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Der Israelit · 1901-08-22 · Heft 66 (22.8.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 66 (22.8.1901)
Date
1901-08-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1457 (Gemahlin im Sommer des Jahres 1863 unsere Stadt besuchte, da kamen die hohen Herrschaften, von Königsberg ans mittels des Personcndampfers „Terranova" längs des Kurischen Hasses hier an. Auf dem -chvischendeck des Dampfers befanden sich indessen auch noch manche andere Reisegefährten, darunter nn „triivpeliger" riissischer Jude in Begleitung seines alten Vaters, von denen ersterer in der Klinik zu Königsberg sich einer schmerzhaften Operation an dem einen Beine unterzogen hatte. Kaum hatte das kronnrinzliche Paar den armen krüppeligen Mann bemerkt, da erschien die Dienerschaft, um sich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen. CHne Weile später kam die Dienerschaft wieder und bot dem Kranken Erfrischungen an. Diese Nachfrage wiederholte sich während der Fahrt noch mehrere Male. Erst nachdem die Fahrt beendigt war. wurde der Israelit gewahr, das; diese mitleidsvollen Reisegefährten keine geringeren lvaren, als — der preußische Kronprinz und seine Gemahlin. Der arme Jude aber konnte die ihm geloordene liebevolle Theilnahrne seitens der allerhöchsten Herrschaften nie vergessen. Kar oft hat er voll Rnhrnna und-mit Thronen in den Augen davon erzählt. 6t starb in Memel. Emil Benjamin. Ans Norddeutschland. In Nummer 32 der ..Leitung d. Judenth." loird auf den bald eintretenden bnndertiährigen Geburtstag des Dr. 3. Irankel bingewiesen und von demselben behauptet, er sei ein ansgevräater, geschihtlicher Eharakter gewesen und inan denke unwillkürlich dabei an Hier wird ein arohes Wort gelassen ausgesprochen. Wir möchten, olme die Gelehrsamkeit Dr. Frankel's verkleinern ',n inallen. doch ans einen doppelten Unterschied Hinweisen. Wenn nur in -»y.s '25 die Schilderung von dem unermeßlichen Willen des i"^ finden, so möchten wir boch die Behauptung wagen, derselbe sei grösser als Dr. Frankel aelvesen. Aber in diesem Vergleich liegt eben >rr Glaube und Grundgedanke der Reformer, welche die Göttlichkeit und Geistesgrösse der Weisen unserer Vor- :eit auf das gewöhnliche Niveau der Jesstzeit Herabdrücken möchten, uneingedenk des Armuthszeuanisses. .oelches sie sich selbst damit ausstellen nach den Worten ves Talmud 721 v'.'iL'X-in Lx. Der andere Unterschied ist eben so krass. Während '"i,m. der zur Keil des pmr lebte, gleich nach demselben verschiedene Anordnungen traf, deren Zweck es war. die Erinnerungen an das p'erD festzuhalten nnd dadurch auch die Hoffnung der Wiederherstellling desselben und der Rückkehr nach dem gelobten Lande nicht erlöschen ru lassen, betrachtet Dr. Frankel dies nur einen frommen vietätvollen. aber auch unausführbaren Gedanken. Diesen Glauben des Dr. Frankel haben wir deutlich gelesen in einem der älteren Ja.braän.ae des Hirsch'schen Jeschurun in Betreff seines Ur lheils über das nene Gebetbuch des Hamburger Tempels von 1842. Wir wollten dies nur bemerken, nicht etwa, um m Grösse festzustellen, denn derselbe bedarf unserer Vertheidigung nicht, wohl aber, um den Vergleich klarzustellen, dass man ihn oum grano Malis verstehen inüfse. Anei Oftfriesland. In diesen Tagen hat die Wittwe des Bankiers Aron Cohen s. A. mit ihrem Sohne die Gemeinde Aurich verlassen, um nach Frankfurt a. M. überzusiedeln. Wer die Verhältnisse in der Gemeinde Aurich kennt, weiß, was ihr die Familie Cohen seit Generationen gewesen und welch' unersetzlichen Verlust sie durch den Wegzug der letzten Vertreter derselben in ihrer Mitte zu beklagen hat. Denn diese hochangesehene Familie, die stets eine Zierde des Landrabbinats Emden bildete, war nicht nur in materieller, sondern noch mehr in ideeller Beziehung ein? Hauptstütze für ihre Heimathsgemeinde. Ihrem aufopferungsvollen, selbstlosen Wirken und ihrem großen Einfluss ist es wesentlich zu verdanken, dass die 90 Familien zählende Gemeinde Aurich noch heute den Eharakter einer renp .nSnp hat, in den meisten Häusern noch altfüdisches Leben zu finden und kein Geschäft am Sabbath dort geöffnet ist. Wenn auch wr p p*wi n^it" der Wegzug einer solch tonangebenden, in allen jüdischen Tugenden vorbildlichen Familie nicht ohne Einfluss bleiben wird, so hoffen wir doch, dass die Gemeinde, durch die stete Rückcriuueruna an dieselbe, der sie zu Dank verpflichtet ist, und gestärkt durch die Einwirkung ihrer herufeuen Führer, die deren Spuren folgen mögen, den frommen Charakter bewahren wird, der sie bisher portheilhaft in hiesiger Gegend ausgezeichnet hat. Dresden. Die „Jnterkonsessionalität der Verbrechen und der Verbrecher" muss schweren Herzens auch die antisemitische „Sachsenschau" zugestehen, der die Skandalgeschichten der letzten Zeit folgenden Schmerzensschrei abringen: ..Kein Tag vergebt ietzt in Deutschland, an dem nicht die Blätter von niedlichen Skandalgeschichten und Sittenskandalen ans der „feinen" Gesellschaft zu berichten wissen. Eine Sternbergiade löst die andere ab, und cs wäre Heuchelei, wollte man das „jüdische Bolk allein als den Träaer dieses Sumpfes hinstellen." Nein, hier schickt der Ossnierssiand. dort der Juristen-, dort der Kanfmannsstand Angehörige als Opfer der laren Moral vor dos Forum der Oeffentlichkeit und untergräbt selbst die Autorität, die man sonst ängstlich bewabren möchte." vermisstes. Berlin. Am Tage der Beisetzung der Kaiserin Friedrich wurde indenBarnchAuerbachschen Maiien lsrziehunfts-Anftalten, die unter dem Prolektorat der Kaiserin, wie vormal« unter dem Kaiser Friedrich seit ISfi ‘ gestanden und Zeit ihres Lebens Beweise ihrer Huld criab ren haben, eine Trauer frier veranstaltet. Auch eine Kranzspende kat der Vorstand „der edlen hoben Protektorin in unvergänglicher Dankbarkeit" an ihrer Ruhestätte niederlegen lassen. 1 j

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