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Der Israelit · 1901-08-22 · Heft 66 (22.8.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 66 (22.8.1901)
Date
1901-08-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1454 von einem Andersgläubigen, einer Jüdin, in der Praxis bethätigt wurde. Manchmal stiegen ganz dunkel vor Elses Augen einzelne Szenen jener Schreckenstage auf, wo das Unglück über sie kam. Sie wurde von einem jungen Manne durch einen Wald getragen, — sah ein brennendes Schloß, — ein großes Leichenbegängnis — alles unbestimmt und verschwommen. Eines Tages wurde Sara zum Pfarrer gerufen. Als sie eintrat, sprach der Pfarrer liebevoll zu ihr: „Ich muß Ihnen meine Bewunderung zunächst, wie schon so oft, aussprechen für die liebevolle Erziehung, die sie der Else „Bitte, Herr Pfarrer, meine einfache Pflicht." Der Pfarrer lächelte. „Ja, werthe Sara, Sie sind in Ihren Borzügen unverbesserlich. Nicht einmal ein Lob nehmen Sie an. — Aber ich sehe, Sie werden ungeduldig und wünschen den Zweck meiner Bitte an Sie, mich zu besuchen, kennen > zu lernen. Nun denn, soeben war Else bei mir und j erklärte mir klipp und klar, sie wolle sofort zum Judenz thum übertreten."- j Sara sprang erschrocken auf. j „Ich sehe an Ihrem ungeheuchelten Erschrecken,! daß Sie unschuldig dabei sind. Es genügt mir Ihre! stumme Zustimmung." j „Ach, Herr Pfarrer," Hub Sara bestürzt an, „mich! hat diese unerwartete Nachricht ganz verwirrt, sie erj scheint mir unglaublich, es kann, es darf nicht wahr j sein."- j Der Pfarrer öffnete die Thüre zum Nebenzimmer.! Else trat heraus. j „Else!" rief vorwurfsvoll Sara. j Die Angeredete stand gesenkten Hauptes da. — ' Eine stumme Pause. — Plötzlich umarmte sie stürmisch ihre Pflegemutter: „Nie, nie werde ich von Dir lasten, Dein Leben ist mein Leben, Deine Religion ist meine Religion!" „Herr Pfarrer," sprach die bestürzte Sara, „ich bitte uni Ihren Rath." Mild antwortete dieser: „Mir genügt diese Szene, Sara, um meinen Entschluß fest zu machen. Else, ich sehe und weiß, daß nichts Dich zu Deinem Entschluß gedrängt hat, als die Ueberzeugung von dem edlen Leben dieser Jüdin, von dem Edelmuthe der Dir nahe stehenden Juden. Du stehst viel in der Schuld der Juden, die durch Dich viel Unheil erlitten haben, Du verdankst Dein Leben dem Bruder dieser Frau, und dieser Frau Deine Erziehung seit zehn Jahren; Du hast täglich Einblick genommen in das Wesen der jüdischen Re ligion — bei Frau Sara. — Ich weiß daher, daß kein eigennütziges Motiv Dich zu Deinem Schritte treibt, sondern nur die Ueberzeugung." „O bitte, Herr Pfarrer," unterbrach Sara, „tvehren Sie meiner Pflegetochter, verbieten Sie ihr den llebertritt."- „Sehen Sie, Frau Sara, ich selbst bin ein Kind der Reformation, bin selbst meiner geänderten Ueberzeugung folgend, zu einer anderen Religion übergetreten — und ich sollte diesem Mädchen wehren, das Gleiche, ans vielleicht noch edleren Motiven, zu thun? — Nur eines, Else, wünsche ich in Deinem Interesse, überlege Dir Deinen Entschluß noch einmal. Komme nach einem halben Jahre wieder und sage mir, ob Dein Plan noch ebenso fest steht, wie heute, ob Du Deinen Schritt nicht als übereilt ansehen mußt, nach längerer, reiflicher Ueberlegung." (Schluß folgt.) Der „JSraelit" erscheint vSchentlicb zweimal, Montags Hnd Donnerstags, jedes««! is mindeste«- zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirl ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Vuchhandrl verkehr! durch V. W- Sleinackrr, Leipzig, Noßplatzjö. — Inserate 25 Pfennig die vierßespalteue Petitzelle »der deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozrllendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., fär's Wsthnw lt Mark, an die Expedition franco eiusenden. P»stzellungslistr 3702. Telephon 31b. «ne Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, «an kittet de»halk, sich von alle« Einsendungen eine Copie zurüekzubehalte». Stellenfuchende erhalten auf Wunsch die Juferaten-Beilage vier Woche« lang gratis nnd franko zugefnndt, Veuf» stunde» wir auf Wunsch die Zahlung des JnfertionSbetragS an anher Stelle Befindliche dick nach Erlangung einer solche«. Inhalt: (Hauvtblatt): Leitender Artikel: Die Mode! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Heidelberg. Vom badischen Oberland. Oberseemen. Schweiz: Aus der Schweiz. Rußland: üronstadr. Kifchiniew. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben: Wassertrüdingen. — Feuilleton: Ruth. (Fortsetzung ) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Rabbiner M. L. Engel '"1 in Schoöberg (Ungarn) —Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Memel. Aus Norddeutschland. Aus Ostfriesland. Dresden. -- Vermischtes. Belletristische Beilage: Der Judenjunge. Extra-Beilage: „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerel Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen

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