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Der Israelit · 1901-07-25 · Heft 58 (25.7.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 58 (25.7.1901)
Date
1901-07-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1280 seiner Leiden Zeit zu Ende geht; lehrt es glauben an sich und an seine Bestimmung. Auf den Trümmern Jeruschalajims und Zions ruft er seinem Volke zu, sie möchten den Weg Gottes bahnen, seine Pfade ebnen. Jedes Thal müsie erhoben und jeder Berg erniedrigt werden'. Das soziale und völkerpsychologische Problem: „Volk ohne Land" taucht Jesaja auf und seine Antwort auf die Frage lautet, eure Worte und eure Auffaffung sind irrig. Ihr seht im Völkerleben nur das äußere Volumen seiner Macht; ihr seid die Anbeter des augenblicklichen Erfolges. Der lebende Gott, der als Componist der Rapsodie, die man Weltgeschichte nennt, wirkt, er beruft die Völker und sie müssen die Rolle spielen, die er ihnen zuweist. c’-jtxs scmi *iea d^j fn ntr p"o ax fn iztrn:. Ihm sind die Völker die Tropfen im Eimer der Weltgeschichte, oft der Staub an der Wagschale des Seins, daher er Eilande wie Staub wegfegt. .. . Er kündet dem zerstreuten Volke den Gott der Geschichte. Und Israel soll in dieser den ewigen Postulaten des göttlichen Sittengesetzes nachstreben. Vor diesem Standpunkte schwindet der Zweifel an dem Bestehen des Volkes ohne Grund und Boden. Es ist der Höhepunkt geschichtlicher Betrachtung, auf den uns der Prophet im Fluge seiner Rede hinaufbringt, wenn er sagt, daß der rothe Faden in der Weltgeschichte und die Werthung der Bedeutung eines Volkes ein weit tieferer ist — als dies in dem Nationalitätenprinzip ausgesprochen liegt. Der Rufer in der Wüste sagt, die Aufgabe Israels bestehe in dem Ebnen der Pfade des sittlich Großen und Gottgefälligen. Das vollkommene Auf- und Eingehen in die sittlichen Aufgaben, die bis in's Kleinste unser Thun und Handeln bestimmen und unsere Sonderexistenz begründen, — das ist der Ruf des größten Nationalisten, des göttlichen Jesajas, der heute zu uns spricht. Nicht eine negative Kritik des nationalistisch sich gebenden Judenthums soll dies sein. Denn eine solche geht lediglich darauf aus, die negativen Consequenzen der Theorie aufzuzeigen, ohne den Kern der Theorie selbst zu berühren. Eine solche Kritik ist diejenige, die das assimilatorische Judenthum an dem Zionismus übt. — Wir möchten nur hiermit unser positives Bekenntniß angedeutet wissen. Lediglich die Grundlagen unserer weltgeschichtlichen Auffassung dahin aussprechen, daß Israels Bestand außerhalb seinem Lande möglich war, weil die Erhaltung auf nationalem Boden nur im Vollbesitze der göttlichen Verpflichtungen an unser Sittengesetz in all seinen Ausprägungen denkbar und wünschenswerth ist. Der Rufer in der Wüste sagt, Israel müsse die Wüste der menschlichen gesellschaftlichen Kulturwelt neu gestalten, in dem es die ewigen Ideale des Gottesbewußtseins im Leben betont. Dr. L. Roth. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, im Juli. Zur Zeit bereist Herr Rabbiner Samek aus Nowogrudok (Rußland) Deutschland und die Schweiz, um Beiträge für die große dortige Talmudhochschule (Jeschiba) entgegenzunehmen. Obwohl wir bereits in früheren Jahren auf diese großangelegte Pflanzstätte echt jüdischer Thorawissenschaft hingewiesen haben, können wir es uns dennoch nicht versagen, den treuen Sendboten dieser Anstalt und vor allem diese selbst wiederholt den thätigen Sympathien aller unserer Leser recht angelegentlich zu empfehlen. Bei dem schweren sozialen und politischen Druck, der auf unseren russischen Glaubensgenossen se sehr lastet, sind ideale Institutionen, wie die in Rede stehende, mehr als sonst auf den Wohlthätigkeitssinn der außerrussischen Juden angewiesen. Man hat bei uns keinen Begriff von den schweren pekuniären Opfern, welche die Wohlhabenden in Rußland tagtäglich zur Linderung der preeären Lage zu bringen haben, unter welchen ungezählte Hunderttausende, durch Hunger, Feuersbrünste, Beamtenwillkür und viele andere ständige Kalamitäten leiden. Das bewunderswerthe Märtyrium, mit welchem das Gros der jüdischen Bevölkerung Rußlands diese Plackereien und Nörgeleien erträgt, wurzelt in dem Geiste der Thora, den diese Jeschiboth in alle Schichten der Bevölkerung tragen. Unter diesen Anstalten zeichnet sich diejenige von Nowogrudok und ihr als hervorragende Capacität berühmter Leiter, Herr Rabbiner Eppstein, in ganz besonderer Weise aus. Auch die ökonomisch-finanzielle Seite der Anstalt ruht, wie die ganze Verwaltung, in bewährten Händen. Dafür bürgt schon der Umstand, daß die Herren Hermann Lehmann in Frankfurt a. M. und Samuel Straus in Karlsruhe sämmtliche in Deutschland und der Schweiz erfolgten Zuwendungen entgegennehmen und sie ihrer Bestimmung zuführen. Wer daher wirklich das Studium der Thora fördern und damit ein Werk wahrer Bruderliebe verbinden will, dem sei diese Anstalt und ihr Sendbote recht angelegentlich empfohlen. Berlin, 22. Juli. Sehr geehrter Herr Redakteur! Seit kurzem wird wieder in jüdischen, wie nichtjüdischen Zeitungen die schon häufig erörterte Frage besprochen, ob Juden „produktiv" thätig sind oder nicht. Unter „produktiver Thätigkeit" wird hierbei — freilich unwissenschaftlich genug — nur die des Bauern und des Handwerkers verstanden, während es doch keinem Zweifel unterliegen kann, daß, volkswirthschaftlich gesprochen, Gelehrte, Künstler, Kaufleute in gleicher Weise produktive Arbeit leisten. Aber selbst wenn hierunter nur Handarbeit im Gegensatz zur Kopfarbeit

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