Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-08-14 · Heft 64 (14.8.1901) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 64 (14.8.1901)
Date
1901-08-14
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449208--54021-2504625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

" ' I I _ .1111 J.. III. . I IITTTWlHipil^ I | l I lim Will III. .... I [IWPHi|lIII''''M>>W!IIWWB?W«!1!WW>WUWU 42, Jahrgang. Dritte Meikage zu M 64 des „Israelit".?ik . in llrptinini.“) B ii e n o S A t r e ö , Ende Juni. Die erste Hälfte der nie!)! ganz 000 .Kilometer, Ivelche >vir von Buenos Aires bis BtoiseSville zurück zulegen haben, verschliefen lvir znin Glück in den be^ qiienien ainerikanischen Wagen des Rachtschnell,zuges. Bon dieser grössten Tiefebene der Erde, die wie ein ungeheures Längsthal zlvischen den Anden ans der einen und dein brasilianischen Küstengebirge ans der anderen Seite den ganzen siidainerikanischen Continent, von den kahlen GeschiebeplateauS Patagoniens bis zu dein Aandgebirge des Antillenmeeres, durchsetzt, ist auf den Antheil Argentiniens lvohl das eintönigste, freilich auch das fruchtbarste Stück, die Pampa, diese grasbedeckte Lößebene, entfallen, deren uferloser Horizont erst weit im Rordeu im Dunkel der subtropischen Wälder des Ebaros nntertaucht. Was wir trotzdem von dieser Pampa am anderen Tage in den nur zu langen Stunden dieser Fahrt noch zu Gesicht bekommen, ist hier, in der inzwischen erreichten Provinz Santa Fee, besonders gegenwärtig, in den Wochen des Südwinters, welcher an Milde freilich eher einem deutschen Frühling ähnelt, ivoinöglich noch monotoner, als was wir in der Provinz Buenos Aires zu sehen gewohnt sind. Santa Fee ist die Weizenprovinz pmn exceltmraa in welcher, neben dem Schweizer, der Italien?'' den Getreidebau gewissermaßen fabrikmäßig im Großen betreibt, und wo deßhalb die blaßblaite Kimmlinie des Horizonts nicht einmal durch die schmalen dunklen Bänder der kleinen Eukalhptuspslanzungen unterbrochen wird, welche weiter im Süden stets die Lage des darin versteckten Herrschaftshauses der Viehzuchts-Estanzia kennzeichnen. Wie auf hoher See schweift der Blick in die endlose Weite: in dem Gewoge der frisch gepflügten Ackerfurchen scheint da und dort ein Kvlonistenhäuschen wie eine verlorene Boje zu schlvimmen, und die einzige Abwechslung in dieses einförmige Landschaftsbild bringt die Farbe des Bodens, ans welchem der braune Ton des charakteristischen Unkrautes brachliegender alter Weizenäcker mit dem silbergrau im Winde wallenden Hartgras des wilden Kamps, den schwarzen Schollen des soeben für die Aussaat zugerichteten Getreidefeldes und endlich die dunkelgrünen Flächen der Lnzernewiesen einander ablösen. Der santafeecinische Kolonisations-Bezirk der von dem Baron Hirsch gegründeten „Jewish Kolonisation *) Mit treundlickier Erlaubniß des Verlags der „Frankfurter Leitung" entnehmen wir^'diesem Blatte die vorstehenden»? "nndkl noch späterhinLküber diesen Gegenstand erscheinenden Artikel. Red. d. „Jör." Association" erstreckt sich als etwas ausgezacktes Rechteck von rund 40 Kilometer Länge bei 25 Kilometer Breite zu beiden Seiten der nach dem früheren Besitzer des Landes benannten Station Palaeios an der Vollbahn Rosario-Tucuman bis zu der Station Moisesville an der östlichen, schmalspurigen Parallel-Linie; die Hauptansiedelung liegt ziemlich genau in der Mitte zlvischen beiden Bahnen, von der verkehrsreicheren und deßhalb für unsere Reise bequemeren Station Palacios etwa 15 Kilometer entfernt. Wir sind hier, auf dem 01. Breitegrad, bereits nahe an die Vegetationsgrenze gelangt, wo die offene Graspampa allmählich in die Buschvegetation und später die ausgedehnten, aber nicht unterbrochenen Wälder des Chaco überzugehen beginnt. Der jungfräuliche Kamp ist bereits übersät mit den zahllosen, meist verlassenen und dann von hohem Schopfgras mit nickenden Rispen überwachsenen Ameisenhaufen, den sog. Tacurus, welche die beste Ackerkrume enthalten, und, da die Ameise Sumpfland verschmäht, hier als Merkmal besonders fruchtbaren Landes angesehen werden. Da der Verwalter der Kolonie, Herr Miguel Eohen, in Erwartung eines Familien-Ereignisses zur Zeit meines Besuches in Buenos Aires zurückgehalten wurde, so empfing mich an der Station Herr Salomon Alerinitzer, Mitglied des Gemeindevorsiandes und zugleich einer der ältesten Kolonisten von Moisesville. Ihm, sowie dem Bureauchef, Herrn Fontana, in dessen Familie ich freundliche Aufnahme fand, verdanke ich manche werthvolle Mittheilung über die Entwickelung der Kolonie. Ich verlor meine Zeit nicht, während unser Break die gut gehaltenen breiten Landwege zwischen den fast ausnahmslos mit Draht eingezäunten und Paraiso-Bätlmen eingefaßten Feldern dahinrollte, und als wir bei sinkendem Abend unter dem hoch über die Straße an zwei Stangen gespannten Drahte des Eiruw, den ich zuerst für ein Telephon hatte ansehen wollen, in das religiöse Weichbild des eigentlichen Moisesville einsuhren, wußte ich bereits, wie viel ehrlichen Schweiß, wie manches Opfer, aber auch welch' anerkennenswerthes Maß von moralischer Energie es gekostet hatte, um allen Widerwärtigkeiten der ersten Jahre zum Trotz auf diesem kleinen jüdischen Herzogthum die todte Einöde zu dem Leben einer thatkräftigen Kolonie zu erwecken, und zwar mit Leuten, von denen der größere Theil zum ersten Male hier in Südamerika einen Ochsen geschirrt und den Pflug in die Furche gedrückt hatte. Es verdient als besonders bezeichnende Einzelheit der hiesigen jüdischen Kolonisation hervorgehoben zu werden, daß Moisesville dem hochherzigen Unternehmen des Baron Hirsch zwar seine jetzige Existenz, aber nicht seine Entstehung verdankt. Jener Ukas Alexanders III., ^0018874

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.