Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1901)
- Date
- 1901-08-14
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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«WMWW WWWW WWWWWWWWM?^ 1436 «MW»«!>MUMWWWWWW welcher in Rußland nur den griechisch-orthodoxen Unterthanen den Besitz von Land gestattete, veranlaßte im Jahre 1889 110 jüdische, in Podolien ansässige Familien zur Auswanderung. Einer der vielen Auswanderungsagenten, die damals für Argentinien Propaganta machten, verkauft ihnen auf dem Papier Land in der Provinz Buenos Aires, welches, nachdem die Einwanderer hier angelangt, nicht zu den ausgemachten Bedingungen übergeben werden kann. Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde nahmen sich der Hintergangenen an und vermittelten ihnen den Ankauf von Land an der damals erst im Bau begriffenen Linie Rosario-Tucuman, wo sich denn auch 70 Familien auf der Höhe der Station Palacios, die übrigen 40 bei der folgenden Station Monigotes ansiedelten. Zu jener Zeit bedeutete diese Gegend in SantaFee so ziemlich den äußersten Grenzposten gesicherter Verhältnisse; iventt auch keine Indianer-Einfälle aus dem Chaco bis hierher mehr zu befürchten waren, so bildete diese Grenzregion des santafeecinischen Busches doch den Tummelplatz sog. Gauchos malos, die ihre Gründe hatten, sich dem Bereiche der Polizei der dichter besiedelten Distrikte zu entziehen. Erst nach monatelangen Verhandlungen setzten die Russen es bei dem Landverkäufer durch, daß die Auftheilung der zuerst erworbenen 10,000 Hektar nach ihrem Wunsche geschah und die Ansiedler in einem geschloffenen Dorfe beisammen wohnen durften, anstatt nach Art der italienischen Kolonisten, jeder auf seinem Gehöft allein. Männer, deren Vorfahren durch ein Jahrtausend hindurch in dumpfe Ghettos eingeschloffen gewesen waren, nahmen muthig den Kampf mit der Wildniß auf und brachen den harten Boden in Schollen, den bis dahin nur die Ameise und die Vizeacha durchwühlt hatten. Der sauren Arbeit schien nach einem Jahre froher Lohn zu winken; schon stand die iunge Saat in zartem Grün, da schwirrten von Norden her Wolken von Heuschrecken herab und vernichteten in einigen Stunden den Fleiß von Monaten. . . . Von dem Landverkäufer wäre weder Hilfe, noch selbst nur entgegenkommende Nachsicht zu erwarten gewesen, und es stand außer Zweifel, daß allen ehrlichen Anstrengungen des Anfangs zum Trotz die Kolonie eingegangen wäre, hätte nicht die inzwischen gebildete Kolonisations-Gesellschaft des Baron Hirsch die ungünstigen Kontrakte mit dem ersten Verkäufer abgelöst, durch liberalere Abmachungen, welche den Kolonisten Zahlung in zwanzig Jahresrathen gewährte, ersetzt, und zugleich die der Hülfe Bedürftigsten bis zur ersten guten Ernte mit Baarmitteln unterstützt. Doch noch waren die Prüfungsjahre der Kolonie nicht vorüber. Die neue Verwaltung mußte selbst erst lernen, wie man kolonisirt; sie beging u. A. in der ersten Zeit den großen Fehler, die den Kolonisten zugewiesenen Ackerloose auf den für amerikanische Verhältnisse einfach lächerlichen Umfang von 25 Hektar zu beschränken und die Ansiedelung durch Zuschub «ner zu großen Menge zum Theil wenig geeigneten Menschenmaterials zu überfüllen. Die Kolonie, welche dabei noch unter dem häufigen Wechsel der Verwaltung litt, machte so wenig Fortschritte, daß im Jahre 1893 der damalige Vertreter des Baron Hirsch, Kolonel Goldsmith, die Kolonie allen Ernstes aufheben wollte, und nur angesichts des entschiedenen Widerstandes der ersten Ansiedler sich damit begnügte, die von der Association selber dorthin gebrachten, sowie 22 der in Monigotes gegen di? Schwierigkeiten ihrer ungünstigen privaten Kontrakte aukämpfenden Familien nach der Provinz Entre Rios hinüber zu verpflanzen, Ivo die Gesellschaft mittlerweile große Landkomplere erworben hatte. Es ist der beste Beweis für den ernsten Willen, welcher die Kolonisten beseelte, daß sich die Mehrzahl derselben von allen diesen Widerwärtigkeiten der ersten Jahre nicht abschrecken ließ, sondern mit zäher Energie das einmal begonnene Werk fortführte. Es mußte gelingen, und es gelang, und zwar mit solcheur Erfolge, daß heute Moisesville die blühendste der drei Koloniegruppen der Hirsch'schen Association ist und schon seit Jahren alle Kolonisten nicht nur die Abzahlungen an die Gesellschaft ohne Mühe leisteten, sondern sich bereits zu einem bedeutenden Wohlstand heraufgearbeitet haben. Schon in grauender Morgenfrühe wird es in der Ansiedlung von rollenden Fuhrwerken lebendig. Ich hebe den schweren Sperrbalken auf, welcher die Thür meines Schlafzimmers gegen die Terasse des schmucken Eohen'schen Privathauses von ihnen sichert, heute nur mehr eine Reminiscenz der ersten gefährlichen Pionirjahre. Da mittlerweile auch um den Besitz der Jewish Association herum andere, meist von Italienern besiedelte Kolonien entstanden sind, haben sich die „Schmarren",!vie die Russen von Moisesville, die hier oben allerdings ineist sehr bronzefarbigen Gauchos bezeichnen, so weit sie gefährliches und arbeitsscheues Gesindel untren, weiter nach dem Norden in die Wälder des Ehaco verzogen. Durch den sorgfältig gepflegten Nutz- und Ziergarten des Verwaltungsgebäudes schreiten wir nach dem Hause des Herrn Fontana, in tvelchem sich auch die Bureaux befinden. Nach kurzem Imbiß besteigen wir das Break, auf welchem wir in der Folge, mit einer Mittagspause, kreuz und quer durch die Kolonie bis zum Abend etwa 80 Kilometer zurücklegen. Auf gut gebahnten, mit einem der Verwaltung gehörigen amerikanischen Wegevflug stets in gutem Zustand erhaltenen breiten Landwegen rollt unser Fuhrwerk in den frischen Morgen hinein. Zur Rechten lassen wir die kleine aber gefällige Synagoge, über deren Rundbogenthür in Hebräisch und Spanisch ein Spruch zur Nächstenliebe mahnt. Innen ist das Gebäude noch ziemlich schmucklos; man sieht, daß die Kolonisten sich zu Luxusausgaben noch nicht entschließen wollten und ihre Betriebsüberschüsse vor der Hand lieber in Kühen und Luzernesamen als in Teppichen und goldenem Zierrath anlegen. Hinter der Synagoge, ein kleines