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Der Israelit · 1901-08-22 · Heft 66 (22.8.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 66 (22.8.1901)
Date
1901-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1449 Privat- und Geschäftsmann — noch dazu, wenn der Rabbiner sein Amt als Geschäft betrachtet!! Sollte also ein Vater, der die.^nvWürde in seinem Sohne verachtet und geringgeschätzt sieht, und dazu schweigt, nicht untauglicher sein, wie derjenige fro, der sie selbst geringschätzt und verachtet! Durch solche Handlungsweise werden die Gemeinden gleichgültiger und suchen die ganze Einrichtung eingehen zu lasten. Eine fernere Ursache für diesen Mißstand und Rückgang läßt sich vielleicht in dem Mangel an Aufklärung erblicken, ob ein ps, der sich auf sittlichmoralischem Gebiete vergangen hat und bestraft wurde, auch fernerhin würdig sein soll, zu „duchenen." Die Welt stößt sich daran, von einem solchen Kohen sich segnen zu lasten. Ich kenne ganz orthodoxe Personen, die früher jeden Sabbat und Festtag das Gotteshaus besuchten, in dem „geduchent" wurde und jetzt es unterlassen, weil jene Kohanim in der Gemeinde schwere Zuchthausstrafen verbüßen mußten. Mögen es doch die großen Männer unserer Zeit sich angelegen sein lasten, in den Zeitschriften für .-nin sich einmal klar darüber auszusprechen. Vielleicht bietet sich dann den Rabbinern Gelegenheit, wieder für das althergbrachte „Duchenen" eintreten zu können. nax ts^x. Frankfurt a. M., 20. Aug. (Versammlung der Zionisten.) Nach langer Pause hat die Frankfurter Zionistengruppe wieder einmal eine Versammlung abgehalten. Der Redner des Abends war einer der Füher der englischen Zionisten, Sir Francis Montefiore, ein Neffe von Moses Montefiore. Er sprach deutsch, d. h. er las vom Blatt ab und manches Wort ging in Folge des fremdländischen Accents des Redners auch dem aufmerksamen Ohre verloren. Er rühmte die Fortschritte, die der Zionismus in der letzten Zeit gemacht habe, überall und insbesondere in England. Das sei kein Wunder, denn im Zionismus wüste man die Förderung von Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit erblicken. Dann sprach er ausführlich von Palästina, besten Zustand nicht so schlecht sei, wie er „von unseren Gegnern" dargestellt werde; im Gegentheil, Palästina sei ein Land mit reichen Naturschätzen und biete in seinen Hinterländern der Industrie ein großes Absatzgebiet. Dann plaidirte der Redner warm für die Betheiligung an der jüdischen Kolonialbank und schloß, unter stürmischem Beifall der Versammlung, mit den Worten, daß der Zionismus eine der größten und erhabensten Bewegungen sei, welche die Welt je gesehen habe. Die Diskustion, die dem Vortrag folgie, währte fast bis Mitternacht, und bewegie sich in den bekannten zionistischen Anschauungen. Man polemisirte in der schärfsten Weise — und es kam hier selbst zu einem Ordnungsrufe — gegen die antizionistische Resolution des deutschen Rabbinerverbandes und meinte rühmend vom Zionismus, daß er „dem Astimilationslverk, das ein Unding sei, in den Arm fiel." Ein Redner, der sich gegen den Zionismus wandte, ihn als Utopie hinstellte und die Frage aufwarf, wo denn die Zionisten waren, als es sich darum handelte, den rumänischen Juden Hülfe zu bringen, konnte sich kaum Gehör verschaffen. Diese Unduldsamkeit gegen Alle, die nicht unbedingt der zionistischen Fahne folgen, besteht schon seit den Anfängen des sogenannten Zionismus und trat auch in dieser Versammlung in die Erscheinung, obgleich Sir Francis Montefiore an alle wahren Zionisten die inständige Bitte gerichtet hatte, ..Böses (?) mit Gutem zu vergelten und nicht dem schlimmen (?) Beispiel der Gegner zu folgen." Man kann dem äußerst harmlosen Rabbinerverband wahrlich keinen größeren Gefallen thun, als indem man seine sonst längst vergessene Resolution immer wieder aufleben läßt. So lange die Herren noch von „dem Rauschen eines verwehten Blattes" verfolgt werden, werden sie uns die Erlösung schwerlich bringen können. Heidelberg, 19. Aug. Dem Protokoll der am 4. August dahier stattgefundenen Generalversammlung des „Landesverein israelitischer Religionslehrer in Baden" entnehmen wir: Gegen vierzig Mitglieder waren dem Rufe des Vorstandes gefolgt. Als Gäste hatten sich die Herren M. Liebhold, als Vertreter des Synagogenrathes in Heidelberg, Kollege Steinhardt-Magdeburg im Aufträge des Vorstandes des „Verbands der jüd. Lehrervereine im Deutschen Reiche," und Kollege Elias- Darmstadt eingefunden. Nach herzlicher Begrüßung der Gäste sowie der Mitglieder erstattete der Vorsitzende, D r i e ß e n - Karlsruhe, den Jahresbericht. Mit besonderer Anerkennung wurde darin der Kollegen Friedmann-Hockenheim und Rosenberger-Sinsheim gedacht, die in Wahrung ihres Amtes als Mitglieder der Fürsorgekommistion das traurige Loos der Hinterbliebenen eines Kollegen zu lindern verstanden haben. Laut Bericht des Kastirers bestand der Verein im verflossenen Vereinsjahr aus vierundsiebzig beitragspflichtigen Mitgliedern, wovon siebzehn noch mit ihrem letzten Jahresbeiträge, einige mit dem Beitrag für mehrere Jahre rückständig sind. Auf Beschluß der Generalversammlung werden diejenigen Kollegen, welche zwei Jahre lang trotz wiederholter Aufforderung ihren Beitrag nicht bezahlt haben, von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Der Kassenbestand beträgt Mk. 98.08. Die Rechnung wurde von den Kollegen Hahn-Walldorf und Lippmann-Karlsruhe geprüft und dem Kastirer Decharge ertheilt. Der zweite Punkt der Tagesordnung brachte eine Vorführung des Marx'schen Leseapparates. Der Referent, Rosenberger - Sinsheim, bezeichnte denselben als ein neben einer guten Fibel wohl brauchbares Lehrmittel. In der Debatte wurde bemängelt, daß die Vokale zu klein seien und ein Vokal (---.) gänzlich fehle.

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