Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 62 (8.8.1901)
- Date
- 1901-08-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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4L. Jahrgang. Zweite Anlage zu X> 62 des „Israelit". Mterari scher Aerichl. Tie Jnsrlrriften des alten Friedhofes der idr. Gemeinde zu Frankfurt a. M. Mit einer Einleitung von Dr. M. Horovitz, Rabbiner. Frankfurt a. M. I. H auff m ann 1901. 53 B. u. 768 S. Um die Geschichte der seit Jahrhunderten hochbedeutenden Frankfurter Gemeinde hat sich Rabbiner Horovitz durch eine stattliche Reihe von Schriften und Aufsätzen wiederholt sehr verdient gemacht. Wir nennen nur die trefflichen Arbeiten über die Frankfurter Rabbinen und die jüdischen Aerzte in Frankfurt a. M. Jetzt läßt der verdiente Forscher die Steine zu uns reden, indem er die Frankfurter Gemeinde veranlasse, die Inschriften von fast sechstausend Grabsteinen des berühmten alten Frankfurter Friedhofes zu veröffentlichen. So viele Grabsteinsammlungen auch herausgegeben wurden, seitdem man den hohen historischen Werth dieser Lapidarinschriften erkannt hat, so ist uns keine Sammlung bekannt, die auch nur annähernd dieser Frankfurter Sammlung an Umfang gleichkommt. In Prag, wo die Ehewra Kadischa schon seit Jahrzehnten in mustergiltiger Weise die Inschriften des dortigen weltbekannten alten Friedhofes ausgezeichnet und geordnet hat, also die Vorarbeiten zur Herausgabe so gut wie vollendet sind, konnte man sich bis jetzt der hohen Kosten halber zur Veröffentlichung dieses Schatzes nicht entschließen. Die nicht genug anzuerkennende Generosität des Frankfurter Gemeindevorstandes wird wohl hier und auch an anderen Orten ermunternd und beispielgebend wirken. Während man bis jetzt bei der Veröffentlichung von Grabschriften mehr oder minder willkürlich verfahrend, aus der Mitte vieler Denkmäler meist nur solche herausnahm, die auch anderweitig bekannten Männern und Frauen gesetzt waren, so hat man in Frankfurt, von einem höheren wissenschaftlichen Takt geleitet, unterschiedlos das ganze zu Gebote stehende Material aufzunehmen gesucht. Jeder aufmerksame Leser der vorliegenden Sammlung wird, geleitet von den lichtvollen Vorbemerkungen des Herausgebers, erkennen, daß oft in den unscheinbarsten Inschriften aus vergangener Zeit Werthvolles für die Kulturgeschichte enthalten ist. Die nach Jahren geordneten Epitaphien klären viele dunklen Punkte aus dieser und jener Epoche der Frankfurter Gemeindegeschichte auf. Auch Aufzeichnungen, die an andern Orten gefunden wurden, werden oft aufgehellt durch die Erinnerungen, die hier die Steine bewahrt haben. Dem Schreiber dieser Zeilen zum Beispiel wurde jüngst eine Inschrift auf einem Synagogengeräth, wahrscheinlich aus der Pfalz, vom Jahre 5462 (1702) gezeigt, worauf der Name des aus Frankfurt a. M. stammenden Vaters des Spenders etwas schwer zu entziffern war. Dieser Name fand sich beim Nachschlagen im vorliegenden Buche sofort unter Nr. 936 als der des Dajan R. Joel Chasan zum Gelben Ring, der im Jahre 5426 (1666) gestorben ist. Wenn andere Gemeinden, bei denen sich zahlreiche Grabsteine aus alter Zeit erhalten haben, dem Frankfurter Beispiel gefolgt sein werden, so werden aller Orten räthfelhafte, unleserliche Aufzeichnungen in deutlicher Sprache zu uns reden. Wie werthvoll das iöntf) für die Gelehrtenu. Familiengeschichte ist, läßt sich gar nicht sagen. Die Lebensdaten der vielen Träger hochberühmter Namen, die in Frankfurt lebten und starben, kennt man zum großen Theile schon lange. Wen wird es aber nicht interestiren, auch etwas von den Lebensschicksalen der nächsten Angehörigen unserer Großen zu erfahren? Wie anziehend ist es z. B., sich aus den ungefähr 40 Epigraphien der Familie Sofer den Stammbaum des Chafsam Sofer, des berühmten aus Frankfurt stammenden R. Moses Sofer zusammenzustellen! Wird man nicht mit großer Aufmerksamkeit die Nummern 3638 und 5097 lesen, die uns von den Eltern dieses großen Mannes, R. Samuel und Rösle, geb. Chafam, erzählen? Stolz ziehen hier an uns die Namen aus den alten Frankfurter Familien an uns vorüber, die auch sonst in Israel einen Hellen Klang haben. In großer Zahl stehen sie dicht zusammen, die Denkmäler der Adler, der Bing, Dann, Kann u. Kulp, Emden, Flesch, Fuld, Hahn, Mainz, Reiß. Rothschild, Scheyer, Speier, Schiff, Schwarzschild, Zunz u. A. Unser Buch macht diesen mit Recht adelsstolzen Familien eine Ahnenprobe sehr leicht. Geben wir jetzt dem gelehrten Herausgeber und seinen Mitarbeitern den Zoll unseres Dankes, indem wir mittheilen, was unser Werk außer dem Text der Inschriften,die 1881 von Herrn Chaim Meier Horovitz, mit einem tüchtigen Hülfsarbeiter, unter Ueberwindung großer Schwierigkeiten, ausgenommen wurden, noch Schätzenswerthes enthält. Der Herausgeber beschenkt uns neben dem inhaltreichen Vorwort mit einer Geschichte des jüdischen Grabsteins, mit einer Geschichte des alten Frankfurter Friedhofes, die zugleich ein werthvoller Beitrag zur Ge> meindegeschichte ist, mit einer Statistik des Personalstandes der Frankfurter Jsr. Gemeinde, die bis 1241 zurckgeht; dann werden einzelne Inschriften eingehend behandelt, im Schlußkapitel werden, als Nachträge zu den Inschriften, vier Grabsteine besprochen, die jüngst beim Erweiterungsbau der Synagoge am Börneplatz unter Schutt und Geröll gefunden wurden, und bei dieser Gelegenheit wird auch eine hochwichtige Grabschrift wiedergegeben, die noch an ihrer geheiligten