Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 62 (8.8.1901)
- Date
- 1901-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449206--53959-2504561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1367 wichtigsten itnö heiligsten Institutionen ist sicherlich die Schechitah. Do sollte inan doch diese Funktionen nur solchen Jehudim auvertrauen, lvelche dazu allseitige Fähigkeit besitzen: denn es ist nicht genug, daß der Fchochet bl oh, die technische Fertigkeit besitzt, nein, er muß auch ein Bar Urion sein, muß die aus die Schechitab undbesonders die auf die Bedikah sich beziehenden zahlreichen Dinim wissen, muß endlich — und hieraus legen loir besonderen Werth — ein J'rei Schomajim, solvohl in Wort, als auch in der That sein. Der Herr College klagt ferner darüber, daß in inaneben Gemeinden die Metzger selbst Schochtim sind - in meiner Nachbargemeinde G. ist ein Schuster Seboehet und zwar ein solcher, der nicht zwischen Orur Homon und Boruch Ntordechai zu unterscheiden lveiß, auch iin nüchternen Zustande nicht. Die Schechitah und Bedikah iß bielsaeh solchen Leuten anvertrant, die allen religiösen Wilsens bar, nicht einmal im Stande sind, liebräisch richtig zu lesen, denen unpunktirte Texte Terra ineognita und Judenthum und seine Jnstiinfronen böhmische Dörfer sind: die es auch mit dern Neligiousgesetze nicht genau nehmen und trn p"& b?r,c rr'.rze* rwn itbi r.rv rate ixr bv rre-rer Dessenungeachtet lassen viele Gemeinden solche Schochtim in ihrer Funktion und essen von dem Fleisch solcher Thiere, die von solchen Schochtim geschlachtet loerden. Darf man also unter derartig obwaltenden Umständen sich wohl wundern, lvenn ein J'rei Schomaiim auf seiner Reise Anstand nimmt, in jüdischen Häusern in manchen Gemeinden als Gast der Tischge sellschatt beizutreten? Ich kenne einen Herrn aus Fulda, der bei seinen Eltern, lvelche in der oben genannten Gemeinde G. lvohnen, keine Fleischspeisen genießt. 'Jtun wollen loir schließlich lioch die Frage vorlegen: Wer ist Schuld daran, daß die Schechitah und Bedikah besonders auf dem Lande solchen Schochtim, wie wir sie oben charakterisirt, anvertraut ist? "122 -ncr Solche Nebel und Mißstände müssen aufgedeckt und zur Kenntnis; derjenigen gebracht werden, die die Macht, ihnen aufzubelsen, in Händen haben, und lvenn diese l'ebelstände beseitigt sein loerden, können loir Zuversicht lich hoffen, daß Niemand seine Stimme gegen die Schechitah erheben tvird. E r a i n f e l d. M. G i s e n b e r g e r, Lehrer. Pischheiiir i. (*., 5. Aug. Gin harter Schlag hat, lvie Sie bereits kurz berichteten, unseren verehrten Rabbiner. Herrn Dr. Wolfs, getroffen. Am Sabbat Gbason wurde ihm seine Lebensgefährtin nach langer, schwerer Krankheit entrissen, 7iL>x ,"rr rz^x. Rur lver das glückliche und harmonische Gbelebeu gekannt, der verinag die Größe des Verlustes zu ermessen, den unser ehrwürdiges Oberhaupt erlitten. 'Aber auch die Allgemeinheit beklagt und betrauert diesen Verlust, denn die Dahingeschiedene war eine echt jüdische Frau, wie sic leider in unserer Feit immer seltener werdell. Ihr ganzes Streben war daraus gerichtet, unsere heiligen Mizwos zu erfüllen, ihr ganzes Leben war ein fortgesetzter Gottesdienst. Besonders ihre Woblthätigkeit kannte keine Grenzen, und alles Gute, das sie that, that sie ohne Ueberhebung, wie etwas Selbstverständliches, nur in Erfüllung ihrer jüdischen Pflicht. Sie suchte keinen Dank und keine Anerkenn nung, sie ist immer die bescheidene, im Stillen wirkttidö Frau geblieben, der das Wohlthull Selbstzweck war. Doch konnte sie nicht verhindern, daß ihr Name bis in die lveiteste Ferne drang und ihr Haus im ganzen Lande berühmt wurde wegen seiner Gastfreundschaft. Sie war eine echt-jüdische Frau, die den Ausspruch zb'Vn r-icn 71W2: bv' ,-iT-yn bü', mirn bv ntrv in die That umsetzte. Denn nicht nük erraa': .Tray übte sic in reichlichem Maste, sondern sie wirkte auch für Verbreitung der Thora. Während der 17 Jahre, da ihr Gatte das Rabbinerseminar in Colmar leitete, hat sie diesen lvacker unterstützt, die seiner Obhut anvertrauten jungen Leute dauernd für nsrnpi wirox zu gewinnen. Mancher der Zöglinge hätte vielleicht den mächtigen Einflüssen nachgegeben, die von oben herab geltend gemacht lvurden. lim ihn nach links zu drängen, hätte sie nicht durch freundliches Zureden und weisen Rath seine Widerstandskraft gestärkt UNd gefestigt. Ihr höchster Stolz war es, daß in deck letzten Jahren ihres Colmarer Aufenthaltes die konservativen Rabbiner des Elsaß unter ihrem gastlichen Dache sich versammelten, um zu „lernen" und talniudische Themata zu besprechen. Wie erstrahlte sie vor inniger Herzensfreude, mochte sie auch von Krankheit heilNgesucht und leidend sein, au diesen Tagen war sie stets gesund; die Freude, der Thora eine Heimstätte bieten zu dürfen, übte eine ganz besondere Heilkraft auf sie aus. Kein Wunder, daß die Trauer bei ihrem Hinscheiden eine allgemeine war. Und diese allgemeine Trauer offenbarte sich bei ihrer Beerdigung, die am Montag, 6. Aw, stattfand. Fast sämmtliche Rabbiner des Unterelsaß und viele des Oberelsaß tvaren, zum Theil aus weiter Ferne, herbeigeeilt, um dieser seltenen Frau das letzte Geleite zu geben. Im Trauerhause svrach zuerst Herr Qberrabbiner U r y - Straßburg innige Worte der Antheilnahme und des Trostes; darauf gab Herr Dr. W e i l l - Buchsweiler dem Schmerz der einstigen Schüler des Rabbiner-Seminars beredten Ausdruck. Als dann der trauernde Gatte au die Bahre trat, um Abschied zu nehmen von der sterblichen Hülle seiner Lebensgefährtin, blieb kein Aug? thränenleer. Aber alle Anwesenden waren auch voll Bewunderung für diesen Zadik, wie er in seinem großen Schmerze und seiner tiefen Trauer mit herrlichen Worten pin pnate war. Hier zeigte sich, lvelche Kraft wahrer nr.ax und wahrer avae* nxi’ innewohnt. Auf dem Friedhose hielten noch die Herren Rabbiner Buttenwieser - Straßburg, S. H Schüler- Bollweiler und I. Gu gen heim - Saarunion, Ansprachen, worin sie die edlen Eigenschaften und Tu-