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Der Israelit · 1901-08-08 · Heft 62 (8.8.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 62 (8.8.1901)
Date
1901-08-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1366 steht: so darf doch niemals bei der eigentlichen Gemeinde die Pflicht aufhören, nach dem Maßstabe der vorhandenen Kräfte bei allen sich darbietenden Gelegenheiten rr; werkthätige Menschenliebe zu erweisen. Ein eristirt jedoch, das kein Verein, sondern in der Regel die Gemeinde übt, wir meinen ihre Fürsorge zur Aneignung des p-x p-n, der gewöhnlichen (weltlichen) Bildung. Wir freuen uns aufrichtig, wenn eine Gemeinde in der Lage ist, die allgemeine Bildung neben der jüdischen zu pflegen und zu fördern; übt doch hierdurch die Gemeinde rr; in hohem Sinne, wenn sie das Heranwachsende Geschlecht mit allen Mitteln ausrüstet, um im Leben sortzukommen; hauptsächlich freuen wir uns aber deßhalb, weil hierdurch, wenn nämlich die Gemeinde über tüchtige Schulen mit gediegenen Lehrkräften verfügt, Derech-Erez mit Thora in Verbindung gebracht werden kann, während sonst leider „Derech- Erez" alle Zeit die Jugend in Anspruch nimmt und die Thora bleibt im Winkel, — oder nicht einmal dort, wie ein hervorragender Kämpfer des gesetzestreuen Judenthums sich einmal so treffend ausdrückte. Ein horrender Misibrauch ist es aber und kann nicht scharf genug gerügt und misibilligt werden, wenn man eine jüdisch-konfeffionelle Schule gründet, ohne genügende Kräfte für den Religionsunterricht zu engagiren, denn in solchem Falle muß unbedingt einer tüchtigen Religionsschule der Vorzug gegeben werden. Entschiedenen Protest müsien wir dagegen einlegen, wenn man immer wieder und wieder von den kulturellen Aufgaben einer jüdischen Gemeinde, als solcher, spricht, ohne die k u t u e l l e n zu berücksichtigen und die religiösen Momente ganz in den Hintergrund drängt; als ob von einer Kult u r gemeinde und nicht von einer Kultus gemeinde die Rede wäre! Tau send- und abentausendmal möchten wir es betonen und nicht genug eindringlich können wir es der wärmsten Beherzigung empfehlen, dafz eine jüdische Gemeinde keine Kultur geuieinde, aber auch keine Aktiengesell schaft ist zur Befriedigung künstlerischer oder mnsika lEcher Bedürsnisie. Ihre Synagogen sind keine Schau spiclbäuser, ihre Rabbiner keine Schauspieler oder Kon'.ödianten, ihre Vorbeter keine Dpersänger, ihre Vorsteher keine unbeschränkte Herrscher, die nach eigener Willkür schalten und walten, ihre Berathungen sind keine Richtstätten über die Religion, oder richtiger dies Alles nicht sein sollen und dürfen, y-v" rrr; - ein” heilige Gemeinde, eine Gemeinde I e s ch n - “? ~ . das soll und mutz eine jede jüdische Kultus ' sein! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Korrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Der Wunsch des Kolonisten aus Rischon le-Zion, man möge palästinensische Esrogim kaufen, rollt wieder einmal die Esrog Angelegenheit, welche bereits eine ganze Litteratur für sich hat, auf. Roch vor wenigen Jahren entsprachen die Esrogim des heiligen Landes nicht den "Ansprüchen, die wir gewöhnt sind, an schöne Esrogim zu stellen; auch war die Produktion noch ungenügend. Jnztvischen haben sich die Verhältnisse gründlich geändert. Die Palästina-Esro gim sind jetzt in Folge fachmännischer, liebevoller Pflege wunderschön, und auch die Produktion hat sich so vermehrt, dasi damit der gesammte Bedarf unseres Volkes reichlich gedeckt lverden kann. Mit dieser Wendung der Dinge hat die g e - s a m in t e Situation der E s r o g f r a g e eine an d e r e G r u n d l a g e erhalten, und dürften in Folge dessen unsere Rabbinen sich vor die ernstliche Frage gestellt sehen, ob es thunlich sei, mit Wärme für die Palästina-Esrogim einzutreten. Ist es doch ehrenhafter. Jemand in seiner Parnoso zu unterstützen, als ihm Allmoseu zu geben! Auch lvollen unsere Brüder in Palästina heute keine Almosen mehr, sondern nur kraftvolle Aufmunterung zur frohen und ehrlichen, ivenn auch schweißtriefenden Arbeit. Eine solche freudige Ermunterung zum frohen, ehrlichen Schaffen geben nur ihnen, lvenn wir ihre Produkte kaufen und ihnen damit zeigen, daß unser Denken und Fühlen mit ihnen ist. das; ein Band ganz Israel aus dem Erdenrund umschlingt. llnd dann! — Ist es nicht ein herrlicher Gedanke, am Sukkothfest? vor unseren Gott hinzutreten mit einem Esrog. das jüdische Brüder auf jüdischem Boden gepflanzt haben? Freilich kann nicht unser Zusammengehörigkeitsgefühl für die Esrogfrage maß gebend sein. Wie überall, haben wir uns auch hier auf den gesetzlichen Standpunkt zu stellen, ein Gebiet, auf dem ich leider noch gar;n sehr Laie bin. Es sei mir aber trotzdem gestattet, meine unmaßgebliche Ansicht zu äußern. Bedenken wir, daß bei den von Richlinden gepflanzten Esrogim die Gefahr des uns gesetzlich unter sagten Pfropfens vorliegt und daß auch ein Pflanzen der Bäume durch Ableger, statt, wie gebo ten, durch Sarnen möglich ist, so dürften lutr uns wobt aus gesetzlichen Gründen für valästinensische Esrogim entscheiden, da sich bei unseren jüdischen Brüdern eine E o n t r o l e e i n f ü h r e n ließe, d i e d i e Be o Pachtung aller g e s e tz l. Vorschriften g e tv äh r l e i st e t. Ein Bedenken kann ich nicht unterdrücken: Wie ge stelltet sich die Sache im siebten Jahre, wo nicht ge pflanzt werden darf und wie bei einer Mißernte? Geis. Ans Hessen. Wie eine Erlösung aus dem beengenden Gefühle, das mich schon lange bedrückt, wurde mir die Eorresvondenz in Rr. M dieser geschätzten Zeitnng: „Ernste Rathschläge aus Rorddentschland." Der Herr Kollege klaat über die traurigen Zustände in Bezug auf Schechitah und Bedikah, und muß ich, sowie die meisten meiner verehrten Kollegen, welche die Verbältnifle kennen, ihr vollständig zustimmen. Eine der

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