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Der Israelit · 1901-07-25 · Heft 58 (25.7.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 58 (25.7.1901)
Date
1901-07-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1281 verstanden werden soll, trifft der Vorwurf, Juden seien in Berufen, die mit körperlicher Anstrengung verbunden sind, nicht vertreten, diese in keiner Weise. Mit Recht ist schon von Herrn Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz auf die Handwerker Schlesiens, von anderer Seite auf die jüdischen Bauern in Argentinien und den übrigen Kolonien verwiesen worden. Zu verwundern ist nur, daß bisher nicht die amtliche Statistik des deutschen Reiches herbeigezogen wurde, welche genau angibt, wie viel Juden auf unserem heimischen Boden landwirthschafliche Berufe betreiben. Gestatten Sie mir hierfür die Zahlen der Berufs¬ und Gewerbestatistik des deutschen Reiches vom 14. Juni 1896 anzuführen. Danach gibt es in der landwirthschaftlichen Gärtnerei, Viehzucht, Forstwirthschaft u. Fischerei: 1) Selbstständige Israeliten 1197 männl. u. 419 weibl. -- 1616, 2) Wirthschaftsbeamte, Wirtschafterinnen etc. 73 männl. und 3 weibl. — 76, 3) Knechte, Mägde etc. 893 männl. und 786 weibl. 1679, zus. 2163 männl. und 1208 weibl., Summa 3371 Personen. Auf die einzelnen Bundesstaaten entfallen hiervon: auf Preußen und zwar: Ostpreußen 149 männl., 22 weibl., Westpreußen 94 männl., 40 weibl., Berlin 16 männl., 3 weibl., Brandenburg 38 männl., 16 weibl., Pommern 34 männl., 21 weibl., Posen 167 männl., 66 weibl., Schlesien 128 männl., 48 weibl., Sachsen 10 männl., — weibl., Schleswig-Holstein 2 männl., 2 weibl., Hannover 27 männl., 14 weibl., Westfalen 54 männl., 38 weibl., Nassau 173 männl., 111 weibl., Rheinland 207 männl., 168 weibl., Hohenzollern 7 männl., — weibl., zus. 1111 männl. und 639 weibl. Personen; Bayern 636 männl., 368 weibl., Sachsen 2 männl., Württemberg 48 männl., 28 weibl., Baden 129 männl., 63 weibl., Hessen 124 männl., 82 weibl., Mecklenburg-Schwerin 6 männl., 3 weibl., Sachsen- Weimar 2 männl., 1 weibl., Mecklenburg-Strelitz 1 männl., Oldenburg 6 männl., 6 weibl., Braunschweig 6 männl, 1 weibl., S.-Altenburg 3 männl., Koburg- Gotha 1 männl., Schwarzburg-Sondersh. 1 männl., Waldeck 3 männl., 4 weibl., Schmbg.-Lippe 1 männl., Lippe 1 männl., 6 weibl., Bremen 16 männl., 13 weibl., Hamburg 4 männl., Elsaß-Lothringen 166 männl., 106 weibl., zus. 2163 männl., 1208 weibl. 3371 Personen. In dieser Zahl sind die als Gesinde für häusliche Dienste beschäftigten Israeliten nicht mit einbegriffen. Als solche wurden außerdem gezählt: Preußen 171 männl., 601 weibl.. Bayern 4 männl., 31 weibl., Sachsen 3 männl., 4 weibl., Württemberg 6 weibl., Baden 2 männl., 24 weibl., Hessen 6 männl., 10 weibl., Mecklenb.-Schwerin 2 weibl., Sachsen-Weimar 2weibl., Oldenburg 6 weibl., Braunschweig 1 weibl., Koburg-Gotha 3 weibl., Anhalt 1 weibl., Lippe 1 weibl., Lübeck 2 männl., Bremen 1 männl., 6 weibl., Hamburg 9 männl., 36 weibl., Elsaß- Lothringen 9 männl., 63 weibl., zus. 207 männl., 684 weibl. — 891 Personen. Sind diese Zahlen auch nicht so hoch, wie wir sie wünschen müssen, und ist daher die volkswirthschaftliche Bedeutung der Bestrebungen zur Ueberleitung deutscher Juden zur Landwirthschaft gar nicht hoch genug einzuschätzen, so sind sie doch ein unwiderleglicher Beweis dafür, daß Juden sich auch der schweren Arbeit der Landwirthschaft gern widmen, wenn ihnen Gelegenheit hierzu geboten ist. Dr. Ernst Tuch, Berlin, General-Sekretär des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands. Oesterr. -Ung. Monarchie. Wien, 23. Juli. Von einem „Vorkämpfer gegen das mobile Großkapital" berichtet die „Wiener Arbeiterzeitung": Mehr als eine Viertelmillion Kronen hat der bekannte Pfarrer Deckert hinterlassen, der Verfasser des „Vaterunsers in der Judennoth." Man sieht, die Judennoth war für ihn einträglich. Man bekommt einen Begriff davon, was erst ein herrschender jüdischer Hausirer in's Verdienen bringen muß, wenn ein verfolgter katholischer Priester eine Viertelmillion hinterläßt — das muh in die Milliarden gehen! Aber das hinterlassene Kapital selbst ist nicht das Merkwürdigste. Interessant ist, woraus es sich zusammensetzt. Das „Deutsche Volksbl." gibt folgenden Jnventurausweis: Werthpapiere 240,916 Kronen, Haus 41,010 Kronen, Baarschaft 492 Kronen, Pretiosen 1,761 Kronen, Bücher 1000 Kronen, zusammen 286,178 Kr. Mehr als 84 pCt. des hinterlassenen Vermögens besteht aus Werthpapieren! Nicht Distel und Dornen also trägt die Arbeit im „Weingarten des Herrn", auf den Weinstöcken reifen — Aktien und Schuldverschreibungen. und der über die jüdischen Ausbeuter zeternde Pfarrherr schneidet mit der Weinscheere viermal des Jahres Coupons ab! Welcher Ernst wohnt den Leuten inne, welche gegen das mobile Großkapital wettern und ihre Schränke mit demselben mobilen Großkapital füllen? Aktien und Schuldverschreibungen kaust man bekanntlich nicht auf dem Grünzeugmarkt, sondern an der Börse. Hinter dem Börseaner, der den Kaftan abgelegt hat, um auf der Börse zu kaufen und verkaufen, taucht da plötzlich der Gottesmann auf, der den alten Kaftan unter dem modernen Namen Kutte als Ehrenkleid trägt, und dem Börsenmann Aufträge gibt, zu kaufen und zu verkaufen. Wahrscheinlich hat irgend einer aus Kolomea den Pfarrer von Weinhaus bei einer „Transaktion" vor Jahren tüchtig hineingelegt und ihn veranlaßt, seinen Aerger auf der Kanzel und durch das „Vaterunser in der Judennoth" Luft zu machen. Diese 240,916 Kronen mobilen Großkapitals beweisen, daß in dem Heldenstreit zwischen Kutte und Kaftan die Kutte siegreich geblieben ist. Schade, daß es Deckert nicht früher eingefallen ist, durch eine weitere Trans-

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