums. Und wenn er heute zum seltenen Feste der goldenen Hochzeit mit seinem Beruf rüstet, dann zieht vor ihm am Abend seines reichen Denkerlebens die Gestalt seines Meisters vor Augen. Freundlich lächelt der greise Jubilar und wir freuen uns von Herzen dieses Tages. Möchte es ihm noch recht lange gegönnt sein, unter uns zu leben und zu wirken, zum Fortschritt der Erkenntniß des Wesens unserer welthistorischen Größe und zur Verbreitung Hirsch'scher Ideen. Und möchte er am Abend in Ruhe seine Arbeiten veröffentlichen, um sich so ein Monument aus bleibendem Erz zu setzen. Frankfurt, im Elul 5661. Dr. L. R. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. ' Deutschland, j Berlin, 20. Aug. Unter zahlreicher Betheiligung j wurde heute der am letzten Sabbath dahingeschiedene ' Herr Leonhard S a ch s zu Grabe getragen. Die! Drallerfeier begann mit der Absingung von Psalmen. Im Rainen der Familie rief der Bruder, Herr Im inanuel S a ch s , dem Verstorbenen tief empfundene! Worte nach. Alsdann hielt Herr Rabb. Dr. W e i ß e antnüpfeuv an den LieblingSverS des Verstorbenen „Dieser ist mein Gott, ihn lvill ich preisen, deil Gott meines Vaters, ihn lvill ich erheben" die in Form lind Inhalt gleich vollendete Gedenkrede. — Möge es mir hier gestattet sein, eine nur Wenigen bekannte Dhaisache anzuführen. Als der Verstorbene 24 Jahre in der Armenkommission thätig gewesen war, legte er, in der Besorgniß, daß sein 25jähriges Jubiläum gefeiert werden könnte, sein Amt nieder. Sein Tod ist ein großer Verlust nicht nur für die Seinigen, sondern auch für die jüdische Gemeinde. Die conservative Rieh tung verliert in ihm einen eifrigen Vertreter. Er ruhe in Frieden! E. R. Memel, im Aug. (Kaiserin Friedrich.) Die Trauerkunde von dem Ableben der Kaiserin Friedrich hat auch in den Herzen nrancher hier lebenden „auslän dischen" Israeliten einen schmerzlichen Wiederhall ge sunden. Dieselben betrauern in der hohen Verblichenen eine hochherzige Beschützerin der Elenden und Verlassenen und lvollen es ganz besonders ihrem gewichtigen persönlichen Einflüsse zuschreiben, daß die Mitte der achtziger Jahre hier wie anderswo in Ostpreußen in so strengen Formen ins Werk gesetzte Massenausweisung ausländischer jüdischer Familien gemildert oder gänzlich eingestellt wurde. Das Andenken der hohen Entschlafenen wird darum in den dankbaren Herzen aller Derer fortleben, denen sie gleich ihrem verewigten hohen Gemahl ein rettender Engel in der Roth gewesen. Wie sehr die Kaiserin Friedrich gleich ihrem oer elvigten hohen Gemahl von Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit erfüllt war und diese menschenfreundlichen Gesinnungen stets und überall jedem gegenüber, ohne Unterschied des Glaubens und des Standes, vorurtheilslos zu bethätigen bedacht gewesen war, davon legt folgendes Beispiel, das von glaubwürdiger Seite mitgetheilt wird, beredtes Zeugniß ab. Als Kaiser Friedrich als Kronprinz mit seiner nun verstorbenen

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