Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 65 (19.8.1901)
- Date
- 1901-08-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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36 Abraham b e n David aus Toledo, der Verfasser des „Emune Rama“, f ünf „Grundlehren*' des Glaubens aufzählt. Doch beansprucht die karäische Fixierung darum mit Recht eine erhöhte Bedeutung, weil sie sich für die Folgezeit wirksam und bedeutsam erwiesen hat. Es kann nämlich keinem Zweifel unterliegen, dass sie selbst auf Maimuni Einfluss gehabt und ihn mit dazu veranlasst hat. die Zahl seiner Glaubensartikel zu fixieren. Freilich gab es für Maimuni noch ganz andere, höhere Gesichtspunkte , die ihn zur Stellungnahme auf diesem Gebiete heraus forderten, ja geradezu zwangen. Zunächst die in Frage kommenden ethischen und volkserziehlichen Momente. Wie sich die ganze, grosse, ja unvergleichliche literarische Thätigkeit Maimuni's vom Gesichts punkte der Volksaufklärung und -Erziehung am besten begreifen und würdigen lässt, so auch hier in der Dogmenfrage, und hier ganz besonders. Hat er mit seinem Buche „More Nebuchim“ den schädlichen Irrtümern der Anhänger der Philosophie einerseits, wie auch anderseits den nicht minder bedenklichen Uebertreibungen der Gegner derselben entgegentreten, mit einem Worte das Licht geläuterter Erkenntnis und Gottesfurcht zugleich verbreiten wollen, so wird er wohl von einem solchen Wunsch in noch stärkerem Maasse erfüllt gewesen sein, als er an die Festsetzung der Glaubensartikel schritt. Handelte es sich doch hier um eine Frage, die ihm nicht nur als eine Forderung des systematischen , logischen Denkens erschien, sondern geradezu als das höchste und wichtigste Postulat des Glaubens. Und dies hing mit seiner Philosophie oder richtiger mit seiner Seelenlehre zusammen. — Es ist bekannt, dass Maimuni nicht eine Unsterblichkeit der Seele schlechthin anerkannt hat. Nur soweit sie richtige Vorstellungen und Erkenntnisse sich erworben, soweit sie denkt, und dies im höchsten Sinne genommen, ist sie unsterblich. Hat sie dagegen diesen Grad der Vollkommenheit nicht erreicht, so schwindet sie spurlos hin oder richtiger, um in aristotelischmaimüniseher Sprache zu reden, sie kann aus dem Zustande der Existenzmöglichkeit nicht herauskommen, sie ist hinsichtlich der Fähigkeit zur Unsterblichkeit eine blosse Potenzialität geblieben. nicht zur Wirklichkeit, Thatsächlichkeit gereift. Das war Maimuni s tiefste philosophische Ueberzeugung. Wie musste es aber ihn, den grossen Volksfreund und Volkserzieher, den tiefreligiösen Mann, bis ins Tiefste erschüttern, sich sagen zu müssen, dass doch eigentlich nur die Wenigsten, ja selbst unter den talmudisch gebildeten nicht Alle, zu der von ihm geforderten und nach seiner Ueberzeugung notwendig zu fordernden intellektuellen Höhe aus eigenen Kräften sich zu erheben imstande sind? Soll er doch selbst einmal geäussert haben: m pr:i xar:i “rSm v~"' ’c:na imtprpa» -a cs pB*cc xim zv:r> rrnit’ *ca inn^a min bv nnen^aa B’piBDn rxpaa xaa» *22 z'vy, Sm -p p'.x* py Sys »tsh cpnna: ypi xi“&> tiSmaa n: r-xp"! ’t^xa ennx 'rrxn naitfr, paip) ri-rp^x: pa -atr *x*ip: m "fen paxatr *a tr-raa ttp:«' ca "an ed. Lichtenberg, Leipzig 1859, III. S. 23 24.) Da muss ihm wohl ein offenes und entschiedenes Auftreten nicht nur ratsam, sondern geradezu dringend und unumgänglich erschienen sein, und als das einfachste Mittel, diese Wahrheiten zum Gemeingut des Volkes zu machen, die Präzisierung von Glaubenssätzen, die alle zur richtigen Auffassung von Gott, Welt und Religion notwendigen Grundsätze in sich enthalten sollten. Er selbst bemerkt gelegentlich hierzu: ix raan a^xspin r6x vrvtr rrta i:tp21 rrrtn: c""*aEi z'V'V bv crra’ya oy 2 xiprw ica ix n'Oix: c nn c-spy bv n:a: “t by . . . . etc bv thhd amin s—crvS-tnan 'rrStr* Szs an ’-ns ctrn ryn’ ab', x'2'L> ra bv xv cxtc *?xx ca-ip", zz'bw'w na bv nnivnr penn *?xx r*aSan ena (Kobez, II, S. 8a). So entstand im Jahre 1168 die Maimünische Festsetzung der 13 Glaubensartikel, die er in seiner Einleitung zu Olielek, dem zehnten Abschnitte des Traktates Sanhedriu, in höchst interessanter und anziehender Weise des Näheren beleuchtet und begründet. Wohl selten ist eine im Anfang so scharf und leidenschaftlich befehdete Ansicht so zur allgemeinen Achtung und Anerkennung gelangt, wie die Maimünische von den Glaubenslehren. Konnte noch zu Beginn des 13. Jahrhunderts der Verfasser eines Sendschreibens (abgedruckt im Kobez, II, S. 23 b) sagen: bin: 212 pinia n\n nnxi cai ana 'Ti'xn \:x D3i (crann Sn) S"t i:’2*i bv Hirn. nana n\n c’j’Xpna rrm '2 paxrn wnSxtP ’;xi s’-c^n ananna pTnnp na ip-mna nxre n' xh '2? anxn T2 '"i t> so zeigt die Äusserung Mose Alaschkars: ann 1321 711212: bv n njiex nn2x 122 ci'La c'sS'yan riss rxxanai S"t 2v bv nmx nbvzv ’a px: :3na:x a»:x *se nmaii niauan rrxnB* cn^ar B'sS^an i'^aa xSiSi fbbz na psriaae» 'a Hb' i'p anya a'L'Vra im 1:711*?: a:x nx, wie sehr eine spätere Generation in gerechter Würdigung seiner hohen Verdienste Maimuni anerkannt und bewundert hat. Sein Ruhm und seine Anerkennung steigerten sich noch im Laufe der Jahrhunderte, was zum Teil dem Stillstand zuzuschreiben ist, der auf dem Gebiete der jüdischphilosophischen Forschung vom 15. Jahrhundert