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Der Israelit · 1901-07-25 · Heft 58 (25.7.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 58 (25.7.1901)
Date
1901-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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KrAe Anlage zu Jß 58 des „Israelit." leitender 2l r t i k e l. Der Nufer in der Mäste. Ueber den Bergkegeln des Libanon hinaus steigt dunkler Qualm empor. Rauchende Balken fürstlicher Häuser stürzen zusammen und bedeuten den Zusammenbruch eines Kulturlandes, besten Entstehen und Bestehen allen Conjecturen der Politik Trotz zu bieten schien. Und nun ist es zusammengebrochen unter den Keulenschlägen äußerer Feinde, nachdem es nach innen faul und morsch geworden. — An den Niederungen der Berge fliehen die Schaaren, die den „Rest Israels" bilden sollen, die Uebriggebliebenen in der Nationalkatastrophe. So schien es denn doch, als hätte die politische Berechnung über diesen kleinen Zwerg am Jordansstrande gesiegt, trotz seines unbändigen Willens zum Leben. Nun ist die Bahn frei für die Verwirklichung des Machtideals, nun können sie die Politik der starken Faust verwirklichen. Jetzt mag das „Parallelogramm der Kräfte" auch für die Institutionen der Weltgeschichte Geltung gewinnen, wie es in den Bewegungen der physischen Kräfte längst Gesetz wurde. Dieses kleine Häuflein mit seiner eiqenthümlichen Anschauung über Alles, seinen ererbten Traditionen u. Lebensführungen, es hatte immer von jenen Imponderabilien gesprochen, die sich in dem Werdegang der Staaten und ihrer Entwickelung geltend machten. Es hat auf diese unberechenbare und unzählbare Macht während seines Bestandes gevocht, und nur zu oft wurden die Kulturwelten Egyptens und Babels in ihren Berechnungen aufgeschreckt und gestört! Denn so oft Israel in inniger Ueberzeugung von dem Sein dieser Macht durchdrungen war, fanden in Mizraji'n und Babel unvorhergesehene Kabinetskrisen statt. Denn die Staatsmänner der astatisch-afrikanischen Kulturstaaten waren Realpolitiker, die nichts hören mochten von jenen geistiaen und sittlichen Wertsten, die den Glanz der welthistorischen Entwickelnna bestimmen sollten.Nun ist die Bahn frei. Jsrael's .Heiliathum ist in Staub und Asche zerfallen: Judäas Herz ist gebrochen. Ein neues Problem beschäftigt von nun ab die Forscher und Denker. Es laufen zusammen die Bölkerstioloaen und Bölkerpsychologen und haben die Frage -!u beantworten, ob denn ..Israels Rest" in der Weltaeschichte unteraesten müsse, im Andranae äußerer Einflüsse: ob es wohl noch Daseinsberechtigung haste, ohne Staat und ohne selbststandiaes Territorium. Es ist ein wichtiges Zusammentreffen im synagogalen Leben, daß wir am Trostsaststat von verschiedenen Seiten her die Beantwortung dieser wichtigsten unserer Lebensfragen vernehmen. — Der Wochenabschnitt stellt uns die Frage in der Person des größten Juden aller Zeiten vor. Moses, der treue Ueberbringer des Gotteswortes erzählt im Rückblick auf die Wüstenwanderung seine Sehnsucht, die er nach dem heiligen Boden empfand. In schlichten Worten, die nur aus dem Munde des Gottesmannes in solch' einfach-monumentaler Kraft strömen, erzählt er sein Ringen um die Erlaubniß, die geweihten Stätten der Patriarchengeschichte zu sehen, und im Lande der Zukunft seines Volkes leben zu dürfen. Ein Gnadengeschenk sollte es sein, das Land zu sehen, in besten Gauen Balsamduft weht. „Dessen Lüfte in Abendwindes Kühle jedem Empfänglichen Lehre zulispeln." Testen Straßen gen Osten führen, in's Traumland der jugendlichen Menschheit. Das einst der heißumstrittene Boden werden sollte für alle, die in Sehnsucht nach Erneuerung menschlicher Ideale streben. ... In denen die Gluth nach echtem Menschenthum und der Bethätigung des Ewig-Menschlichen fortglimmt. „Du hast genug!" Verlange nicht nach dem Lande der Verheißung, du könntest zu jenem Jrrthum Anlaß geben, als wäre deine und deines Volkes Bestimmung vom Besitze des Bodens abhängig. Als wäre es nicht das Thoravolk, als wäre Palästina nicht das Land, das Sinn und Bedeutung für uns nur so weit hat, in soweit wir die Pflichten unserer Volksbestimmung erfüllen. Es könnte der Wahn aufkommen, als gäbe es ein Judenthum nur in Ansehung selbstständigen Bodenbesitzes: man könnte in die bequeme Ueberschwenglichkeit verfallen, alles dem Boden und nichts der Pflichterfüllung zuzuweisen. Nein, Moses, an deinem Judenthum wird wostl Keiner Zweifel hegen. Du darfst das Land der Verheißung nicht betreten, um allen Zeiten als lebender Beweis für die Wahrheit zu gelten, daß Israels Bestimmung und Israels Daseinsberechtigung nicht von einem falschen Dusel nationalistischer Tagesphrasen, sondern von der Tiefe und Innigkeit seiner Pflichterfüllung abhänge. Und als wollten die Haphtara diesen Gedanken vollständiger ausdrücken, richtet der tröstende Prophet seine Rede an Israel. Wie nach trübem Wetter die liebliche Sonne doppelt schön und milde strahlt, so leuchtet das Auge des Propheten der heutigen Haphtara .... Ein mildes Lächeln umspielt seine Lippen und noch sind seine Augen gelinde thränenumflort. Langsam und bedächtig fließt seine Rede, zu Twost aufrusend alle die'.tau send Stimmen, die in seiner Brust Israels Zukunft und Heil verkünden. Allmählich hebt sich die Musik seiner Rede. Redet tröstend auf mein Volk ein, sagt ihm, daß

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