Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1901)
- Date
- 1901-08-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1452 einem Führer fragte, der ihn über das Gebirg nach Rumänien führen tönnte, eilten sofort etliche Mütter herbei, um ihre „gefährdeten" Kinder zu schützen. Auch einige rumänische Bauern waren zur Stelle und hätten den Juden gelyncht, wenn nicht ein Sicherheitswachmann und ein Doktor sich seiner angenommen hätten. Unterdessen hatte sich die aufgeregte Menge zu Hunderten vergrößert und begleitete nun den Mann unter Johlen und Schreien bis zur Stadthauptmannschast. Vorläufig ist es zu weiteren Ausschreitungen noch nicht gekommen und man muß abwarten, ob die Kronstädter Behörden etwas thun, um ein Weitergreisen dieser sinnlosen Hetze zu verhindern. Wie nun das „Siebenbürgisch-deutsche Tagblatt" berichtet, hat sich der von der rumänischen Bevölkerung Kronstadts des „Ritualmords" verdächtigte Jude Singer als ganz unschuldiges Individuum herausgestellt, das ohne vernünftigen Grund vom Pöbel angegriffen worden ist. Kischiniew. (Das Ende der Rothstands- Campagne.) Wie s. Z. berichtet wurde, hat das Kischiniewer Komitee den Beschluß gefaßt, falls ihm keine neuen Mittel zur Verfügung gestellt werden sollten, seine Thätigkeit einzustellen. Das Komitee hielt Ende Juni in der That seine letzte Sitzung ab, der auch der von seiner letzten Inspektionsreise zurückgekehrte Vertreter des Komitees beiwohnte. Derselbe berichtete, daß in den größeren Plätzen in Folge der günstigen Ernteaussichten sich der Verkehr bereits etwas gehoben habe, sodaß einige jüdische Handwerker daselbst bereits etwas Arbeit erhielten. Das Komitee beschloß daraus, diese Handwerker von der ferneren Unterstützung auszuschließen. Da jedoch die dadurch erzielten Ersparnisse viel zu gering wären (das Komitee hat die Handwerker überhaupt wenig unterstützt), so wurde beschlossen, auch in den kleineren Plätzen allen denjenigen die Unterstützung zu entziehen, welche fähig sind, bei den beginnenden Erntearbeiten irgendwie etwas zu verdienen. Durch solche Ersvarnisse, sowie mit Hülse einiger jüngst aus Petersburg und Moskau eingegangenen neuen Beiträge ist das Komitee in den Stand gesetzt, die jüdische landwirthschastliche Bevölkerung aus dem flachen Lande resp. in den jüdischen Kolonien genügend zu unterstützen, damit diese sich gehörig sattessen könne und arbeitskräftig und fähig bleibe, die begonnenen Erntearbeiten zu beenden Das Komitee ist im Stande, diese Gruppe nothleidender Juden, wenn nothwendig, noch bis Mitte August zu unterstützen. So hat das Kischiniewer Komitee die von ihm eingeleitete Nothstandscampagne zu einem halbwegs glücklichen Ende geführt. Möge der Wächter Israels sein vielgeplagtes Volk in Südrußland vor fernerem Ungemach schützen. Eine dritte Hungersnoth würden die südrussischen Juden gewiß nicht mehr überstehen können, ohne daß viele Tausende von Menschenleben ihr zum Opfer sielen. T. MlttheilnnM ms de» M. Armuimeineu unD sür Slkseldkn. (Sämmtttche jüd. Wan-erbettelvereine uiio Staffen für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zukammen zu lasten.) Wafscrtriidingen, 18. Aug. Die israelitischen Wanderunterstützungskassen werden hiermit aus einen Mann Namens Hermann Löb, aus Frankfurt a. M., aufmerksam gemacht. Dieser gibt sich als Jehudi aus, ist aber in Wirklichkeit keiner. Zu meinem Bedauern besuchte er die hiesige Armenkasse in meiner Abwesenheit und wurde derselbe, da er verkrüppelte Hände vorzeigte, noch bevorzugt. Der Mann ist, wie mir angegeben wird, ein mittlerer Dreißiger, trägt einen blonden Backenbart und hat über dem linken Auge einen rothen oder braunen Flecken. Herz, Lehrer. Feuilleton. —’R u t h. 8-^— Von M. Csckol. Die Kunde von dem Wiedersinden der kleinen Else hatte sich blitzschnell verbreitet und einen völligen Umschwung in dem Bilde vom Schloß und Ort hervorgerusen. Nachdem der erste Rausch der Freude des Wiedersehens verflogen war, kam der Gräfin erst das Entsetzliche der gestern Abend geschaffenen Lage mit voller Gewalt zum Bewußtsein. Vor allem galt es jetzt, an dem Retter des Kindes und seiner Schwester, den Kindern des unglücklichen Jsak, möglichst das Verbrechen gut zu machen. Der Gras war verzweifelt. „O menschliche Leidenschaft," schrie er, ja brüllte er. „Das vermag ich nicht zu ertragen. Mein bester, ehrlichster Freund ermordet, mein Sohn der Mörder! Sein Sohn der Retter meines Kindes!"- Bald daraus hielt der Gras hoch zu Roß vor Sara. Esra war wieder zu sich gekommen, vom Fieber gepackt. Wirre Reden kamen über seine Lippen. „Wo ist Esra?" fragte der Gras, der diesen nicht gleich liegen sah. Sara, die von dem Umschwung der Ereignisse noch nichts erfahren hatte, fand jetzt ihre volle Fassung wieder. Stolz und ruhig stellte sie sich dem Grasen gegenüber. „Was wünschen Euer Gnaden?" sprach sie ruhig. „Ihr habt mir Vater und Mutter getödtet, hier liegt mein armer Bruder, der mit dem Tode ringt! Nun,