Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1276 „Ich war's! Und wer bist Du, was willst Du hier?" Verwirrt entgegnete das Mädchen: „Darf ich etwa nicht hier sein? Wer will es mir verbieten?" „Ich verbiete es Dir!" rief Josef, indem er sich aus dem Grase erhob; „ich leide es nicht, daß man zu mir komme, daß man mich störe. Fort von hier!" „Boshafter Knabe!" rief die kleine Lea, denn sie war es, und entfernte sich eilenden Schrittes. Tags darauf saß Josef wieder zur selben Zeit an derselben Stelle und gedachte der gestrigen Unterbrechung. Je mehr er darüber nachdachte, desto aufrichtiger bedauerte er es, das Mädchen verscheucht zu haben; er wünschte sogar von Herzen, daß heute das Mädchen wiederkomme. Er nahm sich vor, sie gerne an seiner Seite zu dulden. Aber sie kam weder heute, noch an den folgenden zwei Tagen, trotzdem sie vom blinden Sänger in Hangen und Bangen erwartet wurde. Erst am vierten Tage hörte er im Garten von der Ferne wieder ihre Stimme, die er sofort erkannte; sie sang einfach und schlicht ein Kinderliedchen. Joseph ging der Stimme nach, näherte sich immer mehr dem Mädchen und sprach, als er sich ihr schon ganz nahe glaubte, recht sanft: „Höre doch, bist Du es wieder? Wie heißest Du?" „Siehst Du denn nicht, daß ich's bin? Ich heiße Lea," erwiederte sie mit einem Anflug von Stolz. Die Frage, ob er denn nicht sehe, erschütterte ihn, aber er schwieg. Das Mädchen unterbrach die peinliche Stille: „Wer lehrte Dich singen? Du singst gar so schön; aber Du bist so jähzornig." „Ich zürne Dir doch ganz und gar nicht!" „Nicht? Dann bin auch nicht böse, und wir können hier spielen." „Das — kann — ich — nicht," sprach der Blinde, sich unwillkürlich abwendend. „Du kannst mit mir nicht spielen?" Warum denn nicht?" — „Weil ich's nicht kann." „Du?!-bist ein sonderbarer Knabe! Oder fürchtest Du mich etwa, weil Du mich noch nicht kennst?" „Ich fürchte Niemanden, am allerwenigsten Dich, liebe Lea!" Er tastete nach dem Mädchen, wie er es bei jedem Gegenstände zu thun gewohnt war, der ihm zum ersten Mal unter die Hände gekommen und an dem ihm etwas gelegen war, deffen Beschaffenheit er erkennen wollte. Joses legte seine linke Hand um die Schulter Lea's, mit der Rechten aber befühlte er nacheinander ihr Haar, ihre Stirne, Augen und ihr ganzes Gesicht. Er that es so hastig, daß Lea erschrack, sich rasch von ihm losmachte und ries: „Was willst Dil von mir, Du . . . ." Da entrang sich ein schwerer Seufzer der Brust des Knaben und er begann so bitterlich zu schluchzen, daß sich dabei sein ganzer Köper heftig schüttelte. Dies erweckte tiefes Erbarmen im Herzchen Lea's. „Warum weinst Du nun?" frug sie zärtlich. Dann schmiegte sie sich an ihn und redete ihm zu: „So weine doch nickt, ich bin Dir nicht böse, — bitte, bitte." Diese sanfte Beschwichtigung preßte ihm noch mehr Thränen ab. (Fortsetzung folgt.) Der „I ft r a e 111" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« nnd Donnerstags, jedesnral ia mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend HSHer. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich od r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. #. Steinarkrr, Leipzig, Notzplatzjö. — Inserate 25 Pfennig die viergespalteu« Petitzeile »der deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pr» Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'» Ansland 1» Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, «an bittet deshalb, sich von alle» Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Stelleafuchende erhalten auf Wunsch die Jnferaten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco zuaefandt. Ebenso stunde» wir auf Wunsch die Zahlung deS JnsertionSbetragS an anher Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solche«. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Israels Lied au der Quelle und der Quelle und der Quelle Antwort. - Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland: Berlin. Coblenz. Fürth. Hoppstätten. Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Licht. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Rufer in der Wüste. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Benin Qesterr.Ung. Monarchie: Wien. Budapest. Afrika: Algier. — Sprechsaal. Inhalt der zweiten Beilage: Literarisches. Belletristische Beilage: Der bekehrte Antisemit. Extra-Beilage: „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen