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Der Israelit · 1901-08-14 · Heft 64 (14.8.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 64 (14.8.1901)
Date
1901-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1404 Die Leichtfertigkeit, in der man in verschiedenen Gemeinden den Kohanim-Segen abgeschafft hat, scheint in der Tendenz unserer ganzen Zeitströmung zu liegen, welcher der Besuch des Gotteshauses und das Gebet als lästige Beigaben zu der Feier der Festtage gelten. Daher stammt die Parole: „Kürzung und Streichung der Gebete zur Erhöhung der Andacht." Wir brauchen hier nicht darauf hinzuweisen, wie ungenügend und fadenscheinig die innere Abneigung gegen das Verweilen im Gotteshause durch diese Phrase drapirt wird. Man braucht sich nur die Konsequenz zu vergegenwärtigen, zu welcher diese Phrase führt. Wenn die Andacht umso größer ist, je kleiner das Gebet wird, so müßte die denkbar größte Kürze des Gebets — also gar kein Gebet — die höchste Andacht zur Folge haben. Das ist auch die Herzensmeinung derer, die an Sabbat und Festtagen nicht spät genug die Gebetszeiten festsetzen und nicht früh genug das Gotteshaus wieder verlassen können. Aber diese ihre Herzensmeinung sollten sie heraussagen und ihr gemäß handeln, indem sie den lästigen Zwang abstreifen, den für sie jeder Shnagogenbesuch bedeutet. Das wollen sie aber nicht. Er ist ja für Viele noch die einzige, offizielle, äußere Bekundung ihrer Zugehörigkeit zur Gemeinde. Je weniger sie daher auf diese Anstandsvisite gänzlich verzichten möchten, die sie ihrem Gotte an den Festtagen in Seinem Hause machen, desto eifriger sind sie darauf bedacht, diese Visstte möglichst abzukürzen. Das hat ihnen den Rothstift zur kritischen Sichtung und Verstümmelung unserer heiligsten Gebete in die Hand gedrückt und bei dieser Razzia pflegt der Kohanim-Segen — das Duchenen — eines der ersten Opfer zu sein. Er ist ihnen ja kein obligater Vestandtheil unserer Festgebete, da er doch vom Vorhandensein von Kohanim abhängig ist, da es Gemeinden ohne Kohanim gibt, in welchen also auch der Kohanim-Segen wegfällt. Sie handeln wie in allem, auch in diesem Punkte inkonsequent. Es gibt Gemeinden, welche entgegen der alten Väterütte die zur Thora Aufzurufenden nicht mit ihrem und des Vaters Namen, sondern, wie es sonst nur in Zuchthäusern vorzukommen pflegt, mit Nummern '2"vni -»imn aufrufen. Aber beim 'v fallen sie aus der neuen Rolle und da kommt wieder der alte jüdische Name zur Geltung. Wir haben wenigstens noch nicht einen “p'BP 'v gehört, in dem es 'V2">n n«i 'v>'brr>7, n« ■pi’’ «in heißt. Es scheint, so gleichgiltig ihnen auch der Ruf zur Thora ist, an dem Segen, mit dem sie diejenigen, welche ihrem Ruf folgten, wieder entläßt, möchten alle mit voller Firma theilnehmen. Aber indem sie D'jnB rD*ß abschaffen, legen sie selbst für den ihnen zu spendenden Segen eine Gleichgiltigkeit an den Tag, die ihnen doch sonst fremd ist.! Wenn man sich mit diesen Reformatoren erst in , eine Diskussion einläßt, so tritt so viel Unverstand zu! Tage, daß man manchmal versucht ist, diese Streicher | für unsere Gebet für automatische Streichinstrumente zu halten. Es ist uns ein Fall bekannt, daß ein Rabbiner, der bei Antritt seiner Stelle auch diese Reformen vorfand, den Vorstand auf das Ungehörige derselben aufmerksam machte. Es wurden in dieser Gemeinde f.n3 und nS nicht zuerst zur Thora gerufen und die jüdischen Namen der Aufzurufenden waren durch Nummern ersetzt. Der Vorstand war harthörig und nicht eines Besseren zu belehren. Aber eines schönen Jomtof-Morgens, nach beendigtem Morgengebete, hatte der Vorstand sein Gehör wiedergefunden. Triumphirend kam er zu dem Rabbiner und fuchtelte mit seinem Machsor in der Luft umher. Orthodoxer als dieses braucht man doch nicht zu sein, und da zeigte er dem verdutzten Rabbiner, wie da auch nichts von den Namen stünde, dagegen wäre jede Parascha durch ’rm abgetheilt, was gewiß nicht der Fall wäre, wenn es sich wirklich um eine so große Reform handelte. Lächelnd erwiederte der Rabbiner: „Diesmal haben Sie mich überwunden, und von heute ab verspreche ich Ihnen, daß das Machsor mir maßgebend sein soll. Aber ich verlange auch dasselbe Versprechen von Ihnen." „Dazu bin ich jeder Zeit bereit; hier haben Sie meinen Handschlag." „Nun sehen Sie sich einmal die Seite vorher an: da finden Sie auch die erste und zweite Parascha mit dem Vermerk f,-i: und '^abgetheilt: also bestehe ich auf meinem Schein, wie Sie auf dem Ihrigen." Das konnte der Herr Vorsteher, nachdem er das Machsor selber als Schiedsrichter vorgeschlagen hatte, nicht mehr ablehnen, und so gelang es dem Rabbiner, wenigstens den schwersten der beiden Mißbräuche abzustellen. Der Hinweis auf das irwnp: und "xb rrrr pnp im ITT. B. M., Eap. 21, V. 8, hatte diesem Pärnus nicht genügt, aber der Autorität des “mnö hat er sich stillschweigend unterzogen! Mir führen diese thatsächlichen Vorkonunnisse hier an, als Beweis für die unglaubliche Unwissenheit in den primitivsten jüdischen Anliegen, die sich leider so vielfach geltend macht. Außer den von uns oben erwähnten Motiven ist es in erster Reihe diese betrübende Unwissenheit, welche den religiösen Verfall im allgemeinen und auf die Verkennung der Bedeutung der Kohanim zur Folge hat. Es erscheint unter diesen Verhältnissen als nächste Pflicht der Herren Rabbinen und Lehrer, in deren Wirkungskreis die Bedeutsamkeit von B'inv mrnp und w27>2 nm verkannt wird, sie wiederholt in eindringlicher Weise den Gemeinden an's Herz zu legen. Es kann dies nicht schwer fallen. Der Wunsch nach ns-* ist wohl der allen am meisten gemeinsame. Es sind nicht die Kohanim, die diesen Segen spenden, es ist Gott, der ihn durch die Kohanim der Gemeinde zuweist. Aufgabe der Kohanim ist: bv 'vrr> n« wi, „den Namen Gottes auf die Kinder Israel zu legen," d. h. das Bewußtsein zu wecken und zu fördern, daß

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