Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 62 (8.8.1901)
- Date
- 1901-08-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1373 Auch wir fühlen und empfinden mit der tieftrauernden Familie diesen herben Verlust. Der Verblichene war, obgleich noch ein Jüngling an Jahren, doch schon ein Soken an Weisheit. Ein wirklicher, nach des Wortes reinster Bedeutung b xn D'jpr p. Wenn getheilter Schmerz, halber Schmerz, und Theilnahme ein Trost ist, dann kann es unserem verehrten Herrn Rabbiner nebst seiner geschätzten Familie ein beruhigender Trost sein, da nicht allein der Schmerz getheilt, sondern auch die Theilnahme bei Nah und Fern groß ist. Dem so früh Dahingeschiedenen wird in allen seinen Bekanntenkreisen ein ehrendes, dauerndes Andenken bewahrt werden. Der Allgütige, welcher den trauernden Hinterbliebenen seinen himmlischen Trost senden möge, laffe den Jüngling, der in seinem Frühling dahinschwand, des ewigen süßen Friedens theilhaftig sein. b fn übt?. Jos. Herz. Hegenheim, 6. Aug. In Sierenz (O.-Els.) fand Mittwoch, den 31. Juli, die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Zahlreiche Israeliten aus der ganzen Umgegend waren aus diesem Anlaß erschienen. Die Feier begann Nachmittags in der alten Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Schüler, Hegenheim, den Gefühlen der sich von ihrem Gotteshause verabschiedenden Gemeinde in beredten Worten Ausdruck verlieh. In langem Zuge bewegten sich hierauf die Festgenoffen dem neuen Gotteshause zu, wo Herr Oberrabbiner W e i l l - Colmar und Herr Gemeinderabbiner L e v y in ihren Festreden Wesen und Bedeutung der Synagogen schilderten. Den gesanglichen Theil hatten die Kantoren der benachbarten Orte übernommen. Auch der christliche Ortsgesangverein ließ es sich nicht nehmen, durch Vortrag von Liedern das Fest zu verschönern. Wohlthuend wirkte ebenfalls die Rede eines christl. Gemeinderathsmitgliedes, der seiner Freude über das friedliche Einvernehmen zwischen den beiden Konfeffionen ausdrückte. Ein Festbankett gab der Feier einen schönen Abschluß. Oester r. - Ungar. Monarchie. Budapest, Ende Juli. Dem Berichte der Pester Chewra Kadischa, der ein Spiegelbild der segensreichen Wirksamkeit derselben bietet, entnehmen wir folgende Daten: Zunächst gedenkt der Bericht des Verlustes, den der Verein durch das Ableben des Baron Siegmund Schosberger und des Ausschußmitgliedes I. Pfeiffer erlitten hat. (Präsident Ehrlich weilte damals noch unter den Lebenden.) Das vom Heiligen Verein erhaltene Siechenhaus, welches derzeit 63 Bewohner hat, verursachte einen Kostenaufwand von 40,166 Kr., der separate Siechenhausfonds beträgt 180,830 Kr. Das 19,542 Kr. betragende Gebahrungsdefizit deckt die Chewra. Für die Versehung der in den öffentlichen Spitälern darniederliegenden Kranken mit ritueller Kost wurden 1719 Kr. verausgabt. Die für Armettunterstützung verausgabte Summe beträgt 86,999 Kr. Durch den Verein wurden insgesammt 2664 Tode beerdigt. Die Leichenbestattungsgebühren wurden nur in 704 Fällen entrichtet, in 1644 Fällen erfolgte die Beerdigung kostenlos, wodurch 61,700 Kr. Ausgaben erwuchsen. An verschämte Arme, an erkrankte Vereinsmitglieder wurden 70,923 Kr. vertheilt, der Gesammtbedarf für Krankenpflege und Armenunterstützung betrug 148,067 Kr. Spenden sind 9467 Kr., für das Siechenhaus 6297 Kr. eingeschloffen. Zur Erhaltung des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde wurden 48,000 Kr., zur Erhaltung des Adele Brody-Spitals 10,000 Kr. beigetragen. Die Gesammteinnahmen der Chewra Kadischa betrugen im vorigen Jahre 471,321 Kr., die Ausgaben 466,243 Kr., und verblieb ein Ueberschuß von 13,078 Kr. Die außerordentlichen Einnahmen (hauptsächlich durch Aufnahme von neuen Mitgliedern) betrugen 218,430 Kr. Frankreich. Paris, 6. Aug. Hierselbst befinden sich sehr viele rumänische Juden, die es unter ihrer menschlichen Würde hielten, die furchtbaren Verfolgungen, denen sie in ihrem Vaterlande ausgesetzt sind, länger zu ertragen und daher im gastlichen Frankreich Schutz und Zuflucht suchten. Die meisten unter ihnen sind einfache Handwerker und Arbeiter, die einen sehr harten und mühevollen Kamps um's Dasein zu führen haben. Es ist geradezu bewunderswerth, wie diese Männer, deren Geschichte mit Blut und Thränen geschrieben ist, trotz alledem sich eine unerschütterliche Hoffnung auf neue, bessere Zeiten zu bewahren verstanden. Vor einiger Zeit haben sie hier eine „Gesellschaft rumänischer Juden" gegründet, deren Ziel die geistige und ökonomische Hebung ihrer Mitglieder ist. Jüngst hatte ich die hohe Freude und die große Ehre, in dieser Gesellschaft einen Vortrag zu halten. In diesem Falle sind die Worte „Freude" und „Ehre" nicht etwa eine hohle und leere Phrase, nicht eine fagon de parier. Hier ist es die reine und lautere Wahrheit. Gibt es denn etwas Ehrenvolleres, als vor Männern zu sprechen, deren ganzes Leben ein heroischer Kampf für ihre Ideen und für die Sache der Gerechtigkeit ist! Als ich im Laufe des Vortrages sagte, daß man stolz darauf sein müsse, ein Jude zu sein, haben sie diese Worte mit stürmischem Beifall begrüßt. Diese Leute, die von der Wiege an so furchtbar gelitten, aus ihrem Vaterlande vertrieben, von den Ihrigen getrennt, lediglich, weil sie jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens sind, sie sind trotz alledem stolz darauf, dem Judenthume anzugehören. Wie gering erscheinen im Vergleich mit diesen Juden, die Juden derjenigen europäischen Staaten, wo dieselben im Vollbesitze ihrer bürgerlichen Rechte sind, und nichts zu fürchten haben. Da kam mir plötzlich ein Gedanke in den Sinn, der mir meine ganze Aufregung er-