Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-08-12 · Heft 63 (12.8.1901) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 63 (12.8.1901)
Date
1901-08-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449207--53981-2504584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1388 so auch der Feind der Orthodoxie. Orthodoxie ist Thorakenntniß; der Jndifferentismus ist die Unwissenheit! Orthodoxie ist die Begeisterung, die Opferwilligkeit, die Hingebung; der Jndifferentismus ist die Kälte, die Selbstsucht, die Armuäh des Gemüths und der Thatkraft. Der Jndifferentismus ist schlimmer, als der Haß, so gewiß, als der Tod schlimmer ist als Krankheit. Gegen den Jndifferentismus gibt es keinen Kampf; er kämpft nicht und kann nicht bekämpft werden. Was ist die Aufgabe der Orthodoxie gegenüber dem religiösen Jndifferentismus der Gegenwart? Das ist die große Frage! Hier muß der „große Adler" unserer Geschichte, hier muß M a i m o - nides als Erzieher auf uns wirken! Die Orthodoxie, weil sie die Begeisterung, weil sie die Hingebung, weil sie die Glut und der Reichthum des Herzens, weil sie das „wache Herz" im schlafenden Organismus ist — iv ’2*>i ’JX — die Orthodoxie hat die große Aufgabe, die unendliche Größe des alten, echten Judenthums auch gegenüber dem Geiste unserer großen Zeit in's rechte Licht zu setzen, nicht mit Worten, nicht mit Lobpreisungen, sondern mit Darstellungen, mit lebensvollen Werken, wie es unser großer Lehrer Rabbenu Mosche bar Maimun in seiner Zeit gethan hat. Die Orthodoxie hat die große, unendlich schwere, aber unendlich ruhmvolle Aufgabe, in allen Gebieten auf die Höhen der Zeit hinauszutreten, und von diesen Höhen aus den Kindern der Zeit zu zeigen, welche erhabene Höhe des Geisteslebens das alte, unverfälschte, traditionelle Judenthum für alle Zeiten bildet! Die Orthodoxie, die auf der einen Seite mit npTn w mit der scharfen Waffe dem Gegner furchtlos entgegentritt, sie hat auch die Aufgabe der Liebe in's Auge zu fassen, ein „Führer der Verirrten", S'212: N112. zu sein! Der Kampf ist nxi'2 n*ii2v. ein „Werk der Furcht," er werde gekrönt durch N2.ixv mny durch „Werke der Liebe." der liebevollen, philosophischen und poetischen Darstellungen des Judenthums in den anziehenden Formen der modernen Zeit. Aufgaben, wie sie Prof. Lazarus in seiner „Ethik des Judenthums gestellt waren, müssen von orthodoxer Seite von Männern, die nicht bloß mit dem Judenthum ko kettiren, sondern die durch und durch, mit dem Herzen und im Leben, Juden sind, auf philosophischem Gebiete unternommen und gelöst werden, und ebenso darf die heilige Harfe, die in unserer Zeit Michael Sachs in seinen „Stimmen vom Jordan und Euphrat" so herrlich angeschlagen, nicht verstummen, sondern sie muß für die Kinder unserer Zeit in zeitgemäßen Weisen von echten Zions-Liedern ertönen, um (2^2" ywö) die Schlafenden zu wecken. Von dem Könige in Israel verlangt der Wochenabschnitt: rwö tix ib 27121 17112*12 X22 by 17122*2 d by 71X rn N1171N. „Und wenn er auf dem Königsthrone sitzt, dann schreibe er die Wiederholung dieser Lehre in ein Buch nieder." Das wird von unseren Weisen, angeführt von Nascht, so aufgefaßt: '122 '2 127 nXtt'1 71D2J2* 'XI VTJj 7V22 7inj'2 XW 'X 711*1171 „Der König habe zwei Thora-Bücher! Das eine sei bei seinen Schätzen in der Schatzkammer, und das zweite habe er, neben seinen Waffen, beim Auszug und beim Einzug. Die Orthodoxie muß auch darin der „König auf dem Throne" des Judenthums sein, daß sie neben dem Kampfe für die Thora auch die ewigen „Schätz e" der Thora in den Schatzkammern des Geistes zur Anerkennung bringt. Die Orthodoxie muß d a r u m dies als ihre Aufgabe betrachten, weil die Reform abgewirthschaftet hat und deren Vertreter nicht die Fähigkeit dazu besitzen. Die schöpferische Thätigkeit war zu allen Zeiten heimisch in Israel. Schöpferisch f ü r die Zeit können wir aber nur sein d u r ch die Zeit! Wir müssen stets die Zeit in unfern Dienst nehmen, um Gott und Seiner Lehre recht zu dienen, wie dies bei allen Großen unserer Vergangenheit, besonders aber bei N. Mosche b. Maimun hcrvortritt. Unser Losungswort sei darum in diesem Sinne: Maimonides als Erzieher! Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, im Aug. (E in antisemitisches P o s s e n s p i e l.) Um der aberwitzigen Ritualmord- Legende einen Schein von „wissenschaftlicher" Grundlage zu verleihen, hat der „Germanische Volksbund" der Herren Förster, Böckel und von Mosch neuerdings eine Rundfrage betreffs des jüdischen „Ritualbezw. Vlutmordes" veranstaltet, und zwar, wie die „Staatsbürg. Ztg." sagte, „bei hervorragenden Männern der Wissenschaft und des praktischen Lebens." Der Fragebogen enthält folgende Fragen: 1) Gibt es nach Ihrer Ansicht Juden, die zu rituellen, religiösen oder sonstigen anderen Zwecken Menschenblut gebrauchen und darum den Ritualmord oder den Blutmord begehen? Und womit begründen Sie Ihre Ansicht? 2) Wenn Sie von der Wahrheit dieser Beschuldigung überzeugt sind, wodurch erklären Sie deren Berechtigung und welche Beweggründe nehmen Sie (seitens der Juden) an? Was halten Sie für das geeignetste Mittel zur Ausrottung dieser entsetzlichen Verbrechen? Ueber das jämmerliche Ergebniß dieser Umfrage schreiben die „Mittheilungen ans dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" unter anderem Folgendes: „Es war nicht leicht, „hervorragende" Männer in nennenswerther Zahl aufzubringen. Aber die Herren wußten sich zu helfen. Unter den Theologen begegnen wir dem Professor Rohling und dem Pastor Krösell,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.