Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 65 (19.8.1901)
- Date
- 1901-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1433 - wjpji lut-'I hangen" die Landesverweisung aller Juden auf ewige Seiten zun erstreben, damit wir wenigstens in unserem Deutschland vvr dieser Ntörderbande sicher sind. Bis aber das richtige Berständniß für die unbedingte Nothwendigkeit mindestens dieser Maßregel der Landesverlveisung alle Schichten der Bevölkerung erfaßt hat, muß erstrebt bezw. durchgesührt werden: 1) Polizeiaufsicht in der allerschärfsten Form für die unter uns lebenden Juden; 2) Duldung derselben nur in ganz kleiner kontrollirbarer Anzahl (kein Anhäufen der Juden in den Großstädten); 3) Schächt- und Schlachtverbot für Juden überhaupt; 4) Jsolirung in Schule und Gesellschaft, Entfernung aus Staatsämtern; 6) bei Bortominen eines Mordes, wo, wie in Könitz und Tanten, alle Spuren auf Juden weisen, wird die Hälfte des Vermögens aller Juden Staatseigenthum, entsprechend der 'Verbrechersolidarität der Juden; 6) hohe Kopfsteuer. Hoffentlich verdichtet der Herr Abgeordnete diese gesetzgeberischen Ideen zu einem Anträge im Reichstage. Eydtkuhncri, 12. August. (Grundsteinlegung.) Gestern Vormittag 11 Uhr fand die feierliche „Grundsteinlegung der neuen Synagoge" in Kibarty statt. Es wird in zwei Privat-Bethäusern dort jetzt die Andacht abgehalten, so daß schon seit Jahren der Wunsch nach einer Gemeinde-Synagoge sehr laut hervorgetreten, aber nun erst nach vielen Schwierigkeiten in Erfüllung gegangen ist. Die neue Synagoge ivird auf einem, den Goldberg'schen Erben gehörigen Gartenlande erbaut und wird 21 Fuß hoch, 105 Fuß lang und 100 Fuß breit werden. Nach dem vorliegenden Plan wird das Gotteshaus sich sehr schön und würdig ausnehmen. Die Kibartyer Gemeinde erbaut den Tempel aus eigenen Mitteln und sind sehr namhafte Beträge für denselben gezeichnet. Ist erst die allgemeine Synagoge fertig, dann soll mit Ernst und Eifer ein Friedhof in Kibarty angelegt werden. Diese Begräbnißstätte fehlt dort durchaus, da jetzt die Leichen bis nach dem mehrere Werst entfernt liegenden Wirballener jüdischen Friedhof gefahren oder getragen werden muffen. Eröffnet wurde die gestrige Feier mit der Absingung der russischen Nationalhymne von den Schülern der jüdischen Schule in Kibarty. Dann sprachen die Herren Rabbiner Law und Lehrer G o l d m a n n. Ersterer Redner wies an Hand biblischer Gleichnisse nach, wie schwer stets Tempelbauten bei den Israeliten (und so auch hier) zusammen gekommen seien, ermahnte zum Frieden und Zusammenhalten und allgemeiner Einigkeit. Auch möge über die bestehenden privaten' Bethäuser nicht gleich das Vernichtungswort gesprochen werden. Die Damen ersuchte der Redner, eine Kommission aus ihnen zu wählen zum Bau einer rituell vorgeschriebenen Badeanstalt (Mikwah) neben der Synagoge, wie solche auch anderwärts befindlich sei. Der zweite Redner, Herr Goldmann, sprach kurz, aber sehr zutreffend. Er hatte seiner Rede das „Hallel"-Gebet WWWWW untergelegt: „Oeffnet mir die Pforten des Heiles, ziehe ich ein, danke dem Herrn." „Dies ist die Pforte des Ewigen, die Gerechten ziehen hinein." „Ewiger, steh' uns bei! schenk Wohlgelingen!" Auch er erbat für den neuen Gottesbau Glück, Heil und Segen. Der Kantor der neuen Synagoge sang auf Hebräisch laut, deutlich und wohlklingend die Sabbat-Benediktionen, welchen er mit gedämpfter Stimme ein Gebet für den im Frühjahr verstorbenen Herrn Salomon Fräukel, dessen Lebensideal diese Synagoge gewesen, folgen ließ. Auch betete er für das russische Herrscherhaus. Die ersten drei Hammerschläge zum Grundstein des Tempels that dann Herr Rabbiner Law, ihm folgten als Vertreter der russischen Behörde Herr Landrath Link und Herr Gendarmerie-Rittmeister Gretschner aus Wilkowischken und Herr Bürgermeister Berdowsky- Kitbary; dann Lehrer Goldmann, die Vorstands- und andere Mitglieder der neuen Synagogen-Gemeinde, mehrere Gäste aus Eydtkuhnen. Drei fliegende, reichlich gedeckte Tafeln waren von den Damen Kitbarty's, denen hierfür Dank gezollt sei, hergerichtet. Arme wurden bespeist und mit Wein und anderen Getränken gelabt. Die erhebende Feier war zahlreich — auch von Andersgläubigen — besucht. Herr Photograph Jaswoin-Kitbarty hat den Moment, da die Festes-Theilnehmer an den Tafeln sich stärkten, im Bilde festgehalten. Die Sonne entsandte ihre goldenen Strahlen und schien sich auch ob des neuen, Gott geweihten Werkes zu freuen. Alles in allem war die Grundsteinlegung ein sehr feierlicher Akt, feierlich und gehoben auch die Stimmung der Theilnehmer. Alle gingen auf in dem Gedanken, daß ein so schönes und heiliges Werk endlich nach so vielen Mühen gelungen und richteten dankenden Blickes ihre Augen gen Himmel, Segen für den gottgeweihten Bau erflehend. Ed. S e g a l l. Meiningen, 12. Aug. Von Herrn Sally H a - n a u e r , Referendar am Landgericht Hannover, erhalten wir folgende Zuschrift: In der Nr. 61 des „Israelit" brachten Sie eine Korrespondenz aus dem Reg.-Bez. Osnabrück, worin der Beschluß der jüdischen Gemeinde zu Lingen betr. Schließung der israelitischen Volksschule als ein unheilvoller kritisirt wurde. Gestatten Sie mir, der ich die einschlägigen Verhältnisse und den „Machthaber" der Gemeinde genau kenne, an dieser Stelle mit einigen Worten darauf zu entgegnen, da der erwähnte Artikel wegen seiner subjektiven Färbung der Sache selbst nur zum Nachtheil gereichen kann. Die Gemeinde Lingen besteht aus etwa zehn Familien, die fast durchweg um ihr tägliches Brod schwer zu kämpfen haben. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder beträgt augenblicklich neunzehn. Seit einer Reihe von Jahren besteht in Lingen die israelitische Volksschule, deren Existenz als ein lange gehegter Wunsch der Gemeinde endlich durch einen Zuschuß seitens der Königlichen Regierung ermöglicht N DO —