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Der Israelit · 1901-08-08 · Heft 62 (8.8.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 62 (8.8.1901)
Date
1901-08-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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42. Jahrgang. Erste Aeil'age zu Jf& 62 des „Israelit." Literarisches. Tic Killcbcrger. '.»('ach der Natur aufc\enoinnien non D n t c l Siegfried. Leipzig. M. W. K a u f - m o n n. 278 Seiten u. acht Seiten Worterklärung. Ich bin eigentlich fein großer Verehrer der schöngeistigen Litteratur, der Romane, Erzählungen, Schilderungen. Wenn ich ein derartiges Buch zu Ende gelesen habe, finde ich immer, daß es Schade war um die Stunden, die es gekostet und daß ich in derselben Zeit viel Besseres hätte mir aneignen können und sollen. „Statt des .Krautes, das den Magen mehr beschwert, als ernährt, hatte man fiir dasselbe Geld Fleisch und Fische haben können" (Sabbat 140 b). Aber nicht alle Vien scheu sind gleich und nicht alle Tage und Stunden ebenmäßig zur Arbeit verwendbar. Ein schwacher Magen verträgt nur ganz leichte Kost und nach geistiger Anstrengung thui etwas Ausspannung wohl. Da ist es denn ein wahrer Segen, daß wir im Lause der letzten Jahrzehnte mit einer ganz ansehnlichen Reihe sehr lesenswerther, in echt jüdischem Geiste ge schriebcner Erzählungen beschenkt worden sind, die wir unbedenklich unseren Frauen, unseren Söhnen und Töchtern in die Hände geben, den fiir das große Publikum bestimmten Bibikiotheken und Lesehallen cmpseh Ini, und die wir selbst in Erholungsstunden mit Freude lese» können, weil sie alle Vorzüge der nichtjüdischen Schriftsteller in sich vereinigen, frei sind von den dort meistens verschleiert oder unverhüllt gebotenen Pikante iien. und gleichzeitig jüdisch religiöses Denken und Empfinden unvermerkt befestigen. Dahin gehören Ne meisten der in Ihrem Blatte veröksentlichten Erzählungen, die schöne Sammlung: „plus Vergangenheit und Gegenwart," viele der Schriflen des bekannten S. Kohn aus Prag und noch manches bindere. Es wäre ein verdienstliches Werk, ein Verzeichnis', dieser empfehlenswerthen Bücher zusammenzustellen. Eine ganze' Anzahl hochbegabter Schriftsteller verbittern dem gläubigen Israeliten den Genuß, den ihre sonst trefflichen Schilderungen haben müßten, durch den spöttischen Ton. mit dem unsre religiösen Gebote und Einrichtungen, oder die Zustände und Verhältnisse bei unseren Altvordern dargestellt lverden. Wie oft habe ich bedauert, daß ich abzurathen gezwungen war, Vögele der Maggid. oder Mendel Gibbor für Schülerbibliotbeken anzuschaffen. Mit gutem Gewissen aber kann ich die „Killebcrger" warm empfehlen. Es ist kein Buch, das zur Frömmigkeit anregt, aber auch weit entfernt, Heiliges lächerlich zu machen. Aber lachen muß man doch bei der humorvollen Erzählung, welche Niemand unbefriedigt aus der Hand legen wird. Jsbesondere aber für die in Sommerfrischen und Badeorten befindlichen Glaubensgenossen wird das Büchlein, das auch den Vorzug hat. recht billig zu sein, ein passende Lektüre bilden. Wer es gelesen, wird es gewiß seinen Bekannten iveiter empfehlen. Dr. C. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Bus -cm Nabbinatsbezirk Brette«. Die bereits in diesen Blättern angekündigte Herausgabe von Kan zelreden von Herrn Bezirksrabbiner Schleßinger in Breiten, liegt nun im Drucke vollständig vor uns, und ist in Kommissionsverlag bei A. I. H o f m a n n in Frankfur! a. M. zu beziehen. Ich habe sämmtliche 04 Fest-, Sabbat- und Gelegenheits-Reden durchgelesen und gefunden, daß sie von biblischen, talmudischen und midraschischen Stellen durchwebt, also von echt jüdischem Geiste getragen sind. Die Darstellung der Reden sind nach Form und Inhalt gediegen, lvas jeder rabbinisch und allgemein wissenschaftlich Gebildete offen gestehen muß. Sie sind daher Rabbinern, Predigern und Laien, besonders auch zu HochzeitS- und Ge burtsangebinden. swvie Barmizwa-Geschenken etc. bestens zu empfehlen. A«§ dein NabbiimtSbczirk Brette«. Es ist ein trauriges Ereigniß, welches ich Ihnen heute mitzuthei len habe. Unser hochverehrter Herr Bez.-Rabbiner Dr. Schleßinger, nebst seinen Angehörigen, wurden in tiefe Trauer verseht. Sein einziger, hoffnungsvoller Sohn ist in dem jugendlichen Alter von 18 Jahren aus diesem Leben geschieden. Der Verblichene absolvirte das Gymnasium in Karlsruhe und kurz vor dem Abiturium hatte eine heimtückische Krankheit ihn überfallen, der er trotz ärztlicher Kunst und Bemühung, erlegen ist. Am Dienstag, 14. Aw, hat unter zahlreicher Betheiligung seine Beerdigung in Breiten stattgefunden. Herr Rabbiner Dr. P o s e n e r aus Karlsruhe hat als Lehrer und Freund des Dahingeschiedenen die Trauerrede gehalten. In erhebenden und tröstenden Worten schilderte er, wie der Verblichene durch sein Talent und Fleiß, fein rühmliches Betragen, seltene Bescheidenheit und aufrichtige Religiosität der Liebling seiner Lehrer und Mitschüler war. iTefergreifend ipar e§„ als auch der trauernde Vater unter Thränen und in rührenden Worten von seinem theuren, unvergeßlichen Sohne Abschied nahm.

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