Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1282 aktion seine Werthpapiere zu verkaufen und den Erlös in Häusern oder Grundstücken anzulegen. Dann wäre der Mann aus einem Vertreter des internationalen mobilen Geldkapitals in einen Vertreter des ehrlichen Haus- und Grundbesitzes verwandelt. Budapest, 23. Juli. Im Herbste dieses Jahres werden in unserem Vaterlande die Abgeordnetenwahlen stattfinden. Die Wahlbewegung ist daher schon heute allenthalben auf der Tagesordnung. Für jüdische Kreise sind die Kandidaturen in Beregßaß von besonoerem Interesse. Diesen Wahlbezirk vertritt gegenwärtig Edmund Barta, ein Anhänger der äußersten Linken. Als Jude nahm derselbe mehrmals Gelegenheit, im Parlament über Juden zu sprechen und verstieg sich soweit, seine orthodoxen Glaubensgenossen öffent lich als Kulturfeinde und Gegner der staatlichen Inte ressen zu stygmatisiren. Es saßen damals im Parlament noch zehn „jüdische" Abgeordnete, cr:c: kein ein ziger hat es der Mühe werth gefunden, den Kollegen und Glaubensbruder zu widerlegen. Der ehemalige unvergeßliche Ministerpräsident Baron Desidor Banffy ließ es sich nicht nehmen, den Patriotismus und die politische Verläßlichkeit der ungarischen Juden in einer längeren Rede ganz besonders hervorzuheben. Und da er von den Juden seines früheren Wirkungskreises sprach, so dachte er in erster Reihe gewiß nur an die orthodoxen Juden, weil in beiden Komitaten seiner ehemaligen Obergespanschaft „keine einzige neologe Gemeinde" vorhanden ist. Ein zweiter „jüdischer" Abgeordneter hat sich sogar als verkappter Freund der an tisemitischen Volkspartei entpuppt. Wenn es aber zu den Reichsrathswahlen kommt, verlangen es diese „Auch" — „Bauch" — und „Nochjuden," wie sie unser „Stammesbruder" Dr. Nordau nennen würde, daß die jüdischen Wähler in erster Reihe für sie agitiren. Herr Edmund Barta ist auch insofern „Nochjude," als er thatsächlich noch nicht getauft wurde, seine Kinder aber hat er der Reihe nach der katholischen Kirche zugeführt. Nun wird der rühmlichst bekannte Direktor der Großwardeiner orthodoxen Bürgerschule, Herr Jakob Gabel, in Beregßaß mit liberalem Programm kandidiren und erhielt auch schon von der Regierung die Zusicherung, daß die reichsräthliche liberale Partei keinen anderen offiziellen Kandidaten im genannten Wahlbezirk aufstellen wird. Herr Gabel ist als gesinnungstüchtiger, gesetzestreuer Jude weit und breit bekannt, erfreut sich auch in sozialer Beziehung allgemeiner Hochachtung und hat bei verschiedenen Gelegenheiten sich schon als hervorragender Redner bewährt. Er hat auch die besten Aussichten, als Sieger aus der Wahlurne hervorzugehen, was vom Standpunkte des orthodoxen Judenthums mit Freuden zu begrüßen wäre. D. W. Afrika. Algier, 18. Juli. Der frühere Bürgermeister von Algier, Max Regis, ist, wie gemeldet wird, in Oran auf dem Wege zum Kasino durch einen Messerstich im Nacken verwundet worden. Der Angreifer wurde alsbald verhaftet. In der üblichen Weise schlossen sich an diesen Vorgang Ruhestörungen, bei denen zahlreiche Personen verhaftet wurden, darunter Louis Regis. Da nun in Algerien ohnehin große Gährung unter den Eingeborenen herrscht, wie sich dies jüngst bei dem Aufruhr in Margueritte gezeigt hat, müssen die Zwischenfälle, deren Mittelpunkt Max Regis zu bilden pflegt, die Erregung noch wesentlich steigern. Sehen nämlich die Eingeborenen, daß unter den französischen Beamten und den Elementen, die mit der Verwaltung der Städte betraut sind, die heftigsten Gegensätze herrschen, so kann es nicht überraschen, daß sie immer mehr in ihrer eigenen Opposition gegen die Centralgewalt bestärkt werden. Darin liegt nun die Gefahr eines allgemeinen Aufstandes. Vor allem bedarf es daher einer starken Faust in der Präfektur. Der Ministerpräsident Waldeck-Rousseau ließ den Präsidenten der Republik elf Dekrete unterzeichnen, die sich sämmtlich auf die Ernennung oder Versetzung von Präfekten beziehen. Das Wichtigste daran ist, daß der bisherige Präfekt von Algier, Lutaud, nach Marseille versetzt wird, und daß Rostaing, seit mehereren Jahren Präfekt der Niedre, wo er mit fester Hand regierte, an seine Stelle kommt. S p r e ch s a a l. Sehr geehrter Herr Redakteur! Aus dem, was Herr Dr. A. Berliner auf meine Erwiederung in Nr. 55 entgegnet, geht hervor, daß die von ihvl mitgetheilte Deutung von tric. s;ib. einfach unbewiesen, im wissenschaftlichen Sinne also keine Erklärung, sondern eine Hypothese ist. Herrn Dr. Berliner's „Geschichte der Juden in Roui" ist mir z. Ztg. nicht zugänglich. Auch nach dem Hinweise auf dieses Werk dürfte meine Folgerung: „daß im Augustäischen Zeitalter sich in der Vorstellung des Volkes zu Rom eine Verbindung zlvischen dem Gedenktag der beginnenden Belagerung Jerusalems und dem der Tempeleinäscherung, sowie eine Zählung der dazwischenliegenden Sabbate die Bedeutung eines dies lK'fustvi s bei behalten habe," nicht ausgeschlossen sein. Jedenfalls blieben meine Gründe, daß mit dein tniia^imu s;Ui. ein b e st i m in t e r Sabbat gemeint ist, unwiderlegt. Ob dieser nun der traurige — s. wohl heißen der Trauer gewidmete -— pt~ res* oder welcher immer war, erscheint noch unentschieden. Im „Israelit" mag damit diese Controverse ge schlossen sein. Rosch chogesch Ab 5661. Ernst G r e b e r.