Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-08-22 · Heft 66 (22.8.1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 66 (22.8.1901)
Date
1901-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449210--54055-2504661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

: *vV f > 1451 gierungsrath Schönfeld aus Schotten übergeben, ivelcher ihn in einer Ansprache an den Herrn Vorstand der hiesigen isr. Gemeinde lveitergab. Dieser überreichte ihn dein Großh. Herrn Provinzialrabbiner, der die Synagoge erschloß und somit ihrer Bestimmung übergab. Nachdem nun die Festgäste unter der Intonation der Musikkapelle eingezogen waren, wurde vom hiesigen israel. Männerchor das Boruch habo gesungen, dem sich das Ma tauwu anschloß. Nach Anzündung des Ner tomid wurde Gadlu gesungen, worauf unter Gesang von Ono die üblichen Hakofoth mit den Thorarollen borgenommen und diese dann in den Oraun verbracht wurden. Alsdann begann Herr Provinzialrabbiner Dr. H i r s ch f e l d aus Gießen seine Weibepredigi, in welcher der verehrte Redner alle Anwesenden, insbesondere den Herrn Vertreter der Großh. Hess. Staatsbehörde und den Geistlichen der hiesigen politischen Gemeinde begrüßte, vor allen Dingen aber des Stifters unserer Synagoge, Herrn Leopold Zimmermann, wohnhaft in Newyork, der persönlich mit seiner Gattin anwesend war, in warmen Worten gedachte, welches große, verdienstvolle Werk er vollbracht, indem er im Verein mit seiner hochedlen Gemahlin, Frau Josefine geb. Wolf aus Newyork, ein Gotteshaus der isr. Gemeinde Oberscemen stiftete. Zum Lohne und zum Danke für diese hochherzige That hat auch die Gemeinde eine Gedenktafel mit Inschrift in der Synagoge anbringcn lassen. Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld ging in seiner Rede von dem Vers des 122. Psalmes aus: 'n n'2 H C'nösr 'map und schloß dieselbe mit eimm Gebet ans den Landesfürsten, worauf vom Chor noch das Halelusah vorgetragen wurde. Damit erreichte die religiöse Feier ihr Cnde. Hierauf nahmen die Festgäste im Festzuge vor der Synagoge wieder Aufstellung und zogen unter dem Schall der Musikkapelle nach dem Festplatze, wo die Feier in schönster Weise ihren Abschluß fand. llnsercm Freunde Herrn Leopold Zimmermann, nebst dessen hochedlen Gemahlin aber gebührt für ihre Fürsorae. wodurch sse zu diesem Prachtbau verholfen. unser tiefgekühltester Dank. Durch ihren edlen Sinn und ihre hochherzige That haben sse sich die Krone eines für Vie hiesige isr. Gemeinde ewig fortbestehenden guten Namens und eines treuen ewigen Andenkens ertvorbcn und gesichert. Möge ihnen in allen ihren Unternehmungen Heil, Glück und Segen beschieden sein. Möge das neue Gotteshaus lange Jahre eine Stätte des Friedens und der Eintracht und ein E’sSc rra im wahrsten Sinne des Wortes sein und bleiben. .s. Schweiz. Auel der Schweiz. Bei meinem jüngsten Aufenthalt in den über alle Beschreibung herrlichen Schweizer Bergen war ich auch in Davos, diesem Kurplatz, der 1300 Meter über dein Meeresspiegel gelegen, wegen seinen vorzüglichen klimatischen Verhältnissen dasEldorado aller Lungenkranken ist, von denen viele, von den Aerzten aufgegeben, hier gesunden und dem Leben wiedergewonnen werden. Der Vollendung nahe ist das riesige deutsche Sanatorium, für lungentranke deutsche Beamte erbaut. Nicht weit davon, direkt am Wald, erhebt sich die seit 4 Jahren segensreich wirkende „Baseler Heilstätte" u. ganz in der Nähe, auf einem sonnigenBerge herrlich gelegen, präsentirt sich uns das „Internationale" jüdische Sanatorium. Es ist nicht nur comfortabel, sondern sogar äußerst elegant eingerichtet, hat einen eigenen tüchtigen Arzt und kann sich in jeder Hinsicht den besten Etablissements an die Seite stellen. In ritueller Beziehung wird das Institut musterhaft geleitet. Herr Rabbiner Dr. Cohn in Basel, dessen Aufsicht es untersteht, war kürzlich dort, um nach dem Rechten zu sehen. .Eine zuverlässige, jüdische Frau überwacht die aus einer Fleisch- und einer Milchding-Küche bestehenden Kochräume, und außerdem waltet ein von Herrn Rabbiner Dr. Cohn empfohlener junger jiibischer Gelehrter, dem die Aerzte das Höben-Klima verordnet haben, als Aufseher daselbst. Und trotz alledem weilen die meisten Juden in den christlichen Hotels, wo man sie scheel ansieht und heimlich über sie lacht. „Wann wird die Einsicht kommen diesem Volke?" Rußland. Kronstadt, im Aug. (Das R i t u a I m o r t> * märchen tn neuer For m.) Das „Kronstadt. Wochenblatt" vom 10. dss. brachte folgende märchenhafte Notiz: „Seit einigen Tagen geht ein Individuum in Kronstadt herum, welches Kinder kauft, welches viele Leute gesehen haben wollen, und welches trotz alldem Niemand der Polizei näher bezeichnen kann: der Preis für ein Kind, sagt man. beträgt 3000 fl. Acht geben, Eltern, die Sache ist gar nicht spaßhaft! Die Welt munkelt und munkelt über diesen Fall recht fatal: sie sagt . . . Ahasver ginge um." Diese Mittheilung, welche trotz ihres dummen Gehaltes geeignet isi, das Volk zu verhetzen, hat bereits ihre Wirkung nicht verfehlt, indem sie in dem rumänischen Vororte von Kronstadt Ausschreitungen veranlaßte. Ueber die Ursache wird Folgendes berichtet: Ein Jude wollte eine Rumänin, welche in Kronstadt loohnt, bewegen, ihr Kind auf 1000 K. versichern zu lassen. Dieselbe verstand ihn nicht recht und glaubte, er wolle ihr das Kind abkaufen. Sie erzählte deßhalb von dieser Geschichte dem Geistlichen, der sich alsbald beeilte, von der Kanzel herab zu verkünden, die Eltern mögten ihre Kinder jetzt besonders in Acht nehmen, da die Juden zur ..Einweihung des neuen Tempels" das Blut von Christenkindern benötbiaten. So wurde in Kronstadt das Märchen vom Ritualmord, und zwar in einer aanz neuen Fassung, von der Kanzel herab aepredigt. was eine Gähruna unter den Bewohnern der rumänischen Vorstadt zur Folge hatte. Als dortselbst am l2. dss. ein Jude Namens Singer, Kinder nach

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.