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Der Israelit · 1901-08-19 · Heft 65 (19.8.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 65 (19.8.1901)
Date
1901-08-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«WMMMMMMWWWWDWWW 1436 bedeckten Straßen. Vorüberfahrende Wachen verursachen das Emporwirbeln mächtiger Staubwolken; an manchen Stellen tritt der ausgetretene, rissige Boden zum Vorschein. Am Wege stöhnt ein halbverkrüppeltec Bettler, der seinen matten, ausgetrockneten Körper aus Krücken fortzuschleppen sucht. Sehnsüchtig fällt der Blick seines halberloschenen Auges auf den Felachen, der einige Schritte von ihm entfernt Wasser zum Verkaufe feilbietet. Wasser! Hier das kostbarste, seltenste Gut, das uns jetzt der Zug tagtäglich in großen Massen zuführt. „Die mehrere Tage hindurch andauernden Regengüsse, welche die Erde getränkt haben sollen und die Gefahr der Dürre abgewendet," haben in Wirklichkeit nie stattgefunden, solche bestanden nur in der Phantasie des betreffenden Berichterstatters. Alles schreit nach Wasser; Menschen, Thiere, Pflanzen und der ausgetrocknete, unfruchtbare Boden. Jedes Auge, das klar sieht, und jedes Gehirn, das klar denkt — allerdings sind meistens Europäer Besitzer von beiden — muß von dem durch die Gluthhitze versengten Boden, den leeren Cisternen, die diesen Winter überhaupt nicht angesüllt waren, auf ein schreckliches Jahr schließen. Und der für Schönheit empfängliche Blick, der mit Entzücken das ewige, wunderbare Blau des Himmels in sich aufnimmt, eines Himmels, der auf soviel schreckliches Elend noch so heiter herabzulächeln versteht, der Blick verliert sich hier in den Hütten der Armuth. Dort wüthen die schrecklichsten aller Krankheiten, und glücklich diejenigen Menschen, welche der Tod hinwegrafft. Es sind elende, verlassene Geschöpfe, welche dem Eintretenden hier zu Füßen herumkriechen, Das hohle Auge des Hungers starrt einem an, und der abgemagerte, mit Wunden bedeckte Körper verlangt nach Nahrung. Dort in dem kellerartigen, fensterlosen Loch wälzt sich ein noch jugendliches Weib in der Fieberhitze auf einem Lager, das aus Lumpen besteht, an denen das Ungeziefer herumläuft. Nicht weit davon liegt eine Sterbende, die bereits bewußtlos und unbeweglich auf das sie umgebende Elend schaut. Dort siecht auch Israels Jugend dahin und versumpft unter Krankheit und Entbehrung. Lassen Sie uns jetzt die Stätte des Elends verlassen, aber nicht vergessen! Uersonatien. Zempelburq, W.-Pr. Am Sabbat Nachmu feierte die hiesige Synagogen-Gemeinde das 26jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Herrn Dr. Schick, der durch sein eifriges Wirken für die Erhaltung deS religiösen Sinnes sich die allseitigste Verehrung und Liebe erworben hat. Dem Jubilar wurden vielfache Ehrungen erwiesen. Feuilleton. -Hutl], Bon M. «sckol. 3J Der Angeredete entfernte sich. „Ich komme eben von meiner Reise zurück. Beim Eintritt in den Ort begegnete mir der junge Graf Konrad. „Jude, wo hast Du unsere Else versteckt, brauchst etwa Ehristenblut?" Ich stehe sprachlos. — „Gnädiger Herr, ich weiß wirklich nicht, was Sie meinen. Ich bin seit gestern früh in Geschäften Ihres Vaters auf Reisen gewesen, soeben komme ich nach Hause." — „Ausreden! nichts als Ausreden!" Und er machte Miene, mich zu mißhandeln, als er einen Reiter heransprengen hörte, es war der Graf. „Wart' Jude, wir sehen uns noch." Damit schlich er sich bei Seite, denn vor seinem Vater hat er gewaltigen Respekt. Der Gras hielt. „Jsak, das sind traurige Sachen. Ich weiß, Du bist unschuldig, wie Deine ganze Familie und Gemeinde. Aber das Volk ist erregt und kaum mehr zu bändigen. Ich bitte Euch, helfet unsere Else suchen." Rathlos und verzweifelt stand Jsak mit Frau und Tochter da. Jetzt tönte Stimmengewirr an das Ohr der Geängsteten. Von draußen drangen Rufe herein: „Geb! das Kind heraus." „Bleib hier, Jsak lieb," schrie Rifka, sich an ihren Mann klammernd. „Nein, ich muß hinaus. Ich will ihnen sagen, daß ich von nichts weiß, will sie fragen, ob sie mir, dem in Ehren ergrauten Haupt, eine böse Thal zutrauen können." Schon flogen Steine, als sie vor das Haus traten; Bauern und Knechte johlten und drohten mit allerlei primitiven Geräthen als Waffen versehen, allen voraus wütheten die Frauen. Im Hintergrund stand Konrad, selbst nicht betheiligt, aber im Geheimen die Leute hetzend und aufmunternd. Ein Gedanke blitzte durch Sara's Kopf. Sie theilte fest und muthig die Menge und stürzte sich Konrad zu Füßen. „Gnade, Herr! Gnade für meine armen Eltern, tödtet mich, doch schont meine armen Eltern." „Zu spät, schöne Sara, all' mein Warnen hilft nichts mehr, sie sind zügellos, obwohl ich ihnen mit Strafe drohte. Keine Macht vermag sie jetzt mehr zurückzuhalten. Sieh nur!"-sagte er höhnisch. Ein furchtbires Geschrei erhob sich jetzt. Sara wandte sich um. „Barmherziger Himmel!" Das Volk war in das Haus eingedrungen, „um Elsa zu suchen." Hausthüre und Fenster wurden zer-

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