Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1901)
- Date
- 1901-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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14B0 Hierauf erhielt Herr Steinhardt - Magdeburg das Wort. Der gewandte Redner ließ an den Hörern die segensreiche Thätigkeit des „Verbands der jüdischen Lehrervereine" für die Hebung des jüdischen Lehrerstandes und der jüdischen Schule vorüberziehen und richtete einen warmen Appell an die Versammlung, mitzuwirken an der gemeinsamen großen Sache, besonders darauf hinweisend, daß diese Mitwirkung um so werthvoller wäre, als in Baden schon Vieles geschehen sei, was in andern deutschen Ländern erst errungen werden müsse. Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen, und der Anschluß wurde auch alsbald beschlossen. Als Delegirte zu dem im Dezember d. I. in Hamburg stattfindenden Verbandstage wurden Driesen-Karlsruhe und Müller-Heidelberg gewähli. Rach einer einstündigen Mittagspause wurden die Berathungen wieder ausgenommen und eine Kommission ernannt, die in einer Denkschrift an den Großherzoglichen Oberrath die in Folge der rapiden Abnahme der Landgemeinden entstandene Rothlage der Religionslehrer in Baden darlegen soll. Als Ort der nächsten (fünften) Generalversammlung wurde Baden- Baden bestimmt. Vom badischen Oberland, 18. Aug. Hier liegt nun die mächtige Eiche, welche so oft den Stürmen des Lebens trotzte, geknickt und entwurzelt zu Boden. Für immer hat uns der hochgeachtete Mitbürger, Herr Jakob Moses Rothschild- Randegg, verlassen. Wohl ist es dieser Jehudi werth, wenn er das irdische Dasein verläßt, daß man sich mit dessen Lebensgang länger aufhalte, um den lebenden und kommenden Geschlechtern ein Beispiel vorzuführen, wie man im wahren Sinne des Wortes p# T*n ök n^'n vereinigen kann. Im Jahre 1816 hier geboren, wurde derselbe als Knabe in der heiligen Schrift unterrichtet, man wußte es in der damaligen guten alten Zeit nicht anders, als daß das Wort Gottes den Weg zum Leben führt, und fromme Rabbiner hatte diese alte, ehrwürdige Gemeinde von altersher und G. s. D. heute noch. Der tbeuere Verblichene vervollständigte durch währendes Studium seinen Wissensdrang soweit, daß demselben wohl keine Stelle, in schriftlicher als auch mündlicher Lehre, unbekannt oder unerklärlich war. Rach des Tages Mühen und Last war seine Erholung Thoralernen und die Psalmen David's zu reritiren. Der heiliae Sabbat war solchen Männern wirklich ein Tag der Rübe und Ergötzung, und zwar durch das ..Lernen." Wenn dies beendet, war seine angenehmste Lektüre Ihr geschätztes Blatt, der „Israelit." Seit Gründung desselben war er ein treuer Abonnent, selbst als sein Auge dunkel geworden, ließ er sich denselben vorlesen. Heute, am dritten Elul. war seine Beerdigung. Von allen Seiten strömten die Verehrer herbei, um diesem edlen Manne die letzte Ehre zu erweisen, rrx rmn apr nenio nvo ub ffllit diesen Worten, welche der Verblichene am letzten rays p noch das Glück hatte, seinen Angehörigen zuzurufen, begann unser ehrwürdiger Herr Rabbiner Piccardt, selbst tief ergriffen, seine Rede. Wahrlich, in keiner aufrichtigeren, überzeugenderen Weise konnte der nun Verklärte seine wirkliche Frömmigkeit zeigen, als daß er seine Kinder als gute, strenggläubige Jehudim und doch moderne Männer erzog. Mit offener Hand wurden bedürftige Arme unterstützt, ganz besonders wurden Jene des heil. Landes stets bedacht. Um sich für ewige Zeiten ein ns'p pp zu erhalten, hat derselbe für sein Seelenheil Armenlegate in beträchtlicher Höhe gestiftet. Gleich einem müden Wanderer, welcher der Ruhe bedürftig, hat der Entschlafene sein Krankenbett ausgesucht, um dasselbe lebend nicht mehr zu verlassen, gepflegt von seiner aufopfernden, treuen, edlen Gattin und seinen Kindern. Als zweiter Redner widmete noch Herr Bezirksrabbiner Dr. Spitz von Gailingen dem Scheidenden rührende Worte zum Abschiede. „Friede, Friede," waren stets seine Worte; möge dieser dem zur ewigen Ruhe Heimgegangenen im vollsten Maße zu Theil werden, aber seine fromme Seele möge vor Gott ein Fürsprecher für die trauernde, verlassene Familie sein. Das Andenken des Frommen wird stets ein gesegnetes bleiben. Oberfeeinen, 4. Elul. *n ntrv ern m 12 nrotwit „Diesen Tag hat der Ewige geschaffen, wir wollen jubeln und uns seiner freuen," so berichtet uns der 118. Psalm, Vers 4. Fürwahr, ein herrlicher Tag in des Wortes schönster und edelster Bedeutung, den die isr. Gemeinde Oberseemen mit der Einweihung ihres neuen Beth ha-Kneseth am 9. dss. Mts. zu verzeichnen hatte, welcher ihr als treues Angebinde in steter Erinnerung bleiben wird. Von Rah u. Fern hatte unser Ort eine starke Fremdenfreguenz aufzuweisen, aus allen Altersklassen waren ganze Menschenschwärme, den verschiedenen Konfessionen angebörend, berbeigeströmt, um ihre Theilnahme an unserem Weihefeste zu bezeigen. Die Feier wurde mit dem Minchagebete im Hause des Herrn Simon Frank 7., Mittags 1 Uhr. eröffnet, welcher zwei seiner Zimmer während derHeit der Erbauung der Synagoge, die an Stelle der früheren errichtet wurde, zum Gottesdienste unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte, und wofür ihm der wärmste Dank gebührt. Rach Beendigung des Minchah-Gebetes wurden die Sforim unter Gesang des Wajehi binsaua dem Oraun entnommen und in den Festzug eingereiht, welcher sich mit klingendem Spiele der Musikkgvelle des Leibgarderegiments Rr. 115 aus Darmstadt in Bewegung setzte ». durch die festlich geschmückten Straßen nach dem neuen Gotteshause marschierte. Hier angelangt, wurde der Schlüssel des Gotteshauses dem Vertreter der Großh. Hess. Staatsbehörde, Herrn Geh. Re-