Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 63 (12.8.1901)
- Date
- 1901-08-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Hii_^nnuiipj|i'ii ui Hin ji iii|iii|iiy ....in i ii i di ii inniii||i|pji ijimi i MM l l I w 1"rLirn- 1390 gestiegen und haben dann versucht, durch ein Fenster der Leichenhalle, das sie zum Theil zertrümmerten, einzusteigen,- da ihnen dies nicht glückte, zerschlugen sie den aus Glas bestehenden oberen Theil der nach Westen gelegenen Eingangsthür der Halle und stiegen durch die so geschaffene Oeffnung in die Halle und versuchten den zum Transport der Leichen vom Keller zur Halle dienenden Aufzug aufzuheben, worauf die Spuren von einem Meißel hindeuten. Den Spitzbuben gelang aber auch dies Vorhaben nicht, dagegen fiel ihnen der Meißel durch die Spaltöffnung in den Keller. Sie warfen nun alles bunt durcheinander, rissen von der Kanzelbekleidung die Goldborte ab und nahmen sie nebst einem Handtuche als Beute mit. Den Rückweg aus der Halle nahmen sie durch Fenster in den Seitenthüren, die sie von innen öffneten. Nach den zurückgelassenen Spuren hat man es mit Einbrechern zu thun, die in ihrem Fache keine Neulinge sind. Könitz, 6. Aug. Wir haben bereits mitgetheilt, daß die Behörde den Brandstiftern zu dem Synagogenbrand auf der Spur ist und fernere Verhaftungen bevorstehen. Die Art, wie es nach mehr als dreizehnmonatlichen vergeblichen Nachforschungen gelang, die Thäter aufzufinden, ist nicht uninteressant. Wie bekannt, war in der Gerichtsverhandlung gegen den Privatdetektiv Schiller auch davon die Rede gewesen, daß der Klempnergeselle Schlichter der Theilnahme an der Brandlegung des Synagogenschuppens verdächtigt wurde. Letzterer fühlte sich durch eine dahingehende, an den Prozeßbericht angeknüpfte Bemerkung der „Ostdeutschen Tageszeitung" beleidigt, verlangte eine Berichtigung und wandte sich, als diese abgelehnt wurde, um die Aufnahme zu erzwingen, an die Polizei. Bei seiner Vernehmung verwickelte sich Schlichter in immer ärgere Widersp-stche und, in die Enge getrieben, denunzierte er schließlich den Barbierlehrling Gliede, dessen Verhaftung daraufhin erfolgte. Man kann auf die weitere Entwickelung der Angelegenheit gespannt sein. Bekanntlich war von antisemitischer Seite die niederträchtige Lüge verbreitet worden, daß „die Inden selbst die Synagoge angezündet hätten, um sich als Opfer der antisemitischen Verhetzungen hinzustellen und so den Verdacht, daß die Mordthat an Ernst Winter von Juden verübt wurde, zu entkräften." Es ist darum doppelt erfreulich, daß endlich Licht in die Angelegenheit kommt. Vielleicht wird die Eruirung der Anstifter auch über andere dunkle Punkte die ersehnte Aufklärung schaffen. München, im Aug. Heute beging der „Verein Jüdischer Studenten" an der Universität München seine Semesterschlußveranstaltung, zu der sich eine stattliche Zahl von Gästen eingefunden hatte. Unter anderen bemerkten wir die Herren Rabbiner Dr. Werner, Dr. F i n k e l s ch e r e r , den Vorstand der Bne-Vrith- Loge u. s. f. Nachdem der erste Chargirte, stud. med. Max Sichel die Kneipe mit einem Salamander auf Seine Kgl. Hoheit den Prinzregenten Luitpold von Bayern eröffnet, wurde begeistert das Farbenlied angestimmt. Hierauf begrüßte der zweite Chargierte, cand. math. L e b e r in a n n , im Namen der Verbindung die Gäste; er führte etlva aus, daß fast alle großen Ideen, besonders der Gebaute der Freiheit, ihren Ursprung in der akad. Jugend suche und daß dieselbe in jugendlicher Begeisterung au der Nealisirung solcher idealen Ziele stets tüchtig mitgearbeitet hat. Auch für den jüdischen Studenten sei die Zeit gekommen, ihre Stamiuesgeuosseu von dem Haß und der attgeuleinen Anfeindung befreien zu helfen. Zum Schluffe bat er die Gäste, an diesem Ziele kräftig mitzuwirken. Hierauf ergriff der erste Chargierte, stud. med. Sichel, das Wort und gab in kurzer Rede einen Bericht iiber die Leistungen der Verbindung im verflossenen Semester. Dieses Resümee zeigte einen recht erfreulichen Fortschritt der Verbindung auf der von ihr beschrittenen Bahn. Durch reichen Beifall gaben die Anwesenden ihre Zufriedenheit mit der Semesterarbeit kund. Die Festesstimmung erreichte ihren Höhepunkt, als cand. med. Rück in herrlichen, schwungvollen Worten die Tendenzen des Vereins darlegte. Er betonte, daß der „V. I. St." zum Zwecke des Zusammenschlusses aller jüd. Studenten begründet worden sei, die sich bewußt als Juden fühlen, die sich ihres Judenthums nicht schämen; er hob hervor, daß die Verbindung ihr Hauptziel auf die Erhaltung jüd. Wesens und jüdischen Geistes richte. Er bewies die Nothwendigkeit eines Zusammengehens aller jüdischen Studenten in diesem großen Streben, indem er aus den Druck von außen und den Jndifferentismus im eigenen Lager, als den größten Feind der westeuropäischen Juden, hinwies. Langanhaltender Beifall lohnte den Redner für seine Ausführungen und in der gehobenen Stimmung ergriff Herr Rabbiner Dr. Finkelscherer das Wort, um seine und aller Anwesenden Sympathien dem Vereine auszudrücken. Gast Herr cand. jur. Friedb e r g drückte im Namen der erschienenen Akademiker der Verbindung seinen Dank aus; cand. chem. B e h rm a n n dankte im Namen des Verbandes Jüdischer Studirender an den Hochschulen zu München. Noch lange wechselten fröhliche Kommerslieder mit Musikvorträgen, und die Mitternachsstunde war längst verstrichen, als der offizielle Theil geschlossen und die Fidelität eröffnet wurde, welche die Festtheilnehmer noch lange in froher Stimmung beisammen hielt. Strastbnrg, im Aug- Am 1. August schloß das erste Semester der hiesigen neugegriindeten Religionsschule. Um das Zustandekommen derselben hat der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde, insbesondere die aus demselben gewählte Schulkommission: die Herren M. Blum, Abraham Oppenheimer,